Skandal um tote Tiere Droht der Heckrinder-Herde in Nüttermoor der Abschuss?
Das Veterinäramt will das Weideprojekt des Nabu in Nüttermoor nur unter strengen Auflagen weiter dulden. Doch was passiert mit den Tieren, wenn der Nabu dazu nicht in der Lage ist? Wir fragten nach.
Landkreis Leer - Der Skandal um die beiden toten Heckrinder des Nabu im Beweidungsprojekt Thedingaer Vorwerk in Nüttermoor schlägt hohe Wellen. Das Veterinäramt hat die gegenwärtigen Umstände als so schlecht beurteilt, dass dort eine tierschutz- und artgerechte Haltung eigentlich nicht gewährleistet ist. Nur unter strengen Auflagen und engmaschigen Kontrollen will die Behörde das Projekt weiterlaufen lassen. Der Friesische Verband für Naturschutz (FVN) macht ebenfalls Druck. Wie Frauke Bruhns, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden, auf Nachfrage bestätigt, wurde Anzeige gegen den Nabu und dessen Landesvorsitzenden Dr. Holger Buschmann erstattet. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen, unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.
Der Landkreis Leer verlangt, dass der Nabu Betreuer benennt, die die Tiere auf der Fläche zweimal täglich kontrollieren. Das könne nur aus gesicherter Position mit einem Trecker erfolgen, denn die Tiere können für Menschen lebensgefährlich werden. Die Rinder sind völlig verwildert. Das ist auch der Grund, weshalb es bislang nicht gelungen ist, die einmal jährlich vorgeschriebenen Blutuntersuchungen vorzunehmen. Das Veterinäramt hat allerdings festgestellt, dass bei einigen Tieren die vorgeschriebene Kennzeichnung durch Ohrmarken fehlt.
Personalnot beim Nabu
Ein Grund für all diese Missstände sind personelle Engpässe beim Nabu. Uwe Betten, der langjährige landwirtschaftliche Leiter, der für die Beweidungsprojekte in Coldam, am Uhlsmeer und am Thedingaer Vorwerk zuständig war, hatte Anfang des Jahres die Reißleine gezogen und aus Arbeitsüberlastung gekündigt. Sein Kollege Stefan Freese fällt verletzungsbedingt ein halbes Jahr aus. Die Stelle ist immer noch nicht besetzt. Tierfreunde stellen sich inzwischen aber die Frage, was mit den Tieren passiert, wenn der Nabu nicht in der Lage sein sollte, die Forderungen des Landkreises Leer umzusetzen.
Die Tiere sind so verwildert, dass sie nicht einfach auf einen Viehtransporter geladen und auf geeignetere Weideflächen gebracht werden können. Die Heckrinder verfügen nach Angaben von Experten über solche Kräfte, dass sie in ihrer Panik den Anhänger zerstören würden. „Die Konsequenz wäre, die Herde zu töten“, sagt Hero Schulte, 2. Vorsitzender des FVN. Gegen eine solch drastische Maßnahme würden Tierfreunde und Tierschutzverbände vermutlich Sturm laufen. Der FVN bringt daher eine Alternative ins Gespräch.
FDP fordert Buschmann-Rücktritt
„Wir würden die Heckrinderbeweidung für einen symbolischen Betrag vom Nabu übernehmen und selbst in die Hand nehmen“, sagte Dr. Hansjörg Heeren, 1. Vorsitzender des FVN, auf Anfrage. „Wir würden das besser machen als der Nabu und die Beweidung zu einem Vorzeigeprojekt machen.“ Nach den Worten von Heeren verfüge der Verband über zahlreiche Landwirte, die Profis in ihrem Bereich seien und auf den Flächen für optimale Haltungsbedingungen und Versorgung der Heckrinder sorgen könnten.
Angesichts des Skandals um die schwer verletzten Heckrinder auf den Nabu-Flächen in Leer-Nüttermoor fordert der Vorsitzende der FDP Fraktion im Leeraner Kreistag und Chef des FDP Kreisverbandes Jens Völker personelle Konsequenzen beim Nabu Niedersachsen. „Die Zustände bei der Heckrinderhaltung des Nabu sind grausam anzusehen und untragbar. Hier muss Dr. Holger Buschmann als Nabu-Landesvorsitzender seine persönliche Verantwortung übernehmen und sofort zurücktreten,“ fordert der FDP Politiker und führt weiter aus: „Ein Landwirt hätte bei dem gleichen Vergehen bereits ein Tierhaltungsverbot bekommen – daher begrüßen wir es ausdrücklich, dass der Landkreis zumindest jetzt die Heckrinderhaltung durch den Nabu dort für nicht mehr möglich hält.“
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