Osnabrück  Pink für Frauen, blau für die Männer? Das geht gar nicht!

Louisa Riepe
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Von Louisa Riepe
| 08.06.2023 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Warum kostet das gleiche Produkt mehr, weil es pink ist? Foto: Imago Images / imageBROKER
Warum kostet das gleiche Produkt mehr, weil es pink ist? Foto: Imago Images / imageBROKER
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Unsere Autorin ist eigentlich eher ausgeglichen, aber bei Geschlechterstereotypen gerät sie in Rage. Sie findet: Wir sollten aufhören, uns gegenseitig in Schubladen zu stecken.

Liebe Leserin, lieber Leser, ich bin mit dieser Kolumne angetreten, um einen konstruktiven Blick auf die Probleme unserer Zeit zu werfen. Mich interessiert, was geht, mich interessiert der positive Blick in die Zukunft! Dieses Mal nehme ich mir heraus, auf etwas hinzuweisen, das gar nicht geht. Eine solche Situation habe ich erst kürzlich wieder erlebt.

Da überreichte mir ein unbekannter Mann einen pinkfarbenen Kugelschreiber mit der Aufschrift „Shopping Queen“. Wir hatten vorab kein Wort miteinander gesprochen und uns nicht vorgestellt. Er hatte nicht gefragt, warum ich vor Ort war und er konnte nicht ahnen, dass ich über ihn schreiben würde. Er wusste nichts über mich. Und doch hatte er mich schon in eine Schublade gesteckt. 

Nach dem Motto: eine blonde Frau, die wird wohl gern einkaufen gehen und Pink mögen. Und das in einem Businesskontext, in dem ich vor allem in meiner Rolle als Führungskraft und Vertreterin meines Unternehmens gesehen werden wollte! 

Meinen männlichen Kollegen wurde übrigens ein blauer Flaschenöffner angeboten. Ich kann Ihnen verraten: Das tat weh. Zumal es mir so gar nicht entspricht. Beim Einkaufsbummel bin ich selten erfolgreich und lasse es deshalb meist gleich bleiben. Sie werden in meinem Kleiderschrank kein einziges Stück in Pink finden. Die Farbe steht für mich für genau die schrille, aufdringliche Weiblichkeit, die ich nicht repräsentieren möchte. Mal ganz davon abgesehen, dass ich digital arbeite und so gut wie nie einen Kugelschreiber brauche. 

Ich glaube nicht, dass der Mann mich verletzten wollte. Er wollte vielleicht… ja was eigentlich? Jedenfalls war er ernsthaft überrascht, als ich ihm den Kugelschreiber zurückgegeben habe. Vielleicht hat es ihn zum Nachdenken gebracht. Kurz wirkte es zumindest so, bis er sich leidenschaftlich einer Diskussion über die Vorteile von Verbrennungsmotoren zuwandte. Leider habe ich es versäumt, in dem Moment klarzumachen, woher meine Reaktion rührte.

Um es zumindest Ihnen nochmal zu verdeutlichen: Es gibt aus meiner Sicht viele Bereiche des Lebens, in denen Unterschiede zwischen Männern und Frauen mehr gewürdigt werden sollten. In der Medizin zum Beispiel. Aber beim Design eines Kugelschreibers? 

Falls Sie sich das jetzt fragen: Ich kaufe keine Überraschungseier im Mädchendesign. Ich würde auch niemals an einem Bohrmaschinenkurs für Frauen teilnehmen. Und ich habe als Kind mit einem Rennauto gespielt. Ich verachte Stereotype! 

Um dieser Kolumne doch noch einen konstruktiven Aspekt hinzuzufügen, möchte ich Ihnen noch mit auf den Weg geben, was ich mir stattdessen wünsche: Dass wir unsere Mitmenschen in ihrer Individualität wahrnehmen. Dass wir sie neugierig und jeden Tag aufs neue kennenlernen wollen, statt vorschnell Urteile zu fällen.

Nicht jede Frau ist eine Shoppingqueen. Nicht jeder Schwarze kommt aus Afrika. Und nicht jeder Schwule nimmt sich ein Vorbild an Elton John. Wir alle haben verschiedene Facetten, wir verändern uns im Laufe unseres Lebens. Und wir haben ein Recht dazu, dass unser Umfeld das wahrnimmt. Dagegen kann eigentlich niemand etwas haben. 

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