Nabu-Projekt  Neben Kälbern kamen in Leer offenbar auch Konik-Fohlen zu Tode

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 11.06.2023 15:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auch Konik-Fohlen, wie hier im Hessepark in Weener, sollen auf der Weide Thedingaer Vorwerk umgekommen sein. Foto: Gettkowski
Auch Konik-Fohlen, wie hier im Hessepark in Weener, sollen auf der Weide Thedingaer Vorwerk umgekommen sein. Foto: Gettkowski
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Offenbar gab es beim Nabu-Beweidungsprojekt in Nüttermoor nicht nur tote Heckrind-Kälber. Auch Konik-Fohlen sollen zu Tode gekommen sein. Wir wollten Details erfahren, doch der Nabu schweigt.

Nüttermoor - Der Skandal um die beiden toten Heckrindkälber beim Nabu-Beweidungsprojekt Thedingaer Vorwerk in Nüttermoor weitet sich aus. Nach Informationen dieser Zeitung sollen auf der Weide auch Konik-Fohlen zu Tode gekommen sein. Der Nabu wollte sich dazu nicht äußern. „Wegen der laufenden Aufarbeitung sind uns aktuell keine weiteren Angaben möglich“, teilte Nabu-Sprecher Matthias Freter auf Nachfrage mit.

Was und warum

Darum geht es: um die mangelnde Transparenz des Nabu Niedersachsen bei der Aufklärung der Missstände seines Beweidungsprojekts Thedingaer Vorwerk

Vor allem interessant für: Tier- und Naturfreunde, die den Heckrinder-Skandal in Leer verfolgen

Deshalb berichten wir: Wir haben erfahren, dass im Nabu-Beweidungsprojekt Thedingaer Vorwerk auch Konik-Fohlen zu Tode gekommen sein sollen.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Die Fragen, wann und unter welchen Umständen die Fohlen ums Leben gekommen sind, ließ der Nabu-Sprecher ebenso unbeantwortet wie die Frage, welche vom Landkreis geforderten Maßnahmen inzwischen schon umgesetzt wurden. Nach Bekanntwerden der Vorfälle im vergangenen Monat hatte der Landkreis Leer die Reißleine gezogen. Der Nabu hat jetzt noch bis zum Jahresende Zeit, die Herdengröße zu reduzieren und einen Schlussstrich unter die Heckringerbeweidung zu ziehen.

Von einem Aussichtsturm aus können Besucher Koniks und Heckrinder auf Weidefläche Thedingaer Vorwerk beobachten. Weil die Fläche so weitläufig ist und nicht betreten werden darf, braucht man meist ein Fernglas. Foto: Gettkowski
Von einem Aussichtsturm aus können Besucher Koniks und Heckrinder auf Weidefläche Thedingaer Vorwerk beobachten. Weil die Fläche so weitläufig ist und nicht betreten werden darf, braucht man meist ein Fernglas. Foto: Gettkowski

Nabu-Projekt muss beendet werden

Nachdem im vergangenen Monat auf der Fläche zwei Kälber so schwer verletzt wurden, dass sie eingeschläfert werden mussten, waren die massiven Missstände in der Haltung ans Licht gekommen. Der Landkreis kam schließlich zu der Auffassung, dass die Heckrinderhaltung unter den gegenwärtigen Umständen nicht möglich ist. Für die massiven Probleme bei der Beweidung der Flächen macht der Landkreis ganz klar den Nabu verantwortlich. Das Veterinäramt beurteilte das Betreuungsmanagement zuletzt als „mangelhaft.“

Die Tiere waren nach Einschätzung des Veterinäramtes in einem schlechten Ernährungszustand und waren noch nicht einmal mit Trinkwasser versorgt.

Auf der Fläche Thedingaer Vorwerk weiden Heckrinder und Koniks. Die Heckrinder sind mittlerweile so stark verwildert, dass Behandlungen im vergangenen Monat wie das Setzen von Ohrmarken und jährlich erforderliche Blutproben abgebrochen werden mussten. Der Nabu muss die vorgeschriebenen Behandlungen nachholen. Foto: Wolters/Archiv
Auf der Fläche Thedingaer Vorwerk weiden Heckrinder und Koniks. Die Heckrinder sind mittlerweile so stark verwildert, dass Behandlungen im vergangenen Monat wie das Setzen von Ohrmarken und jährlich erforderliche Blutproben abgebrochen werden mussten. Der Nabu muss die vorgeschriebenen Behandlungen nachholen. Foto: Wolters/Archiv

Der Landkreis hatte daher mehrere Maßnahmen angeordnet, die unverzüglich vom Nabu umgesetzt werden müssen. „Tränkewasser muss zur Verfügung gestellt werden, die Tiere auf der Weiden müssen zweimal täglich kontrolliert werden“, lauten die Forderungen des Landkreises. Fachleute der Behörde raten zu einer Kontrolle vom sicheren Traktor aus, der es ermöglicht, möglichst nah und gefahrlos an die völlig verwilderten und nicht mehr menschlichen Kontakt gewöhnten Rinder heranzukommen.

Nabu muss Betreuer benennen

Der Nabu muss dem Landkreis außerdem verantwortliche Betreuer für die Rinder- und Pferdehaltung auf der Weidefläche benennen. Welche diese Maßnahmen inzwischen erfolgt sind, teilte der Nabu auf Nachfrage nicht mit. „Der Nabu Niedersachsen ist weiterhin dabei, die Vorfälle und Zustände vor Ort aufzuarbeiten sowie sämtliche Anordnungen des Landkreises umzusetzen“, teilte Nabu-Sprecher Matthias Freter mit.

Das Weideland Thedingaer Vorwerk gehört der Stadt Leer und ist eine Ausgleichsfläche für Eingriffe in die Natur durch Bauvorhaben im Stadtgebiet. Foto: Gettkowski
Das Weideland Thedingaer Vorwerk gehört der Stadt Leer und ist eine Ausgleichsfläche für Eingriffe in die Natur durch Bauvorhaben im Stadtgebiet. Foto: Gettkowski

Am Sonntag vergangener Woche war der Vorsitzende des Nabu Niedersachsen, Dr. Holger Buschmann, vor Ort und verschaffte sich selbst einen Überblick über die Fläche Thedingaer Vorwerk. Ob es vor Ort auch Gespräche mit Mitarbeitern des Veterinäramts und Betreuern des Nabu gab, teilte der Nabu-Sprecher auf Nachfrage nicht mit.

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Auch der Landkreis konnte die Frage, welche der angeordneten Maßnahmen der Nabu schon umgesetzt hat, nicht beantworten. Als Grund nannte Landkreissprecher Jens Gerdes eine durch Krankheitsfälle im Veterinäramt angespannte Personal- und Arbeitssituation. Er kündigte eine schnellstmögliche Information an.