Meinung in der Region Sollte es verboten werden, den Pool mit Trinkwasser zu füllen?
Es wird wärmer, die privaten Pools werden mit Trinkwasser befüllt. Der Wasserversorgungsverband Rheiderland schlägt schon Alarm.
Rheiderland - Mit einem eisgekühlten Getränk in der Hand auf der Luftmatratze mit den Füßen im kühlen Nass. Und das im eigenen Garten. Für viele sind die ersten Sonnentage der Moment, den Pool aufzubauen. Gleichzeitig ist es die Zeit der Diskussion: In so mancher Gemeinde wird ein Verbot besprochen, zum Beispiel in Untereisesheim (Kreis Heilbronn), in Österreich werden Füll-Termine verteilt, um so Knappheit und Notfallmaßnahmen zu verhindern, schreibt der Kurier.
Was und warum
Darum geht es: Mit den Sonnentagen kommen die Pools. In anderen Regionen gibt es Diskussionen darum, das Befüllen der Becken mit Trinkwasser einzuschränken oder zu verbieten.
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Dort gibt es auch bereits regionale Verbote, denn die Zahl der Becken sei während der Pandemie explodiert und im Ernstfall stehe die Feuerwehr ohne Wasser da, heißt es weiter. Grundsätzlich ist Trinkwasser ein Lebensmittel und sollte sorgsam verwendet werden. Das schließt die Verwendung als Poolwasser aber nicht aus.
Ein Verbot auch hier?
Nein. „Wir haben hier einen relativ guten Überblick. Sicherlich gibt es den ein oder anderen Haushalt, der sich einen Pool im Garten aufbaut. Das ist allerdings sehr überschaubar“, sagt Bürgermeister Hans-Peter Heikens. Dass sich jemand einen Pool baue, halte er angesichts enormer Baupreise und auch angesichts immer kleiner werdender Grundstücke für unrealistisch. Außerdem solle man den Bürgern ein gewisses Maß an Eigenverantwortung überlassen. „Die Mitbürgerinnen und Mitbürger wissen, dass ein Pool auch im Betrieb Geld kostet. Vor diesem Hintergrund werden sich die Menschen schon überlegen, ob ein Pool in Zeiten wie diesen wirklich notwendig ist.“
So sieht man es auch in Weener. Es gebe keine Möglichkeiten für eine Kommune einzugreifen, „wir sehen auch nicht die Notwendigkeit, Eingriffsmöglichkeiten für Kommunen zu schaffen. Die Bürger sollten hier eigenverantwortlich handeln können“, so Stadtsprecherin Kerstin Beier. „Ich sehe auch keinen Anlass, regulierend einzugreifen“, sagt der Bunder Bürgermeister Uwe Sap. Alle Kommunen verweisen allerdings auf den Wasserversorgungsverband Rheiderland, wenn es darum geht, die Entscheidung zu treffen, wann Trinkwasser rationiert werden muss. Der sieht die Sache weitaus weniger entspannt.
Wann sollte ich es lassen?
Jetzt. Zumindest bittet der Wasserversorgungsverband Rheiderland dringlichst darum: „Sonst decken wir einen Verbrauch von 7200 Kubikmetern Wasser, die letzten Tage waren es 10.000“, sagt Verbandsgeschäftsführer Jan Schulte. „Wir haben auch in den letzten Jahren solche sprunghaften Anstiege gesehen. Die Technik läuft auf Maximalleistung, mehr geht nicht.“ Auf das Befüllen von Pools, das Wässern des Rasens und von Sportanlagen solle derzeit unbedingt verzichtet werden. „Durch eine angepasste Nutzung des Trinkwassers verhindert man eine Überlastung der Anlagen und Netze der Trinkwasserversorgung.“
Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband erklärt, dass es auch Uhrzeiten gibt, die man generell meiden sollte, wenn man den Pool befüllen will: „Zwischen 6 und 9 sowie zwischen 17 und 20 Uhr wird besonders viel Wasser verbraucht. Zum Beispiel fürs Duschen, Wäsche waschen oder Kochen. Befüllen Sie Ihren Pool deshalb bitte außerhalb dieser Spitzenzeiten, um das System nicht zusätzlich zu beanspruchen.“
Wann wird das Wasser reguliert?
Irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem nicht mehr genug Trinkwasser für alle vorhanden ist. „Eine Situation, in der an einem Tag das Wasser knapp wurde, gab es allerdings noch nicht“, erklärt zum Beispiel Edgar Behrendt, Sprecher der Stadtwerke Leer. Sollte es aber nötig sein, gebe es die Möglichkeit, die Wasserverwendung „zu lenken“, auf bestimmte Zwecke zu beschränken und beispielsweise für verschiedene Anwendungsfelder zu untersagen.
„Soll heißen: Wenn es zu einem Versorgungsengpass kommen sollte, wäre es also durchaus denkbar, dass die Verwendung von Trinkwasser beispielsweise auch für Poolnutzungen eingeschränkt oder untersagt werden könnte. Hierbei gilt für uns jedoch der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“, sagt Behrendt.
Was denn sonst?
„Um nicht auf Trinkwasser zur Bewässerung im Garten zurückzugreifen, lohnt es sich, Regenwasser zu sammeln“, so der Wasserversorgungsverband Rheiderland. Es stehe immer kostenlos zur Verfügung und kann mit einer Regentonne bequem gesammelt werden.
Zu einer Alternative zum Pool raten die Stellen nicht, die wir angefragt haben. „Eine Empfehlung in dem Sinne haben wir nicht, jeder sollte selbst entscheiden. Wie haben ein tolles Freibad – das darf natürlich gerne genutzt werden“, sagt Weeners Sprecherin Kerstin Beier.