Rufbussystem moobil+  Im Nordkreis sind noch viele Fragen offen

Heiner Stix
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Von Heiner Stix
| 06.06.2023 12:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dies ist die Flotte an Kleinbussen, die seit Juni 2020 durch den Landkreis Cloppenburg fahren, um das Rufbusangebot moobil+ zu gewährleisten. Foto: Kreisverwaltung
Dies ist die Flotte an Kleinbussen, die seit Juni 2020 durch den Landkreis Cloppenburg fahren, um das Rufbusangebot moobil+ zu gewährleisten. Foto: Kreisverwaltung
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Nicht nur im Saterland sieht man das kreisweite Rufbussystem moobil+ kritisch. Auch in Friesoythe und Bösel wird das Thema noch politisch diskutiert.

Nordkreis - Das Rufbussystem moobil+ ist im Nordkreis Cloppenburg politisch kein Selbstläufer: In der Gemeinde Saterland ist die Diskussion über die Fortführung des Rufbussystems in eine interfraktionelle Sitzung verlegt worden, in Friesoythe sind die Fraktionen noch mitten in der Diskussion. Lediglich der Gemeinderat Barßel hat bereits im März beschlossen, sich weiter mit jährlich 42.000 Euro an den Betriebskosten von moobil+ zu beteiligen. Der Gemeinderat Bösel hingegen hat die in der Sitzung am 10. Mai vorgesehene Beschlussfassung zurückgestellt.

Bösels Bürgermeister Hermann Block hatte von einer Besprechung der Bürgermeister aus Bösel, Friesoythe und dem Saterland berichtet. Dort habe Taxiunternehmer Andre Stoppelmann aus Ramsloh erläutert, dass mit einem Budget von 2,5 bis 2,9 Millionen Euro jährlich ein Taxirufsystem finanziert werden könnte.

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Taxis als Baustein des ÖPNV

Hintergrund dieser Überlegungen sei, so Block, dass im Landkreis Cloppenburg aus wirtschaftlichen Gründen Taxilizenzen zurückgegeben werden. „Es ist nicht auszuschließen, dass künftig das Taxigewerbe aus Kreismitteln finanziert werden muss, denn weitere Tariferhöhungen werden von den Fahrgästen nicht mehr akzeptiert“, sagt er. Auch deshalb müsse man überlegen, das Taxigewerbe in das ÖPNV-System einzubeziehen. Der Landkreis Vechta, auch darauf weist Block hin, hat einen entsprechenden Versuch gerade gestartet.

Darüber hinaus, so Block, gebe es vor einer Entscheidung noch weitere Fragen mit dem Landkreis zu klären. Schon in der Ratssitzung war moniert worden, dass die von der Gemeinde zu Beginn des Projektes vorgetragenen Optimierungsvorschläge vom Landkreis bislang nicht weiterverfolgt wurden. So würden beispielsweise die Anbindungen nach Bad Zwischenahn und an das Oberzentrum Oldenburg fehlen. Außerdem müsse über das fehlende Wochenendangebot beraten werden. Zu all diesen Fragen, so Block, „gab es bisher noch keine verbindlichen Aussagen vom Landkreis“.

Landkreis verweist auf positive Entwicklung

Dort ist man mit Blick auf die weitere Entwicklung des Rufbussystems entspannt. Kreissprecher Sascha Rühl weist darauf hin, dass von den 13 Kommunen des Landkreises bereits zehn - Barßel, Löningen, Lastrup, Cloppenburg, Molbergen, Cappeln, Emstek, Lindern und Essen - „positive Ratsbeschlüsse zur weiteren finanziellen Beteiligung“ gefasst hätten. Zudem sei die Entwicklung der Fahrgastzahlen sehr positiv. „Seit der Einführung im Jahr 2020 konnten die Fahrgastzahlen von 14.476 auf 60.156 im Jahr 2022 gesteigert werden“, sagt Rühl. „In 2023 haben bis 12. Mai 31.982 Fahrgäste moobil+ genutzt.“

Zu beachten sei auch, so der Kreissprecher, „dass neue Mobilitätsangebote im ländlichen Raum unter pandemiefreien Bedingungen im Schnitt mindestens 5 Jahre benötigen.“ Im Landkreis Cloppenburg laufe Moobil-Plus jetzt im vierten Jahr, zwei davon unter Coronabedingungen. Die vergleichsweise schwache Nutzung in der Gemeinde Saterland führt er auch auf „mangelnde Unterstützung der Gemeinde“ beim Marketing vor Ort zurück.

Friesoyther Ratsfraktionen diskutieren noch

Noch völlig offen ist die Haltung der Stadt Friesoythe zur Verlängerung des Probebetriebs. Das Thema soll erst am 21. Juni in der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses behandelt werden. Vorher möchte sich die Stadtverwaltung nicht äußern. Auch die Ratsfraktionen haben sich noch nicht festgelegt. „Wir beschäftigen uns mit dem Thema und erstellen gerade einen Fragenkatalog“, sagt etwa Renate Geuter, die Vorsitzende der SPD/Grüne-Fraktion. „Das Rufbussystem findet im Nordkreis noch nicht so statt, wie wir uns das wünschen.“

Auch die Fraktion habe bereits mit dem Taxiunternehmer gesprochen und dabei einige Punkte gefunden, die gut nachvollziehbar seien, erzählt Geuter. Andererseits sei eine Insellösung „das Schlechteste, was man sich vorstellen kann“. Vor diesem Hintergrund sei der Blick in die Nachbarkommunen von besonderer Bedeutung.

Friesoyther CDU/FDP hält aktuelles System für ausbaufähig

Ähnlich äußert sich Lukas Reinken, der Vorsitzende der CDU/FDP-Fraktion. „Uns liegt viel daran, ein ÖPNV-System in Stadt und Landkreis zu etablieren“, sagt er. „Das funktioniert im ländlichen Raum nur über Rufbus oder Ruftaxi.“ Bei einer geringen Nutzung müsse man sich fragen, ob es am System oder an der Taktung liege oder ob entgegen der Erwartungen der Bedarf einfach nicht vorhanden sei. Das jetzige System, so Reinken, „ist sicher ausbaufähig“. Man benötige Zahlen und Prognosen, um entscheiden zu können, „ob moobil+ zukunftsfähig, ob das Geld dort richtig angelegt ist“.

Die Diskussion um den öffentlichen Personennahverkehr, so viel jedenfalls steht fest, geht im Nordkreis weiter.