Tote Heckrinder in Leer Nabu-Weideprojekt soll bis zum Winter beendet werden
Der Landkreis Leer zieht die Konsequenzen aus dem Skandal um die toten Nabu-Heckrinder. Die Beweidungsprojekte mit den Ur-Rindern sollen beendet werden. Für den Nabu ist das aber nur eine Option.
Leer/Rheiderland - Die Haltung von Heckrindern des Nabu im Landkreis Leer soll beendet werden. Der Landkreis zieht damit die Reißleine, nachdem sich auf der Weide Thedingaer Vorwerk in Nüttermoor vor kurzem zwei Heckrind-Kälber so schwer verletzten, dass sie von einem Tierarzt eingeschläfert werden mussten.
Was und warum
Darum geht es: um das Ende der Beweidungsprojekte des Nabu mit Heckrindern im Landkreis Leer
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Deshalb berichten wir: Der Landkreis hat mitgeteilt, wie es nach dem Vorfall mit zwei toten Heckrindern mit den Weideprojekten weitergehen soll. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Generell sind bei der Beweidung der Flächen massive Probleme aufgetreten, die nach Einschätzung des Landkreises ganz klar der Nabu zu verantworten hat. Das Veterinäramt stellte dem Verband eine niederschmetternde Beurteilung der Zustände aus: „Das Betreuungsmanagement war zuletzt mangelhaft.“ Bei mehreren Tieren wurde laut Landkreis eine Mangelernährung festgestellt. „Einige Heckrinder hatten nicht die erforderlichen Ohrmarken und die nach dem Tierseuchengesetz vorgeschriebenen Blutuntersuchungen sind bislang nicht erfolgt. Bei der Beschaffenheit der Flächen und beim Entmisten traten Schwierigkeiten auf“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises.
Nabu verfolgt andere Ziele
Als Tierhalter sei der Nabu in der Pflicht und habe ein Konzept vorzulegen, wie eine Auflösung des Bestandes tierschutzgerecht erreicht werden kann. „Ziel ist, die Beweidungsprojekte auf den im Stadtgebiet Leer liegenden Flächen in Coldam und Thedingaer Vorwerk des Nabu mit Heckrindern spätestens bis zum Winter gänzlich zu beenden“, heißt es in der Pressemitteilung.
Der Nabu hat offenbar eine andere Sichtweise. „Die Tiere befinden sich insgesamt in einem guten Zustand. Sie wurden und werden regelmäßig versorgt und stehen sehr gut im Futter“, heißt es in einer Stellungnahme des Nabu. Dass zwei Kälber eingeschläfert werden mussten, sei Folge von „bedauerlichen Unfällen im Zuge der routinemäßigen Blutentnahmemaßnahme“. Die Aufgabe der Tierbestände hält der Nabu zwar durchaus für eine Option. „Die Beweidung soll nach Möglichkeit mit einem ruhigeren Tierbestand fortgesetzt werden“, teilte Nabu-Sprecher Matthias Freter auf Nachfrage mit.
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Nach seinen Worten wird der Nabu die Tierbestände nun durch eine Kombination unterschiedlicher Maßnahmen reduzieren. „Dies schließt die Aufteilung von Jungtieren auf andere Flächen und Ställe, aber auch einzelne Schlachtungen ein“, erläuterte Freter. Primäres Ziel sei es, die weitere Vermehrung zu verhindern. Daher sollen vor allem alle männlichen Tiere entnommen werden. Das habe den Nabu Niedersachsen zuletzt vor große Herausforderungen gestellt. Nach einem „Weideschuss“ vor Ort, werden die Tiere in einem speziell ausgestatteten Schlachtwagen verarbeitet. „Dies ist die stressärmste Art der Schlachtung und erspart den Tieren den Transport zum Schlachthof“, so Freter weiter, „trotz der bürokratischen Herausforderungen stehen alle Akteure in regelmäßigem und engem Austausch und treiben das Vorgehen voran.“
Rücktrittsforderung
Die CDU im Landkreis Leer fordert ein konsequenteres Handeln von der Verwaltung. Nach Auffassung von Grietje Oldigs-Nannen müsste ein Tierhalteverbot ausgesprochen werden. „Die aktuellen Vorfälle könnten nur die Spitze des Eisbergs sein“, so die Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion und spielt damit auf Vorfälle in der Vergangenheit an. 2007 war der Nabu mit der Heckrinderbeweidung in Leer erstmals in die Schlagzeilen geraten. Damals waren auf den Nabu-Weiden 16 Heckrinder aufgrund schlechter Haltungsbedingungen und Mangelernährung verendet. Unterschwellig klingt aber auch Kritik am Landkreis durch. „Die vom Veterinäramt angeordneten Maßnahmen hätten von Anfang an verpflichtend für die Betreiber sein müssen.“
Der Friesische Verein für Naturschutz (FVN) pocht auf Konsequenzen. „Wir fordern ein Tierhalteverbot für den Nabu“, so der zweite Vorsitzende des FVN, Hero Schulte. Die Verbandsspitze müsse die volle Verantwortung für die Versäumnisse der Vergangenheit und den Skandal um die toten Heckrinder übernehmen. Dr. Holger Buschmann müsse als Vorsitzender des Nabu Niedersachsen abgelöst werden.