Entscheidung in Leer  Marode Obdachlosen-Unterkünfte werden nicht ersetzt

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 01.06.2023 15:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Selbst für Obdachlosen-Unterkünfte zu marode: Die Wohnungen an der Eisinghausener Straße werden abgerissen. Foto: Wolters/Archiv
Selbst für Obdachlosen-Unterkünfte zu marode: Die Wohnungen an der Eisinghausener Straße werden abgerissen. Foto: Wolters/Archiv
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Sieben Obdachlosen-Unterkünfte in Leer stehen seit Jahren leer, weil sie zu marode sind. Da eine Sanierung oder ein Neubau zu teuer würden, setzt die Stadt auf ein anderes Konzept.

Leer - Die sieben Obdachlosen-Unterkünfte an der Eisinghausener Straße stehen seit drei Jahren leer. Sie waren zuletzt so marode, dass sie selbst als so genannte Schlichtwohnung, also eine Unterkunft mit niedrigstem Standard, nicht mehr akzeptabel waren. In sie werden auch in Zukunft keine Menschen mehr einziehen, soviel steht fest.

Lange Zeit waren Stadtverwaltung und Politik auf der Suche nach einer Lösung für die Gebäude. Zur Diskussion standen eine Sanierung, ein Umbau, ein Abriss und ein Neubau. Mindestens eine Viertelmillion Euro müssten in eine Sanierung gesteckt werden, hatte man in der Stadtverwaltung Anfang vergangenen Jahres noch geschätzt.

Kosten dreimal höher als gedacht

Nach näherem Hinsehen war klar, es müsste wohl mindestens dreimal so viel investiert werden. Schimmel, veraltete Rohre, Heizungen und Leitungen, ein ungedämmtes Dach und beschädigte Böden seien nur einige der Schäden, die eine Sanierung letztlich nicht mehr rentabel machten, hatte Grit Fokken von der Stadtverwaltung im März dieses Jahres den Mitgliedern des Sozialausschusses geschildert. Ein Neubau werde ähnlich teuer und würde viel Zeit in Anspruch nehmen, weil nach einem Abriss ein langer Planungsprozess in Kauf genommen werden müsse.

Die Schlichtwohnungen am Birkhahnweg sind die letzten städtischen Obdachlosen-Unterkünfte. Foto: Wolters/Archiv
Die Schlichtwohnungen am Birkhahnweg sind die letzten städtischen Obdachlosen-Unterkünfte. Foto: Wolters/Archiv

Die Stadt verzichtet deshalb auf Sanierung oder Neubau. Die Gebäude an der Eisinghausener Straße werden abgerissen und nicht ersetzt. Damit hat Leer dann nur noch sechs eigene Wohnungen im Birkhahnweg 19 mit zwölf Plätzen für Menschen, die unfreiwillig obdachlos geworden sind. Nur für diese Personengruppe ist die Stadt zuständig. Darunter fallen beispielsweise Personen, deren Wohnung vom Gerichtsvollzieher geräumt wird oder bei einem Brand unbewohnbar wurde.

Sieben Wohnungen angemietet

Zusätzlich zu den Unterkünften im Birkhahnweg seien sieben Wohnungen mit insgesamt bis zu 17 Plätzen für Obdachlose angemietet worden, teilt Stadtsprecher Edgar Behrend auf Anfrage mit. Diese Wohnungen befänden sich in fünf Häusern, die sich über das Stadtgebiet verteilten. Von den nun zur Verfügung stehenden 13 Wohnungen seien derzeit zehn belegt, neun davon mit einer und eine mit drei Personen. Theoretisch wären also noch 17 Plätze frei. Die angemieteten Wohnungen kosteten die Stadt monatlich rund 4300 Euro. Personen, die dort eingewiesen würden, müssten eine Benutzungsgebühr zahlen, so Behrendt.

Streng genommen ist eine solche Unterbringung nur als Übergangslösung gedacht. Die Erfahrung zeige aber, dass die Betroffenen wegen persönlicher Schwierigkeiten an der eigenständigen Suche nach einer Wohnung scheiterten und mehrere Monate oder sogar Jahre in der Notunterkunft blieben, hatte die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr mitgeteilt.

Flüchtlings-Wohnungen können genutzt werden

Bedenken, dass die Zahl der zur Verfügung stehenden Wohnungen nicht reichen könnte, habe man bei der Stadtverwaltung aber nicht, sagt der Stadtsprecher: „Es erfolgen keine Abweisungen wegen fehlender Unterkünfte.“ Bei Bedarf könnten Wohnungen, die eigentlich für die Unterbringung für Flüchtlinge angemietet worden seien in Obdachlosenunterkünfte umgewandelt werden. So sei immer eine Unterbringungsmöglichkeit gewährleistet.

Aus Reihen der Politik war vor einem guten Jahr die Forderung laut geworden, den Betroffenen nicht nur eine Unterkunft zu beschaffen, sondern sie auch zu betreuen und ihnen Hilfestellung zu geben. Der Erste Stadtrat Detlef Holz hatte damals darauf hingewiesen, dass das nicht Aufgabe der Stadt, sondern des Landkreises sei.

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