Chemnitz  Niemand vermisste ihn: Rentner lag 1,5 Jahre tot in seiner Wohnung

Maria Lentz
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Von Maria Lentz
| 05.06.2023 12:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Was in einer Wohnung in Chemnitz vorzufinden war, machte selbst die erfahrenen Tatortreiniger fassungslos. Foto: dpa/Swen Pförtner
Was in einer Wohnung in Chemnitz vorzufinden war, machte selbst die erfahrenen Tatortreiniger fassungslos. Foto: dpa/Swen Pförtner
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Offenbar in absoluter Einsamkeit ist ein 70-jähriger Mann in Chemnitz gestorben. Erst 18 Monate nach seinem Tod wurde die Leiche nun entdeckt. Selbst für den erfahrenen Tatortreiniger vor Ort ist dieser lange Zeitraum „unfassbar“.

Es ist ein Fall, der erschreckt: In Chemnitz lag ein Rentner 18 Monate tot in seiner Wohnung, ohne, dass es jemand bemerkte. „Der Mann scheint wirklich weder Freunde noch Familie, nicht mal Bekannte gehabt zu haben“, berichtet Tatortreiniger Thomas Kundt der „Bild“. Man habe beim Aufräumen keinerlei private Fotos gefunden.

Laut der Zeitung lebte der 70-Jährige Latislav B. in einer kleinen Einraumwohnung eines Mehrfamilienhauses, wo er offenbar auf dem Sofa starb. „Vielleicht war es nur ein medizinischer Notfall“, mutmaßt Kundt.

Lesen Sie auch: Wie der Finanzberater Thomas Kundt zum Tatortreiniger wurde

Der Tatortreiniger gibt regelmäßig auf Instagram Einblicke in seine Arbeit. Bereits Ende Mai teilte er ein Video zu dem Fall in Chemnitz. Es sei jedoch nichts für schwache Nerven, warnt er.

Gerochen habe man im Vorfeld nichts, erzählen Nachbarn der „Bild“. Erst als die Wohnungstür geöffnet wurde, sei der „extrem starke Leichengeruch“, wie Kundt sagt, ins Treppenhaus gedrungen. Zwar räume der Tatortreiniger mit seinem Team jede Woche Wohnungen von Verstorbenen aus. Dass jemand allerdings über einen so langen Zeitraum nicht gefunden wird, sei auch für ihn „unfassbar“.

Laut Kundt ist die Miete im Laufe der eineinhalb Jahre weiter eingezogen worden, auch der Briefkasten lief nicht über. Niemand schöpfte einen Verdacht – bis vor Kurzem.

Erst ein junges Paar, das im Februar in das Nachbarhaus gezogen war, machte eine Beobachtung, die sie verwunderte. „Auf dem Balkon stand Ewigkeiten ein beladener Wäscheständer, der immer schmutziger wurde“, erzählt die Frau der „Bild“. Schließlich wählten sie und ihr Partner den Notruf.

Einen Tag benötigte das Team rund um den Tatortreiniger, um die Wohnung des 70-Jährigen zu leeren und zu säubern. Dann werde sie für zwei Wochen vernebelt, erklärt Mundt, ehe sie neu vermietet werden kann.

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