Unpopuläre Entscheidung Plytje erhöht Eintrittspreise und streicht Ermäßigungen
Ab Juli wird es im Plytje teurer. Welche Eintrittskarten teurer und welche Ermäßigungen gestrichen werden, haben wir zusammengestellt.
Leer - Dass das Plytje in den vergangenen Wochen allenfalls am Rand in der Presse thematisiert worden sei, sei den Verantwortlichen des Leeraner Bades ganz recht. Das schreibt Anja Buse, eine von zwei Geschäftsführerinnen des Leeraner Schwimmbades in einer Vorlage für die jüngste Sitzung des Aufsichtsrats der Leeraner Badbetriebs GmbH, die der Redaktion vorliegt. Das Plytje sei allenfalls zum Vergleich herangezogen worden, wenn es um Wassertemperatur oder Preise in den Bädern in Emden, Aurich oder Weener gegangen sei. Man wolle „die derzeitige Situation nutzen, um an einigen Stellschrauben im eigenen Tarifsystem zu drehen“, so die Geschäftsführerin weiter.
Was und warum
Darum geht es: Die Eintrittspreise für das Plytje werden deutlich erhöht.
Vor allem interessant für: heutige und künftige Besucher des Plytje und diejenigen, die nun lieber woanders hingehen
Deshalb berichten wir: Uns wurden Papiere aus dem Aufsichtsrat der Leeraner Badbetriebs GmbH zugespielt. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Dabei wurde an einigen Stellschrauben recht heftig gedreht. Um bis zu 60 Prozent erhöhen sich einige Preise. Die Leeraner Badbetriebs GmbH rechnet mit Mehreinnahmen von knapp 70.000 Euro pro Jahr. Der Aufsichtsrat der GmbH hat die Erhöhungen, die ab Juli gelten sollen, mehrheitlich abgesegnet. Der Aufsichtsrat besteht aus dem Leeraner Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos) und zehn Mitgliedern des Stadtrates.
Das soll sich ändern
Statt wie bisher alle Kinder unter sechs Jahren sollen in Zukunft nur noch Kinder unter vier Jahren freien Eintritt haben. Allein im ersten Quartal des laufenden Jahres waren laut einer Statistik des Plytje knapp 900 Kinder unter sechs Jahren im Bad. Rund die Hälfte davon sei wohl vier Jahre und älter gewesen und wäre demnach von der neuen Regelung betroffen, so Buse. Die bisherige Ermäßigung für Schüler und Studenten gibt es nur noch bis zum Alter von 25 Jahren. Wäre es nach der Geschäftsführung des Plytje gegangen, hätte es für beide schon ab 18 Jahren keinen Zuschuss mehr gegeben. Diesen Passus hat der Aufsichtsrat aber abgemildert.
Die Preise für die Tageskarten an Feiertagen und an den Wochenenden erhöhen sich. Für Erwachsene kosten sie statt derzeit fünf dann sieben Euro, für die Ermäßigten statt wie bisher 2,50 dann 3,50 Euro. Das entspricht jeweils einer Steigerung um 40 Prozent. Die Familienkarte am Wochenende und am Feiertag wird von 13,50 auf 17,50 Euro erhöht (plus 30 Prozent). Darin enthalten sind zwei Erwachsene und zwei Kinder. Bis jetzt zählen nur Kinder über sechs Jahre, in Zukunft schon die über vier Jahren. Jedes weitere Kind zahlt ab Juli einen Euro mehr: statt 1,50 dann 2,50 Euro.
Die Preise für das Frühschwimmerticket erhöhen sich von drei auf 3,50 Euro (die Zehnerkarte von 28 auf 33 Euro) beziehungsweise ermäßigt von 1,50 auf 2,50 Euro (Zehnerkarte von 14 auf 23 Euro). Bei den ermäßigten Zehnerkarten ergibt sich so eine Steigerung von mehr als 60 Prozent. Die bisherigen Bonuskarten Bronze, Silber und Gold – laut Plytje sind davon derzeit noch 170 im Umlauf – sollen abgeschafft und durch eine Stammkunden-Rabatt-Karte für 350 Euro ersetzt werden, die bei Kursen einen fünfprozentigen Rabatt garantiert. Die bisherigen Bonuskarten, die 100, 250 oder 500 Euro kosten, garantierten Preisnachlässe auf sämtliche Eintritte von zehn, 20 oder 30 Prozent und im Falle der Gold-Karte zusätzlich den Fünf-Prozent-Rabatt auf Kurse.
Das sagt die Politik
Die Erhöhungen beträfen vor allem das Wochenende, begründet Fraktionsvorsitzender Bruno Schachner die Zustimmung der Grünen. „An diesen Tagen ist auch das Angebot im Bad größer, deshalb konnten wir der Argumentation der Geschäftsführung folgen.“ Heinz Dieter Schmidt, Sprecher der Gruppe SPD/Linke verwies ebenso wie Günter Podlich von der Gruppe FDP/LWG auf das hohe Defizit, das das Bad Jahr für Jahr einfährt, die steigenden Kosten und die hohen Energiepreise. „Im Prinzip ist die Erhöhung eine Art Inflationsausgleich“, so Schmidt.
Ein klares Nein komme von der CDU, sagt Fraktionsvorsitzender Ulf-Fabian Heinrichsdorff. „Angesichts der Einschränkungen in der Corona-Pandemie und der steigenden Zahl von Kindern, die nicht schwimmen könnten, ist eine Erhöhung der Eintrittspreise das falsche Signal.“