Schauspieler beim Emder Filmfest  Von Game of Thrones bis Stranger Things – Tom Wlaschiha im Interview

| | 09.06.2023 14:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 8 Minuten
Tom Wlaschiha am Emder Delft. Der Schauspieler ist in diesem Jahr zum zweiten Mal beim Emder Filmfest. Foto: Hock
Tom Wlaschiha am Emder Delft. Der Schauspieler ist in diesem Jahr zum zweiten Mal beim Emder Filmfest. Foto: Hock
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Er spielte in Game of Thrones, Stranger Things und wenn er die Wahl hätte, würde er auch gerne Marvels Thor spielen. Schauspieler Tom Wlaschiha ist dieses Jahr erneut auf dem Emder Filmfest zu Gast.

Emden - In Game of Thrones war er Jaqen H’ghar, ein „Gesichtsloser“, in Stranger Things spielte er Dmitri Antonov, einen sibirischen Gefängniswärter, aber auch in deutschen Produktionen wie Tatort oder der 2018 erstmals ausgestrahlten Serienverfilmung basierend auf „Das Boot“ war er als Schauspieler zu sehen: Tom Wlaschiha.

In dieser Woche ist der 49-Jährige zum zweiten Mal in Emden zu Gast. Der Grund: das Filmfest. Wlaschiha sitzt in der Jury zum diesjährigen Drehbuchpreis – und würde auch durchaus gerne in einer Verfilmung einer der Skripte mitspielen. Das und noch mehr verrät er im Interview mit dieser Zeitung.

Der Text enthält Hinweise auf den Verlauf der vierten Staffel von „Stranger Things“. Wer die Serie noch schauen will: Spoiler-Warnung!

Game of Thrones und Stranger Things

Herr Wlaschiha, wie würde Ihr eher wortkarger Game-of-Thrones-Charakter Jaqen H’ghar das Emder Filmfest eröffnen?

Tom Wlaschiha: Oh, das ist schon so lange her. Was würde Jaqen H’ghar sagen? „Ein Mann freut sich sehr, hier in Emden zu sein. Ein Mann kommt ja von einer Insel, daher fühlt er sich in der Nähe von Wasser immer sehr wohl. Ein Mann heißt euch herzlich Willkommen zum Emder Filmfest.“

Wie ist das für Sie? In internationalen Produktionen wie Game of Thrones oder Stranger Things spielen Sie Ihre Rolle zunächst auf Englisch – und synchronisieren sich danach selbst. Sie spielen die Rolle also quasi zweimal.

Wlaschiha: Das ist immer mein Wunsch, dass ich mich selbst synchronisieren kann. Gerade in meiner eigenen Sprache, wenn das dann jemand anderes machen würde, fände ich das komisch. Und es ist eigentlich gar nicht so schwierig. Wenn ich es synchronisiere, weiß ich ja, was ich wie gespielt habe und was ich damit sagen wollte.

In seiner Rolle als Jaqen H’ghar in der Serie Game of Thrones machte Tom Wlaschiha den Satz "Valar Morghulis" weltweit bekannt. Foto: Helen Sloan/courtesy of HBO
In seiner Rolle als Jaqen H’ghar in der Serie Game of Thrones machte Tom Wlaschiha den Satz "Valar Morghulis" weltweit bekannt. Foto: Helen Sloan/courtesy of HBO

Stichwort Stranger Things: Werden wir Dmitri wiedersehen?

Wlaschiha: Keine Ahnung! [muss lachen] Es ist wirklich so, dass ich das nicht weiß. Die Rolle sollte eigentlich die vierte Staffel nicht überleben. Als ich angefangen habe, zu drehen, wurde mir gesagt, dass ich beim großen Kampf mit den Demogorgons gefressen werde. Während wir gedreht haben, wurden die Drehbücher umgeschrieben – das ist gar nicht unüblich, das passiert bei so großen amerikanischen Produktionen öfter – und ich habe dann überlebt. Aber ich hatte eben nur einen Vertrag für eine Staffel. Es geht ja irgendwann Ende dieses Jahres weiter. Ob ich dann dabei sein werde? Ich hoffe.

Verfolgen Sie die Serie denn aus privatem Interesse weiter?

Wlaschiha: Ja, klar. Bei Stranger Things war es tatsächlich so, dass ich ein Fan war, von Anfang an. Die Serie spielt ja in den 80er Jahren, die Zeit, in der ich großgeworden bin. Als ich dann die Möglichkeit hatte, dafür ein Casting zu machen, war ich auch ein bisschen aufgeregt, weil ich die Rolle unbedingt wollte.

Aufregung beim Vorsprechen und der Unterschied zwischen Deutschland und Hollywood

Wie geht man denn als Profi mit der Aufregung um, wenn man so eine Rolle unbedingt will?

Wlaschiha: Das ist eine gute Frage... Ein Rezept gibt es dafür nicht. Ich mache den Job jetzt seit 25 Jahren und ich bin tatsächlich immer noch aufgeregt, beim Casting und auch am ersten Drehtag. Gerade bei so einer Serie, bei der man weiß, dass die weltweit geguckt wird und die so viele Fans hat. Da will man ja nicht irgendeinen Scheiß spielen, sondern das gut machen.

Sie spielen in internationalen und deutschen Produktionen. Was würden Sie sagen, was sind da die größten Unterschiede?

Wlaschiha: Für den Schauspieler gibt es da gar nicht so den großen Unterschied. In dem Moment, in dem die Kamera läuft, versucht man sein Bestes zu geben und die Rolle so gut man es kann zu spielen. Was natürlich einen Unterschied macht, ist das Budget. Je mehr Geld da ist, desto mehr Möglichkeiten gibt es und desto besser sieht es aus. Bei so großen Serien wie Game of Thrones oder Stranger Things ist natürlich das Set-Design perfekt. Man kann es sich auch leisten, sehr langsam zu drehen, man hat viel Zeit. Bei normalen Produktionen wie einem deutschen Fernsehfilm ist das relativ limitiert.

Video
"Game of Thrones"- & "Stranger Things"-Star im Interview | Tom Wlaschiha beim Emder Filmfest
09.06.2023

Der Emder Drehbuchpreis und der Eindruck vom Festival

Alles fängt mit dem Drehbuch an. In diesem Jahr sind Sie in der Jury zum Emder Drehbuchpreis. Ihr allgemeiner Eindruck von den Einreichungen?

Wlaschiha: Es gab eine Shortlist, die vorher ausgewählt wurde. Ich habe jetzt zehn Drehbücher gelesen, da waren sehr gute dabei. Ich darf natürlich jetzt noch nichts Genaues verraten, weil die Preisverleihung noch kommt. Es sind die unterschiedlichsten Themen. Man sieht an den Drehbüchern, dass manche schon Erfahrung haben. Bei anderen merkt man, dass das wahrscheinlich ein erstes Drehbuch ist, was vielleicht handwerklich noch nicht so perfekt, aber trotzdem vom Thema her toll ist. Es ist wirklich alles dabei.

War denn etwas dabei, wo sie mitspielen würden?

Wlaschiha: Durchaus! Da waren einige Sachen dabei, die mir richtig gut gefallen haben. Vielleicht wird ja auch der eine oder andere Film gemacht. Das ist ja immer ein weiter Weg von der ersten Drehbuchfassung bis daraus dann vielleicht tatsächlich ein Film wird.

Sie sind jetzt zum zweiten Mal beim Emder Filmfest. Wie finden Sie das Festival?

Wlaschiha: Ich war tatsächlich im letzten Jahr zum ersten Mal und nur kurz hier und habe aus den Gewinner-Drehbüchern gelesen, ich war nicht in der Jury. Für dieses Jahr wurde ich gefragt, ob ich mit in der Jury sein möchte. Da habe ich gleich zugesagt, weil ich es letztes Jahr sehr toll fand. Es ist natürlich ein kleines Festival, aber das hat den Vorteil, dass alles sehr kurze Wege sind, dass alles sehr herzlich ist. Man merkt, dass die ganze Stadt mit dabei ist, dass es wirklich ein Event für die Stadt ist.

Was planen Sie denn an privaten Programm auf dem Filmfest?

Wlaschiha: Ich habe noch gar nicht so genau geguckt. Ich will mir aber gerne Kurzfilme angucken. Dafür sind Festivals immer super, weil man die normalerweise selten auf Plattformen gucken kann. Ich finde Kurzfilme aber oft ganz toll und ein wichtiges Genre, weil es meistens junge Regisseure sind, die sich ausprobieren. Da kann man oft gute Sachen entdecken.

Englisch und Deutsch aber kein Plattdeusch

Sie spielen auf Englisch und auf Deutsch. Wie viele Sprachen sprechen Sie eigentlich noch?

Wlaschiha: Französisch kann ich noch, auf französisch hab ich auch schon gedreht. So ein bisschen Russisch, ein bisschen Italienisch noch. Es ist tatsächlich so, dass Sprachen schon immer ein Hobby von mir waren, auch in der Schule schon. Das war eine der wenigen Sachen, die mich interessiert haben. Hing vielleicht auch ein bisschen damit zusammen, dass ich in der DDR aufgewachsen bin, man aus dem Land nicht rauskam und ich Sprachen immer cool fand, weil das für mich etwas von weiter Welt hatte.

David Harbour (links) als Jim Hopper und Tom Wlaschiha als Dmitri in einer Szene aus "Stranger Things". Foto: Courtesy Of Netflix/dpa
David Harbour (links) als Jim Hopper und Tom Wlaschiha als Dmitri in einer Szene aus "Stranger Things". Foto: Courtesy Of Netflix/dpa

Haben Sie denn schon ein bisschen Plattdeutsch aufgeschnappt?

Wlaschiha: Nein. [muss lachen] Zumindest nicht so viel, dass ich mich trauen würde, es zu sprechen.

Die Chance, dass wir Sie mal in einem plattdeutschen Film sehen, ist eher gering?

Wlaschiha: Schwierig, ja.

Zukünftige Projekte und Fischbrötchen oder Matjes?

Sie sind seit gestern in Emden und haben eben, kurz vor unserem Gespräch, ein Foto von Touristen gemacht. Die beiden hatten Sie darum gebeten, aber Sie nicht erkannt. Werden Sie sonst häufig erkannt?

Wlaschiha: Schon, ab und zu. Ich bin selbst immer überrascht, wie viele Menschen mich privat erkennen. Gerade in Game of Thrones sah ich ja ganz anders aus, mit Perücke und Kostüm. Aber es gibt so viele eingefleischte Fans, dass ich doch relativ oft erkannt werden. Auch hier in Ostfriesland.

Wo werden wir Sie denn in Zukunft sehen?

Wlaschiha: Aktuell auf dem Emder Filmfest. [lacht] Ich habe gerade eine Serie gedreht in Amerika, die heißt Mrs. Davis und ist gerade rausgekommen. Eine super Geschichte, es geht um künstliche Intelligenz, also hoch aktuell, aber das auf einem sehr humorvollen Level. Es geht um eine KI, die gegen eine Nonne kämpft, der große Kampf Technologie gegen Glaube.

Arbeiten Sie aktuell noch an einem anderen Projekt?

Wlaschiha: Ich habe gerade mein erstes Marvel-Projekt gemacht. Ein Serien-Podcast, „Marvel’s Wastelanders“. Den gibt es ab Ende Juni kostenlos auf Audible, zehn Folgen. Man muss auch kein Abo abschließen.

Wenn wir schon bei Marvel sind: Welche Rolle würden Sie da gerne spielen?

Wlaschiha: Für Marvel’s Wastelanders habe ich Star-Lord gesprochen. Wenn ich die freie Auswahl hätte, würde ich mich mal an Thor versuchen.

Und wenn Sie die Wahl hätten: Fischbrötchen oder Matjes?

Wlaschiha: Matjes!

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