Politik legt Veto ein  Oben-ohne-Baden für Frauen? Nicht in Leer

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 09.06.2023 15:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Frauen müssen auch in Zukunft ihr Oberteil beim Schwimmen oder Sonnenbaden im Plytje anbehalten. Symbolfoto: Riedl/dpa
Frauen müssen auch in Zukunft ihr Oberteil beim Schwimmen oder Sonnenbaden im Plytje anbehalten. Symbolfoto: Riedl/dpa
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Die Geschäftsführung des Leeraner Schwimmbades Plytje hatte vorgeschlagen, Oben-ohne-Baden für Frauen möglich zu machen. Der Aufsichtsrat ziert sich aber noch.

Leer - Die Frage, ob auch Frauen in Schwimmbädern ohne Oberteil schwimmen und sonnenbaden dürfen, beschäftigt die Verantwortlichen von Bädern immer mehr. Spätestens, seitdem eine Frau in Berlin mit einer Diskriminierungs-Beschwerde bei der Ombudsstelle der „Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung“ Erfolg hatte, kommen sie an dem Thema nicht vorbei.

Was und warum

Darum geht es: Vorerst dürfen Frauen im Plytje oben ohne weder baden noch sonnenbaden.

Vor allem interessant für: Besucher des Plytje

Deshalb berichten wir: Die Geschäftsführung des Plytje hatte dem Aufsichtsrat vorgeschlagen, Oben-ohne-Baden zuzulassen.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Auch die Geschäftsführung des Plytje habe sich ihre Gedanken gemacht, schreibt Anja Buse, eine von zwei Geschäftsführerinnen, in den Unterlagen für den entsprechenden Tagesordnungspunkt der jüngsten Aufsichtsratssitzung der Leeraner Badbetriebs-GmbH, die der Redaktion vorliegen: „Die Geschäftsführung ist nach einer internen Besprechung zu der Auffassung gelangt, das Schwimmen ohne Oberteil während der gesamten öffentlichen Badezeit zu dulden.“ Zum Aufsichtsrat gehören Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos) als Vorsitzender und zehn Mitglieder des Stadtrats.

Keine Mehrheit für Vorschlag der Geschäftsführung

Bisher heißt es in der Badeordnung, dass in den Nassbereichen der Aufenthalt nur in üblicher Badebekleidung erlaubt ist. Für die geänderte Ordnung hatte Buse folgende Formulierung vorgeschlagen: „Das Schwimmen ohne Oberteil für weibliche Badegäste oder für Badegäste mit weiblich gelesener Brust wird geduldet. Das Oben-ohne-Sonnenbaden ist auf der Sonnenterrasse und der Liegewiese erlaubt.“ Personen mit weiblich gelesener Brust sind Menschen, die eine weibliche Brust haben, sich aber nicht als Frau fühlen.

Die Geschäftsführung des Plytje hätte sich eine Änderung der Badeordnung vorstellen können. Foto: Wolters/Archiv
Die Geschäftsführung des Plytje hätte sich eine Änderung der Badeordnung vorstellen können. Foto: Wolters/Archiv

Eine Mehrheit fand dieser Vorschlag bei den Aufsichtsratsmitgliedern nicht, wie aus der nichtöffentlichen Sitzung berichtet wird. Aber offensichtlich ist die Ablehnung bei den Politikern gar nicht so entschieden, wie es die Zahlen signalisieren, zeigt eine Umfrage bei den Fraktionen und Gruppen.

Unnötige Diskussion?

„Eigentlich ist das eine unnötige Diskussion“, findet die Fraktion der Grünen, sagt deren Vorsitzender Bruno Schachner. „Wenn aber tatsächlich Bedarf bestehen sollte, sind wir mehrheitlich dafür, Oben-ohne-Schwimmen im Plytje zuzulassen.“ Die Fraktion habe es aber den beiden Grünen-Mitgliedern im Aufsichtsrat freigestellt, wie sie abstimmen. Eines habe sich dann enthalten, das andere habe sich gegen die Freigabe ausgesprochen.

Man habe die Frage vor der Aufsichtsratssitzung in der Gruppe SPD/Linke diskutiert, sagt deren Sprecher Heinz Dieter Schmidt: „Das Ergebnis war Halbe-Halbe.“ Damit habe es keine Mehrheit für den Vorschlag der Plytje-Geschäftsführung gegeben, die SPD-Ausschussmitglieder hätten also mit Nein votiert.

Deutliches Nein von der CDU

Er und auch seine Gruppe FDP/LWG stünden dem Thema grundsätzlich offen gegenüber, „wie immer das dann im Badebetrieb konkret umgesetzt wird“, sagt Günter Podlich. Man solle aber nicht nur über Oben ohne im Bad nachdenken, sondern beispielsweise auch darüber, wie man mit dem Wunsch umgehe, im Burkini zu schwimmen. Dieser Schwimmanzug bedeckt den ganzen Körper mit Ausnahme von Gesicht, Händen und Füßen. Wie er in der Aufsichtsratssitzung votiert hat, will Podlich aber nicht sagen.

Am deutlichsten ist die Ablehnung der CDU. Für seine Fraktion komme die vorgeschlagene Änderung der Badeordnung nicht in Frage, sagt Vorsitzender Ulf-Fabian Heinrichsdorff: „Für uns ist das Tragen angemessener Badekleidung im Schwimmbad aus verschiedenen Gründen wichtig. Es trägt zur Hygiene bei, respektiert den Komfort anderer Gäste und fördert das Wohl der Kinder. Außerdem beachtet es gesellschaftliche Normen und zeigt Respekt für die Einrichtung und ihr Personal.“

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