Berlin Scholz und Macron: Was sie trennt – und was sie eint
Zwischen Deutschland und Frankreich knirscht es neuerdings. Das ist aber noch lange kein Grund für einen Abgesang auf das deutsch-französische Verhältnis. Ein Vorschlag zur Güte.
Olaf Scholz und Emmanel Macron haben sich also zum Rendez-Vous getroffen. Dass der deutsche Kanzler den französischen Präsidenten zum Tête-à-tête in ein Restaurant in seinem Wohnort Potsdam eingeladen hat, ist als Versuch zu werten, das neuerdings etwas unklare deutsch-französische Verhältnis wieder auf Vordermann zu bringen. Der exklusive Rahmen war bewusst gewählt. Er soll verdeutlichen, dass die Beziehungen zwischen beiden Ländern noch immer etwas Besonderes sind und ihre Staatschefs sich vertrauen. Die große Geste aber kann die Realität kaum übertünchen.
Seit Beginn des russischen Angriffs-Kriegs sind Differenzen deutlich hervorgetreten. Während Olaf Scholz den kurzen Draht zu US-Präsident Biden gefunden hat, sieht Frankreich die eigene Stärke Europas (unabhängig von den USA) als Priorität an. Wenn es um Waffenlieferungen geht, stimmt sich Scholz mit Biden ab – und dann erst mit Macron.
Scholz, könnte man etwas verkürzt sagen, macht pragmatische Außenpolitik, Macron hat idealistische Vorstellungen. Für den kühlen Analytiker Scholz steht fest, dass Großmacht-Träume Europas die Welt nicht friedlicher machen werden. Die Zukunft liegt aus seiner Sicht in einer multipolaren Ordnung, in der keine Blockbildung, sondern Beziehungen in alle Regionen der Welt auf Augenhöhe gepflegt werden müssen. Auch in Europa türmen sich grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschland und Frankreich – von den Schuldenregeln bis zum Asylstreit.
Das sind alles keine Kleinigkeiten, aber auch kein Grund die deutsch-französische Freundschaft zu beerdigen. Die historisch gewachsene Verbundenheit zwischen Deutschland und Frankreich kann Differenzen aushalten. Beide müssen sich daran gewöhnen, dass es diese in Zeiten von Krisen und Umbrüchen in Zukunft vielleicht noch häufiger gibt. Das Wichtigste ist, dass man sie vertrauensvoll ausräumt und zu Entscheidungen kommt. Es deutet nichts darauf hin, dass das nicht auch in Zukunft gelingen kann.