Klima-Krise Ist die Feuerwehr für mehr Einsätze in Ostfriesland gerüstet?
Auf die Feuerwehr kann man sich verlassen. Nun sagen Experten aber, dass die Einsätze wegen Flächenbränden und Starkregen in die Höhe schnellen. Das macht einige nervös.
Ostfriesland - Die Feuerwehren der Region bereiten sich auf mehr klima-bedingte Einsätze vor. „Wir rechnen auf jeden Fall mit mehr Flächenbränden, mehr Stürmen und mehr Starkregen“, sagte Manuel Goldenstein, Sprecher des Feuerwehrverbandes Ostfriesland, am Mittwoch unserer Zeitung. Goldenstein bestätigte damit Äußerungen des Präsidenten des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen, Olaf Kapke. Die hauptsächlich Freiwilligen Feuerwehren – nicht nur in Ostfriesland – hoffen nun auf rasche, millionenschwere Investitionen in Einsatzfahrzeuge und Geräte sowie eine Neuaufstellung der Ausbildung.
„Uns stehen vermutlich in den nächsten fünf Jahren die wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung bevor“, hatte Verbandspräsident Kapke der „Braunschweiger Zeitung“ in einem Interview gesagt. „Wir richten uns daher auf wesentlich mehr Einsätze bei Wald- und Vegetationsbränden ein.“ Auch Starkregen-Einsätze könnten ihm zufolge zunehmen. Das stellt die Feuerwehren vor zwei Herausforderungen: ausreichend Personal und gute technische Ausstattung.
Langes Warten auf Einsatzfahrzeuge
„Wir in Ostfriesland haben das Glück, dass viele Verantwortliche in den Räten auf unserer Seite sind“, sagte Goldenstein. Er hat auch Verständnis dafür, dass sich die Politik die Entscheidung für ein bis zu anderthalb Millionen Euro teures Einsatzfahrzeug nicht leicht macht, wünscht sich aber trotzdem eine schnellere Beschaffung. Hintergrund: Die Feuerwehren in Niedersachsen müssen wegen Lieferproblemen bei den Herstellern oft lange auf neue Einsatzfahrzeuge warten. „Die Situation in Niedersachsen ist wie in ganz Deutschland schlimm“, sagte Bernd Fischer vom Landesfeuerwehrverband Niedersachsen bereits Ende vergangenen Jahres der Deutschen Presse-Agentur.
Die Verzögerungen beobachte er seit Mitte 2020, kurz nach dem Ausbruch der Corona-Krise. Der Ukraine-Krieg habe die Situation noch verschärft, so Fischer. Materialengpässe würden zu Lieferzeiten von bis zu 14 Monaten allein bei den Fahrgestellen führen. Vor der Corona-Krise waren es im Durchschnitt drei Monate. Erst nach deren Auslieferung könne der bei jedem Fahrzeug individuelle Sonderaufbau mit allen feuerwehrtechnischen Ausstattungen wie Pumpen und Gerätefächern erfolgen, was noch einmal bis zu einem Jahr dauern könne.
Neue Feuerwehrleute braucht das Land
Auch beim Personal ist momentan nicht alles rosig. „Bei den Freiwilligen Feuerwehren haben wir in Ostfriesland sogar einen Mitgliederzuwachs – besonders bei den Kinder- und Jugendwehren“, sagte Goldenstein. Woran es allerdings hapere, sei die Tagesbereitschaft, weil doch einige Kameraden außerhalb arbeiteten. „Zum Glück haben wir noch den THW im Hintergrund“, so der Ostfriese.
Kapke, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, bestätigte die Situation gegenüber unserer Zeitung. Seinen Angaben zufolge wird deshalb nun die Ausbildung neu strukturiert. „Wir drehen gerade jeden Stein um“, verriet Kapke im Gespräch. Die Feuerwehren und das Innenministerium nennen das offiziell Ausbildungsoffensive. Es habe gerade am 12. Mai mit dem Innenministerium eine Dienstbesprechung zur Umschichtung von Lehrinhalten gegeben. „Ab Januar 2024 wird das neue System greifen“, sagte Kapke. Ziel sei es, schneller Führungspersonal auszubilden und die Kameraden anders zu schulen – etwa für neue Techniken bei Waldbränden, aber auch bei den neuen Herausforderungen der E-Mobilität und mit dem Wasserstoff.
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Hoffnung bereitet sowohl dem Landesverband als auch den Ostfriesen die Zunahme von Quereinsteigern. „Erst neulich ist einer mit Mitte 30 zu mir gekommen und hat gesagt, mit seiner Fußballkarriere sei er durch, aber für die Freiwillige Feuerwehr sei er doch bestimmt noch fit genug“, erzählte Goldenstein.