Bares für Rares Was Reporter Heiner Stix in der TV-Show erlebt hat
Heiner Stix aus Friesoythe war mit seiner Frau bei Deutschlands vermutlich bekanntester TV-Trödelshow mit Horst Lichter zu Gast. Nach dem Herzklopfen am Expertentisch kam die Überraschung.
Köln / Friesoythe - „Hallöchen, ich bin der Horst“, tönt es hinter uns. Und dann steht er da. Horst Lichter, mit akkurat nach oben gezwirbeltem Schnurrbart und kleiner runder Brille. Kurze Begrüßung per Fistbump – im Dezember 2022 ist irgendwie noch Corona und irgendwie auch nicht –, Smalltalk, und dann ist er auch schon wieder weg.
Wir, meine Frau Corinna und ich, sind im Alten Walzwerk in Pulheim, nordwestlich von Köln. Ein Theater ist hier untergebracht, Agenturen, ein Restaurant, Büros, ein Golfshop, Kunsthandwerker. Und der Drehort für „Bares für Rares“, Deutschlands vermutlich bekanntester Trödelshow. Wobei wir – hoffentlich – keinen Trödel mitgebracht haben, sondern eine Antiquität, die vor den Augen der Expertin Gnade findet und uns den Weg zu den Händlern ebnet.
Sensationsfund bei „Bares für Rares“: Horst Lichter wird emotional
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Herzklopfen am Expertentisch
Wer auf die Idee kam, sich bei „Bares für Rares“ zu bewerben, wissen wir nicht mehr. Irgendwann brachte meine Frau ein Schmuckstück ins Gespräch, eine Kette von der Großmutter, die sie als Teenagerin von ihrer Mutter bekommen hatte. Was genau die Kette ist, wissen wir nicht. Getragen wurde das Stück seit vielen Jahrzehnten nicht mehr, und weil die Bewerbung dann doch recht einfach ist, haben wir ein paar Fotos gemacht und über die Webseite der Sendung hochgeladen. Und jetzt stehen wir im Studio, am Expertentisch. Mit leicht feuchten Händen und Herzklopfen.
Dann kommt der Satz, von dem ich bislang immer dachte, dass er nur in Filmen über Filme vorkommt. „Ruhe bitte. Und bitte“, heißt es. Horst Lichter kommt von rechts und meint mit einem Blick auf den Tisch: „Ui, da ist aber ordentlich was dran.“ Die Antwort der Expertin, die das Schmuckstück erst kurz vorher bekommen hatte, lässt mich hoffen, dass wir auch in den Händlerraum dürfen. „Ja“, sagt sie, „das ist etwas ganz Tolles. Es ist quasi Geschichtsunterricht.“
Wie festgenagelt auf der zugewiesenen Position
150 Euro haben wir uns als Untergrenze für den Verkauf gesetzt, in Gedanken schlage ich schon mal 50 Euro drauf. Dann dürfen wir ins Bild, und plötzlich sind wir längst nicht mehr so locker wie zuvor. Gefühlt stehen wir wie festgenagelt an der zugewiesenen Position, kein Vergleich zu den quirligen Menschen, die man in den Sendungen oft sieht. Was Horst Lichter uns gefragt, was wir geantwortet haben, weiß ich schon zehn Minuten später nicht mehr so richtig.
Auch von den Erläuterungen der Expertin ist wenig hängen geblieben. Wir haben, so erfahren wir, eine Daktyliothek in Schmuckform mitgebracht: eine Sammlung von Abdrücken geschnittener Schmuck- oder Edelsteine, sogenannter Gemmen, aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die in orange gefärbten Steine zeigen Figuren der griechischen oder römischen Mythologie, die Kette selbst ist aus 333er Gold.
Ziel erreicht: Wir bekommen die Händlerkarte
Wendela Horz ist sichtlich begeistert von dem Schmuckstück, zeigt Details, erklärt die Historie. In meinem Kopf kommen nochmal 100 Euro auf den Wunschpreis drauf. Meiner Frau geht es nicht anders, doch auf Horsts Frage, was wir uns denn so vorgestellt haben, bleibt sie bei der ursprünglichen Summe. Schon an Lichters Reaktion merken wir, dass das vielleicht doch etwas zu niedrig gegriffen ist. Und tatsächlich: Wendela Horz schätzt das Schmuckstück auf 1200 Euro, allein 700 Euro beträgt der Goldpreis. Natürlich bekommen wir die Händlerkarte.
Wie wenig wir von den Erläuterungen der Expertin behalten haben, wird im Gespräch mit dem Redakteur im Wartebereich neben dem Experten-Studio deutlich. „Wie heißt das Ding?“ „Von wann genau war es?“ „Aus welchem Material waren die Steine nochmal?“ Plötzlich öffnet sich die Tür in der provisorischen Holzwand und Wendela Horz steckt den Kopf zu uns rein. Sie hat nebenan unsere Unsicherheit gehört und erklärt uns geduldig alles nochmal. Es geht auch hinter den Kulissen so locker zu, wie es im Fernsehen wirkt.
Noch nicht einmal verhandeln
Der Verkauf wird ein Selbstläufer. Von außen beobachten wir, wie die Händler das Schmuckstück erstmals sehen, dann stehen wir im Händlerraum auf einer markierten Position. Und wieder sind wir verkrampft, aber das ist vollkommen egal. Wir müssen noch nicht einmal verhandeln: Mit 750 Euro geht es los, die 800 Euro, mein Zielpreis nach der Expertise, sind schnell erreicht, die 900 auch. Sarah bietet 1000 Euro. Wir sind vom Wert und von dem Interesse immer noch so überrascht, dass wir gar nicht versuchen, noch mehr herauszuholen. Wir schlagen einfach zu.
Fünf gelbe Scheine und ein Schmuckstück wechseln den Besitzer. Das einzig Dumme daran: Wir sind jetzt im Fernsehen. Das habe ich vorher irgendwie nicht so richtig dran bedacht.