Osnabrück Lauterbach hat Recht: Es gibt zu viele Krankenhäuser
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat „eine Revolution“ für die Krankenhäuser angekündigt. Es hagelt Kritik aus der Branche. Unser Autor findet, die Krankenhausreform verdient Unterstützung.
Die Bundesregierung treibt in diesen Tagen die Krankenhausreform voran. Zahlreiche Einrichtungen werden schließen. Im Rest der Republik mag man geneigt sein, die örtliche Klinik für unverzichtbar zu halten, am besten mit möglichst vielen Stationen und Fachrichtungen. Einige Medien werden die „Kahlschlag“-Rhetorik übernehmen oder haben das bereits. Ich sehe das allerdings anders. Ich glaube, dass unbeteiligt rechnende Experten in diesem Fall die besseren Argumente haben als die örtlichen Interessenvertreter, seien sie Chefärztin oder Träger, Bürgermeister oder Beschäftigte oder auch Patient.
Tatsache ist: In anderen Ländern verbringen die Menschen deutlich weniger Zeit in Krankenhäusern und sind im Schnitt weder kränker noch leben sie kürzer. In anderen Ländern erfolgen deutlich weniger Operationen, insbesondere an Rücken und Knie, ohne dass nachteilige Folgen bekannt wären. Vielmehr drängt sich der Eindruck auf, dass zahlreiche Eingriffe in Deutschland auch deshalb erfolgen, damit kleine Kliniken halbwegs auskömmliche Einnahmen erzielen, die ihren Bestand sichern sollen.
Auch die Patienten sind nicht unbeteiligt. Auf eine mögliche, aber nicht zwingende Behandlung zu verzichten und einfach mal abzuwarten oder Sport zu treiben, verlangt Selbstdisziplin und einen Bewusstseinswandel. Mehr Operationen bedeuten übrigens auch mehr Komplikationen – bakterielle Infektionen etwa, die vielfach folgenreich und manchmal tödlich sind.
Schließungen bedeuten zudem auch Spezialisierung. Als Patient würde ich lieber in 80 Kilometer Entfernung operiert werden, aber dann durch jemanden, der sich auskennt, während eine akute Versorgung in ortsnahen Not-, Ambulanz- und Unfallpraxen zu erfolgen hat und auch erfolgen wird. Dort kann sich manches Spezialgerät und Knowhow geteilt werden, was wiederum Kosten senkt und dem Patienten Wege in andere Praxen erspart. Das DDR-System war unter diesem Gesichtspunkt durchaus gut.
Schließen einige Krankenhäuser, dämpft das zudem nicht nur die Kosten. Es eliminiert zugleich den Fachkräftemangel. Beschäftigte können zu anderen Häusern, Heimen oder Praxen wechseln, wo sie dringend gebraucht werden. Soziale Härten für die Belegschaften sind deshalb kaum zu befürchten, während die Versorgung insgesamt am Ende besser und nicht schlechter ausfallen kann.
Zuletzt wird es so sein, dass wegen der Kostenentwicklung ohnehin zahlreiche Einrichtungen werden schließen müssen. Allein die allseits gerne geforderten höheren Löhne bedingen das zwingend. Da liegt es nahe, den Prozess mit einem Plan zu begleiten und zu gestalten, statt zufällige Pleiten, kurzfristige „Rettungen” oder lange Hängepartien einzugehen.
Mag Gesundheitsminister Karl Lauterbach in der Corona-Krise auch dramatisch versagt haben. Seine Krankenhausreform hat Unterstützung verdient. Ich wünsche ihm viel Erfolg und bin fest davon überzeugt, dass es keine ratsame Alternative ist, am Status quo festzuhalten – auch nicht am Krankenhaus in meiner Nähe.