Berlin  „Sie machen mir Angst“: So reagieren Mitglieder der „Letzten Generation“ auf die Razzia

Maria Lentz
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Von Maria Lentz
| 25.05.2023 14:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Carla Hinrichs, Sprecherin der „Letzten Generation“, veröffentlichte nach der Razzia bei den Klimaaktivisten ein emotionales Video. Foto: dpa/Christoph Soeder
Carla Hinrichs, Sprecherin der „Letzten Generation“, veröffentlichte nach der Razzia bei den Klimaaktivisten ein emotionales Video. Foto: dpa/Christoph Soeder
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15 Wohnungen und Geschäftsräume der „Letzten Generation“ stürmte die Polizei am Mittwoch – darunter auch die von Sprecherin Carla Hinrichs. Mitglieder der Klimaschutzgruppe schildern danach ihre Erlebnisse in Videos. Die Aktivisten sind fassungslos – aber auch kampflustig.

Es ist der Morgen des 24. Mai, als Carla Hinrichs von Schlägen gegen ihre Türe und lauten Rufen geweckt wird. Dann steht plötzlich ein Polizist mit schusssicherer Weste an ihrem Bett und richtet eine Waffe auf sie.

So zumindest schildert die Sprecherin der „Letzten Generation“ den Polizeieinsatz in ihrer Wohnung in Berlin-Kreuzberg. Es ist eine von 15 Adressen der Klimaschutzgruppe, die die Beamten am Mittwoch im Zuge einer Razzia durchsuchten, um Beweise für eine Strafverfolgung zu sichern. Die Aktivisten stehen unter Verdacht, eine kriminelle Vereinigung zu bilden.

In dem Video, das die 26-Jährige nach der Wohnungsdurchsuchung auf Twitter veröffentlichte, ist sie sichtlich mitgenommen. Ihre Wangen sind gerötet, ihre Stimme ist teilweise brüchig. Die Beamten hätten alles durchsucht und schließlich alles mitgenommen, was zu ihrem Alltag gehört, berichtet Hinrichs.

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„Das macht Angst. Sie machen mir Angst. Sie versuchen, mir Angst zu machen“, sagt sie und muss dabei Schlucken. Wen konkret sie mit „sie“ meint – ob die Polizisten oder die Regierung – führt Hinrichs nicht aus, erklärt aber, warum sie ihr ihrer Meinung nach Angst machen wollen: „Weil wir jeden Tag allen vor Augen führen, dass diese Regierung gerade ihre Verfassung bricht.“

Doch eine Sache mache ihr noch mehr Angst, als eine Razzia in ihrer Wohnung: Dass der Staat „seine eigenen Bürger in eine Klimakatastrophe rasen lässt und nichts dagegen tut.“

Auch ein anderes Mitglied der „Letzten Generation“ – ihr Name ist Imke – berichtet in einem Video auf Youtube von ihrer Wohnungsdurchsuchung: Zwei Stunde habe der Einsatz gedauert, zwei ihrer Laptops, den Laptop ihres Freundes, ihr Handy und ihre Gerichtsunterlagen haben die Beamten letztendlich mitgenommen. Es sei allerdings eine „recht entspannte Atmosphäre“ gewesen.

„Ich sehe mich selbst absolut nicht als irgendeine Kriminelle an“, sagt die Klimaaktivistin. Sie finde es absurd, was ihr und der gesamten „Letzten Generation“ vorgeworfen wird. Die wahren Kriminellen seien doch die Mitglieder der Bundesregierung, die sich nicht an die Verfassung halten wollen.

Unterkriegen lassen wolle sich die Klimaschutzbewegung nun aber nicht – im Gegenteil: Die bundesweite Razzia habe eine Welle der Unterstützung ausgelöst. Die Gruppe sei seit „gestern stärker als je zuvor“, schrieb die „Letzte Generation“ am Donnerstag in einer Mitteilung.

Nach den großangelegten Durchsuchungen am Vortag hatten die Aktivisten in vielen Städten zu Protestmärschen, unter anderem in Berlin und München, aufgerufen. Die Demonstration in der Hauptstadt am Mittwochabend sei die größte bislang gewesen, hieß es weiter. Mehrere hundert Teilnehmer waren gekommen.

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Zudem habe die Klimaschutzgruppe viele Spenden erhalten und kündigte an, ihre Proteste wie geplant auszuweiten. „Wir merken, dass ganz, ganz viel Unterstützung gerade kommt. Wir wachsen und wir werden unseren Protest weiter ausweiten, weil wir machen das ja nicht zum Spaß“, sagte Raphael Thelen, Aktivist der „Letzten Generation“, am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“.

Mit dpa-Material.

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