Berlin  Rammstein-Skandal: Lisa Paus, YouTube und Böhmermann

Daniel Benedict
|
Von Daniel Benedict
| 06.06.2023 18:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Till Lindemann, Sänger der Band Rammstein, ist mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Foto: imago-images/Zuma Wire
Till Lindemann, Sänger der Band Rammstein, ist mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Foto: imago-images/Zuma Wire
Artikel teilen:

In die Debatte um Rammstein-Sänger Till Lindemann positioniert sich jetzt auch Familienministerin Lisa Paus. Andere haben ihr Urteil längst auf YouTube gefällt.

Jetzt schaltet sich Lisa Paus ein. Im Skandal um Rammstein-Sänger Till Lindemann schlägt die Familienministerin Schutzbereiche für Rockkonzerte vor und empfiehlt der Branche „Awareness-Teams“; Ansprechpartner, bei denen man Übergriffe meldet. Schaden kann es nicht. Vor allem klingt es aber nach einem Standardrezept, das Handlungsfähigkeit demonstrieren soll – in einer juristisch heiklen Debatte, die klare Antworten noch kaum zulässt. Und die sich gerade vollends verselbständigt hat.

Die klassischen Medien behandeln den Fall dabei immerhin als das, was er ist: ein Verdacht. Sie schreiben im Konjunktiv, sprechen nicht von Taten, sondern von Vorwürfen, und lassen die Band mit ihrem Widerspruch zu Wort kommen. So macht es auch die Süddeutsche Zeitung, die mit einigen der mutmaßlichen (!) Opfer gesprochen und die Geschichte so ins Rollen gebracht hatte.

Eine andere junge Frau hat ihren Erfahrungsbericht aus Rammsteins Backstage-Welt jetzt selbst bei YouTube eingestellt. Der journalistische Filter fehlt und mit ihm die Unschuldsvermutung. Dabei spricht die 21-Jährige nicht nur aus ihrer eigenen Erfahrung über Till Lindemann. Sie verließ die Situation, bevor es zu einem Übergriff gekommen wäre. Schlimmere Anschuldigungen schildert sie deshalb vom Hörensagen.

Über Nacht ist die 21-Jährige damit zu einer dominanten Stimme geworden. 750.000 Nutzer folgen der YouTuberin. Zum Vergleich: Die Süddeutsche hat eine Auflage von rund 300.000 Exemplaren. Es dauerte denn auch keine 24 Stunden, bis das Video der Augenzeugin über eine Million Mal abgerufen wurde – sicher auch deshalb, weil der Satiriker Jan Böhmermann es auf Twitter geteilt hat. Mit dem Hinweis: „Was wirklich bei Rammstein Afterpartys passiert“.

Was wirklich passiert ist, wissen nur die Beteiligten. Ob und was davon strafbar war, wäre dann auf dem Rechtsweg zu klären. Zum Glück. Die Öffentlichkeit spricht keine guten Urteile. Das sollte gerade den Menschen klar sein, die sich jetzt für die gute Sache empören: den Kampf gegen Sexismus. Schutz von Minderheiten erreicht man zuallerletzt, indem man die Mehrheit aus dem Bauch heraus entscheiden lässt.

Ähnliche Artikel