Osnabrück  Computerchip im Gehirn? Ja gerne! Wenn die Bedingungen stimmen

Louisa Riepe
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Von Louisa Riepe
| 01.06.2023 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Neuralink will eine Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer anbieten. Foto: Imago Images / xJonathanxRaax
Neuralink will eine Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer anbieten. Foto: Imago Images / xJonathanxRaax
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Würden Sie sich einen Computerchip ins Gehirn setzen lassen, um Ihre Produktivität zu verbessern? Unsere Autorin sagt: Ja! Doch die Erfinder müssen noch ein paar Fragen beantworten.

Ich bin ungeduldig. Womöglich liegt es an diesem Wesenszug, dass ich mir manchmal wünschen würde, Computer würden mich besser verstehen. Es nervt mich, wenn die Maschinen nicht so arbeiten, wie ich es mir wünsche. 

Ein paar Beispiele: Die erste Mail an meine Kollegin habe ich heute Morgen schon unter der Dusche formuliert, muss sie aber noch abtippen. Die Präsentation für die nächste Konferenz habe ich längst vor meinem inneren Auge, muss ich aber mit hunderten Mausklicks erst noch zusammenbauen. Und diesen Text tippe ich gerade einigermaßen umständlich in meine Smartphone-Tastatur, obwohl ich in Gedanken schon zwei Absätze weiter bin. 

Wie viel einfacher wäre es, wenn die Maschine einfach wüsste, was ich im Kopf habe, und die Aufgaben allein Kraft meiner Gedanken erledigt wären? Wenn sie nicht erst den Umweg über meine Hände, über Maus und Tastatur oder Sprachsteuerung gehen müssten? Ich würde so viel mehr schaffen, könnte meine Zeit so viel besser nutzen!

Das Startup „Neuralink“ hat in dieser Woche mit einer Vision Schlagzeilen gemacht, die mir helfen könnte: Die Gründer um Elon Musk versprechen nicht weniger als ein „Brain Computer Interface“ (kurz BCI), also eine Gehirn-Computer-Schnittstelle.  Zunächst soll sie gelähmten Menschen helfen, langfristig aber auch bei Gesunden das volle Potential der menschlichen Gedanken entfalten.

Das alles soll ein Implantat leisten, das im Kopf des Patienten eingesetzt wird und dort die neuronale Aktivität misst. Die Signale aus dem Hirn werden so übersetzt, dass sich damit Computer oder mobile Endgeräte steuern lassen. Wie gut das heute schon funktioniert, werden Tests zeigen. Neuralink darf in den USA jetzt erste Chips bei Menschen einsetzen. Andere Startups sind bereits mitten in der Testphase.

Der Ausgang ist ungewiss. Und es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis die Technik der großen Masse zur Verfügung steht – oder gar die komplexen Anforderungen erfüllen kann, die ich beschrieben habe. Neben der Frage, ob die Implantate wirklich medizinisch sicher sind, wird für den breiten Einsatz aber auch entscheidend sein, ob die Unternehmen das nötige Vertrauen aufbauen können. 

Die Tech-Giganten versuchen heute schon, unsere (Kauf-) Entscheidungen zu beeinflussen. Welche Möglichkeiten hätten sie wohl, wenn sie dabei nicht mehr den Umweg über unsere Augen und Ohren gehen müssten, sondern Anreize direkt im Gehirn setzen könnten? Die Unternehmen treten an mit dem Versprechen, mithilfe von Gedanken Computer kontrollieren zu können. Aber was wäre, wenn die Computer über Schnittstellen im Gehirn uns kontrollieren könnten? 

Auf diese Fragen braucht es gute Antworten. Wenn Musk und Co. die geben können, würde ich gerne ein BCI testen. Das Potenzial, das die Menschheit damit entfalten könnte, ist riesig. 

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