Naturprojekt In Flachsmeer entsteht ein neues Hochmoorgebiet
Die im Oktober auf einer Fläche an der Russenstraße verteilten 30 Tonnen Torfmoose wachsen. Deshalb profitiert auch die Tier- und Pflanzenwelt von dem neuen Feuchtbiotop.
Flachsmeer/Ramsloh - Flora und Fauna im Einklang erlebt man derzeit auf einem Versuchsfeld an der Russenstraße in Flachsmeer. Im Oktober vergangenen Jahres hatten sich rund 30 Helfer eingefunden, um zusammen mit dem Ramsloher Landwirt Gerhard Block auf einer rund 20.000 Quadratmeter großen Fläche Torfmoose zu verteilen - und zwar dort, wo Spezialmaschinen nicht hinkommen. Gerhard Block und sein Sohn Daniel haben an der Straße auf dem Areal ein neues Hochmoor angebaut.
Was als Pilotprojekt Ende 2011 gestartet wurde und als Experiment begann, trägt nun erste Früchte: Es zeigen sich Erfolge auf vielfältige Art und Weise, so Gerhard Block. Nicht nur die Moose wachsen wie erhofft, auch die Tier- und Pflanzenwelt profitiert von diesem Feuchtbiotop. Die beiden Unternehmer hatten nach eigenen Angaben rund 40.000 Euro in den Kauf der rund 30 Tonnen Torfmoose investiert, die damals einfach nur auf den Boden ausgelegt wurden. In Fachkreisen, so die beiden Experten, spricht man von „Impfung“. Es ist sozusagen ein Experiment, denn auf der rund zwei Hektar großen Fläche soll ein neues Hochmoorgebiet entstehen. Nach Angaben der beiden Investoren sollen pro Jahr und pro Hektar rund 25 Tonnen Kohlendioxid (CO2) eingespart und so ein Beitrag für den Klimaschutz geleistet werden.
Naturschützer begleiten das Projekt
Begleitet wird das Projekt von der Gruppe Naturschutz Emsland-Nord/Ostfriesland-Süd. Darin vertreten sind der Naturschutzbund (Nabu), Bund für Umwelt und Natur (BUND) und die Biologische Schutzgemeinschaft (Regionalverband Unterems). „Wir unterstützen dieses Projekt voll und ganz. Es hat wirklich Zukunft“, sagt Karl-Heinz Augustin, Sprecher der Verbände, der im vergangenen Jahr selbst beim Ausbringen der Torfmoose mitgeholfen hatte. In unregelmäßigen Abständen schaut er nach dem Rechten und ist mittlerweile fasziniert, wie viele Vogelarten, darunter auch bedrohte Arten, sich in so kurzer Zeit bereits angesiedelt haben, und teilweise auf der Fläche brüten. „Ich habe zehn Paare des Wiesenpiepers gezählt, acht Kiebitzpaare, dazu Austernfischer, Feldlerche, Stare, Mehlschwalben, Brachvogel und viele weitere Arten mehr“, so der 75-jährige Augustin weiter.
Auch Gerhard Block ist von seinem Projekt überzeugt. „Damit die Torfmoose auch richtig anwachsen können, benötigen sie in den ersten Jahren viel Feuchtigkeit. Deshalb habe ich gleich nebenan ein Wasserreservoir angelegt“, so Gerhard Block. Mit Hilfe von Schlauchleitungen verteilt er das Wasser auf die Versuchsfläche. Ein Problem sieht er aber in der Wasserknappheit, die bei einer lang anhaltenden Hitzeperiode auf ihn zukommen könnte. „Bei einer Austrocknung des Wasserreservoirs müsste ich Wasser anliefern lassen, um es wieder aufzufüllen. Für eine Grundwasserentnahme fehlt mir die Genehmigung“, sagt Block.
Hochmoorfläche dient auch als Brut- und Nahrungsbiotop
Der 62-jährige ist nicht nur Landwirt und Kaufmann, sondern auch Teilzeitbeschäftigter beim Torfwerk Moorkultur Ramsloh Werner Koch GmbH & Co. KG. „Ich habe Moorboden abgetorft und renaturiert. Jetzt lege ich ein Moorbiotop an und sorgt dafür, dass die Flächen wieder vernässt werden“, kennt Block mittlerweile beide Seiten der Medaille. Für Block und Augustin bietet dieses Projekt gleich mehrere Vorteile: „Die Hochmoorfläche dient zum einen als Brut- und Nahrungsbiotop für die verschiedenen Vogelarten. Diese brauchen nicht mehr auf die umliegenden Felder ausweichen, die von den Landwirten bewirtschaftet werden. Einige Arten brüten sowieso nicht im hohen Gras, sondern wechseln mit ihrem Nachwuchs erst mit dem Abmähen der Felder vom Feuchtbiotop auf die Wiesen“, weiß Augustin zu berichten.
„Zudem dient die wiedervernässte Moorfläche als Wasserspeicher, was auch den umliegenden Feldern der Landwirte zu Gute kommt. Und zu guter Letzt wird dadurch auch viel Kohlendioxid gebunden“, betont Augustin. Intakte, torfbildende Moore, sind in Deutschland nur noch auf etwa einen Prozent ihrer ursprünglichen Fläche zu finden. Über 90 Prozent der Moorböden werden entwässerungsbasiert genutzt, zum Beispiel als Grünland, Acker oder Forst. Echte Hochmoorbiotope gehören zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen in Deutschland. Grundvoraussetzung für die Wiederherstellung von Hochmoorbiotopen ist die Moorsanierung.
Wie berichtet, wollen die Landwirte mit der CO2-Einsparung auch Geld verdienen. Einfach gesagt wollen Blocks unter anderem Firmen und Kommunen das vermiedene CO2 zum Kauf anbieten. Gerhard Block spricht von sogenannten Öko-Punkten. „So bleiben Kommunen zum Beispiel bei der Ausweisung von neuen Baugebieten handlungsfähig“, sagte der Ramsloher. Sie können das neue Hochmoor als Kompensationsflächen angeben. Damit alles rechtlich abgesichert ist, werden diese Ökopunkte laut Block im Grundbuch eingetragen.