Notfälle in Ostfriesland  Auch im Kreis Aurich kommen die Rettungswagen zu oft verspätet

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 24.05.2023 11:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Hilfsfrist in Niedersachsen beträgt 15 Minuten. Foto: Gabbert/dpa
Die Hilfsfrist in Niedersachsen beträgt 15 Minuten. Foto: Gabbert/dpa
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Notfall-Patienten in Ostfriesland müssen sich auf (zu) lange Wartezeiten einstellen. In zwei von vier Rettungsdienst-Bezirken wird die Hilfsfrist zu oft gerissen. Und warum macht der Kreis Leer keine Angaben?

Ostfriesland - Nicht nur im Landkreis Wittmund, sondern auch im Landkreis Aurich konnten die Rettungsdienste zuletzt die Hilfsfrist in Notfällen nicht mehr in ausreichendem Maße einhalten. Auf die Frage, zu wieviel Prozent sie in diesem Jahr eingehalten werden konnte, antwortete die Kreisverwaltung Aurich: „Die Erfüllung der Hilfsfrist liegt derzeit bei 94,75 Prozent.“

Die Hilfsfrist in Niedersachsen beträgt 15 Minuten. Das heißt, nach 15 Minuten soll der Rettungswagen oder der Notarzt vor Ort sein – und zwar in mindestens 95 Prozent der Notfälle. Auch im Landkreis Wittmund wurde dieser Wert in diesem Jahr bislang nicht erreicht, wie die Kreisverwaltung vergangene Woche mitgeteilt hatte: „Die Hilfsfristen wurden in 93,23 Prozent der Einsätze erfüllt.“

Können die Hilfsfristen im Landkreis Leer eingehalten werden?

Während die Stadtverwaltung Emden auf dieselbe Frage – und trotz Personalengpässen im dortigen Rettungsdienst – einen Wert von 96,34 Prozent vermeldet hat, macht die Leeraner Kreisverwaltung keine Angaben: „Der Landkreis Leer wertet die Hilfsfristen jeweils über einen Zeitraum von zwölf Monaten aus. Das ist auch jetzt der Fall, dabei werden dann die ersten Monate dieses Jahres mit berücksichtigt. Aktuelle Zahlen sind aber derzeit nicht verfügbar; wie bereits mitgeteilt, werden diese gerade im Zusammenhang mit dem neuen Rettungsdienstbedarfsplan erhoben. Insofern kann ich nur auf die letzte Zahl von 2022 verweisen: 95,5 Prozent.“

Auch aus dem DRK-Rettungsdienst im Landkreis Leer hat unsere Zeitung jedoch von Personalengpässen gehört – und zwar in diesem Jahr, auf welche sich die Angaben der Kreisverwaltung nicht beziehen. Auf Anfrage teilte Geschäftsführer Markus Wucherpfennig mit: „Engpässe sind anhängig von individuellen Krankenständen gelegentlich vorhanden.“ Und: „Es kommt vor, dass Fahrzeuge abgemeldet werden müssen, wenn plötzlich viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erkranken.“ Er erläuterte: „Insgesamt leistet der Rettungsdienst/ Krankentransport monatlich mehr als 7000 Stunden; die Abmeldungen im Februar und März lagen sowohl für Krankentransportwagen wie für Rettungstransportwagen unter 0,5 Prozent.“

Rettungskräfte schildern die Situation im Kreis Leer anders

Aus dem Kreis der DRK-Rettungskräfte im Landkreis Leer waren folgende Informationen an unsere Redaktion herangetragen worden: „Es werden regelmäßig Krankentransportwagen abgemeldet.“ Und: „Es wir täglich gebettelt, dass man freie Tage doch arbeiten solle, Doppeldienste machen oder gar seinen Urlaub unterbrechen solle.“

Zwei Kennzahlen, die für die Bewertung der Rettungsdienst-Versorgung im Landkreis Leer beziehungsweise der dortigen Kapazitätsengpässe relevant sind, werden von den Verantwortlichen nicht herausgerückt. Neben der prozentualen Einhaltung der Hilfsfrist ist das die Gesamtzahl der Überstunden, die sich bei den Sanitätern angesammelt haben.

Wie viele Überstunden mussten DRK-Sanis im Kreis Leer machen?

Geschäftsführer Wucherpfennig: „Die Stundenkonten der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden wir nicht veröffentlichen.“ Das hatte unsere Redaktion auch nicht verlangt. Die Frage lautete: „Wie viele Überstunden sind aktuell in der Belegschaft aufgelaufen (also Gesamtzahl der vorhandenen Überstunden im Rettungsdienst)?“ Wucherpfennig teilte lediglich mit, dass es möglich gewesen sei, „durch eine erhöhte Personalvorhaltung Überstunden weiter abzubauen“. Doch wie viele Überstunden hatten sich angehäuft und wie viele davon sind immer noch nicht abgebaut? Das ist unklar.

Auch der Landkreis Aurich, der den dortigen Rettungsdienst nicht nur trägt, sondern auch betreibt, hat bisher keine Überstundenzahl mitgeteilt. Unsere Redaktion hat nachgehakt und wird weiter berichten. Die Stadtverwaltung Emden und die Kreisverwaltung Wittmund hatten die Stände an Überstunden beziehungsweise „Mehrarbeitsstunden“ mitgeteilt.

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