Kolumne „Klare Kante“ Mehr Mut zur Wahrheit beim Thema Rente
Donnerstags gibt es an der Stelle immer eine klare Kante. Heute nimmt sich unser Kolumnist die Planungen für die Alterssicherung vor. Er fordert: In Sachen Rente muss dringend ein Umdenken her.
Was die Alterssicherung angeht, sind die Deutschen offenkundig nüchterner und weniger erwartungsfroh als ihre Bundesregierung. Folgt man der jüngsten Repräsentativumfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) gehen 74 Prozent der Bundesbürger von einem geringeren Lebensstandard im Alter aus – eine Steigerung von mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Inflation und andere Zukunftssorgen haben ihre Spuren hinterlassen.
Zur Person
Dieter Weirich (76), Publizist und Buchautor, ist ein Grenzgänger zwischen Medien und Politik. Der gebürtige Schwabe war hessischer Landtags- und Bundestagsabgeordneter der CDU und Intendant der Deutschen Welle. Heute lebt er in Berlin.
Mit der Alterssicherung steht die Ampel vor einer ihrer größten Herausforderungen. Die demografischen Probleme sind nur mit mutigen Schritten und der unpopulären Bereitschaft zur Wahrheit zu lösen. Spätestens 2030, wenn das Gros der Babyboomer in den Ruhestand geht, kippt bei der gesetzlichen Rente das Verhältnis zwischen Einzahlern und Empfängern.
Auch die jetzige Regierung steckt den Kopf in den Sand vor der Bewältigung dieser zentralen Frage, die nur mit einem Mix an Reformen zu lösen ist. Besonders auf dem Kriegsfuß mit Adam Riese steht Arbeitsminister Hubertus Heil, der die dringend notwendige Anhebung des Renteneintrittsalters ablehnt und in der Großen Koalition sogar die Rente mit 63 ohne Abschläge für alle Arbeitnehmer mit mehr als 45 Beitragsjahren durchgesetzt hat. Jetzt heißt es: Kommando zurück, ältere Arbeitnehmer fordern Kanzler und Heil unisono auf, weiter zu wirken.
Schon heute lebt die Rentensicherung von 100 Milliarden Euro jährlich an Steuergeldern – eine Summe, die im Interesse aller Bürger nicht weiter gesteigert werden darf. Vor allem sollte deshalb das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden, wie es jetzt die CDU gefordert hat. Auch eine Reformdebatte über Pensionen ist ein Gebot der Stunde.
Rasch umgesetzt sollte die von der FDP gewünschte Aktienrente . Dass der Staat wie in anderen Ländern Aktien und Anleihen am Kapitalmarkt ankauft und die Gewinne für die Rentenfinanzierung einsetzt, ist eine gute Idee. So wird jeder Steuerzahler zum Aktionär.
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