Vilnius Neue Details zu Rammstein-Show in Vilnius: Wie Shelby Lynn das Konzert erlebte
Die Irin Shelby Lynn bringt mit ihren Vorwürfen und Bildern von blauen Flecken auf ihrem Körper nach einem Rammstein-Konzert in Vilnius den Skandal um die Band und ihren Frontmann Till Lindemann ins Rollen. In einem TV-Interview enthüllt die junge Frau neue Details zu dem Auftritt.
Nach einem Konzert der deutschen Band Rammstein am 22. Mai in Vilnius in Litauen erhob Shelby Lynn als erste Frau öffentlich schwere Vorwürfe gegen Frontmann Till Lindemann und sorgte damit für ein MeToo-Beben in der Musikbranche. Lindemann bestreitet die Vorwürfe.
Die Rammstein-Show blieb für die 24-Jährige dennoch alles andere als in guter Erinnerung. Was sie während des Konzerts erlebte und wie jetzt es weitergeht, berichtet die junge Irin in einem aktuellen TV-Interview von „NDR“ und „Süddeutscher Zeitung“, das am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Titel, Thesen, Temperamente“ ausgestrahlt wurde.
Lynn machte drei Tage nach dem Rammstein-Konzert in Vilnius ihre Vorwürfe gegen Frontmann Till Lindemann in den sozialen Netzwerken öffentlich. In einer Mitteilung der Berliner Rechtsanwälte Simon Bergmann und Christian Schertz hieß es dazu: „So wurde wiederholt behauptet, Frauen seien bei Konzerten von Rammstein mithilfe von K.-o.-Tropfen beziehungsweise Alkohol betäubt worden, um unserem Mandanten zu ermöglichen, sexuelle Handlungen an ihnen vornehmen zu können. Diese Vorwürfe sind ausnahmslos unwahr.“
Auch interessant: Schwindel, Taubheit und Übelkeit: So gefährlich sind K.O.-Tropfen
Am Anfang sei ihr alles harmlos erschienen: Lynn habe im Internet erfahren, dass es Partys rund um den Auftritt der Band geben solle. Für eine Teilnahme habe sie eine Frau aus dem Umfeld kontaktierten müssen. Sie habe zunächst an eine „Afterparty mit Rammstein-Fans“ gedacht, möglicherweise tauchten dort auch Bandmitglieder auf.
Doch sei dann ganz anders gekommen: Schon bevor das Konzert begann, sei sie zu einer Party eingeladen worden. Dort sei ihr auch Alkohol angeboten worden, gab die „Tagesschau“ ihre Schilderungen wieder. Als man sie dann während einer Pause der Rammstein-Show hinter die Bühne geführt habe, habe sie nur gedacht:
An viele Momente während des Konzertes könne sie sich nach der Vor-Party nicht mehr erinnern, alles sei „wie vernebelt“. Im Hotel habe Lynn mehrere große blaue Flecken an ihrem Rumpf entdeckt. Davon postete sie Bilder in den sozialen Netzwerken. Sie könne nicht sagen, wie es dazu gekommen sei. Sie sei nicht bei Sinnen gewesen und habe offenbar unter dem Einfluss einer Substanz gestanden, vermutete Lynn.
Öffentlich machte Lynn ihre Vorwürfe als „Mädchen, das bei Rammstein gespiked wurde“, wie auf ihrem Twitter-Profil nachzulesen ist. Spiking meint eine Methode, mittels derer einem Opfer K.-o.-Tropfen durch eine Nadel injiziert werden. Die Vorfälle häufen sich – auch in deutschen Klubs.
Nachdem sie an die Öffentlichkeit gegangen war, bekam die Irin viel Solidarität zugesprochen, aber auch Morddrohungen. Unterstützung lieferten mehrere Frauen, die in den vergangenen Tagen – teilweise anonym – ebenfalls Vorwürfe gegen Lindemann erhoben. Die Frauen schildern Situationen, die sie teils als beängstigend empfunden hätten.
Junge Frauen seien während Konzerten ausgewählt und gefragt worden, ob sie zur Aftershow-Party kommen wollen. Dort soll es nach Schilderungen einiger Frauen auch zu sexuellen Handlungen gekommen sein. Die Frauen seien zuvor aus einem Bereich ganz vorn im Zuschauerraum ausgewählt worden – der sogenannten Reihe Null (engl.: Row Zero).
Lesen Sie dazu: Rammsteins auserwählte Schönheiten: Wie das System „Row Zero“ auf Konzerten funktioniert
Strafrechtliche Ermittlungen gibt es nach Medieninformationen bislang nicht. In einer Stellungnahme von Rammstein hatte es geheißen, die Vorwürfe hätten die Band sehr getroffen und man nehme sie außerordentlich ernst.
Weiter hieß es in dem Schreiben: „Wir verurteilen jede Art von Übergriffigkeit und bitten euch: beteiligt euch nicht an öffentlichen Vorverurteilungen jeglicher Art denen gegenüber, die Anschuldigungen erhoben haben. Sie haben ein Recht auf ihre Sicht der Dinge.“ Auch die Band habe aber ein Recht – nämlich ebenfalls nicht vorverurteilt zu werden.
Die Anwälte von Till Lindemann kündigten an, wegen der Anschuldigungen umgehend rechtliche Schritte gegen einzelne Personen einzuleiten. Auch Shelby Lynn erhielt nach eigenen Angaben eine Unterlassungserklärung. Davon lasse sie sich jedoch nicht einschüchtern. Im TV-Interview zeigte sich die junge Frau weiter kämpferisch: „Macht mich bankrott. Ist mir egal. Bringt mich vor Gericht. Ich habe keine Angst. Sie haben viel zu verlieren und eine Menge zu verbergen. Ich habe nichts zu verbergen.“
Für sie sei die Band Rammstein ein großer Teil ihres Lebens gewesen, gestand Lynn. Das werde durch die Vorwürfe nun vielen weggenommen. Sie sagte: „Ich habe keine Angst, aber mein Herz ist gebrochen wegen all der anderen, denen viel Schlimmeres passiert ist.“
Mit Material von dpa