Nachruf Ältester Emder stirbt zwei Monate nach dem 101. Geburtstag
Johannes Eilers ist am 14. Mai gestorben. Er versorgte sich bis zuletzt noch fast allein. Seinen Lebensmut schöpfte er aus der Familie.
Emden - Freud und Leid liegen oft nah beieinander: Seinen 101. Geburtstag feierte Johannes Eilers noch fröhlich mit seinen Kindern, Enkel- und Urenkeln, zwei Monate später schlief der älteste Emder Mann friedlich im Kreise seiner Familie ein. „Sein Herz war einfach zu müde“, sagt seine Tochter Anita Gravemann.
Sie, ihre beiden älteren Brüder Gerold und Michael sowie deren Familien, die alle in der Nähe wohnen, kümmerten sich viel und liebevoll um den Senior. Der wiederum schöpfte aus den Begegnungen mit seinen Kindern und Kindeskindern viel Kraft und einen schon bewundernswerten Lebensmut. „Ich bin doch nicht einsam“, sagte er im März - wenige Tage vor seinem 101. Geburtstag - einer Reporterin dieser Zeitung auf die Frage, wie sich das hohe Alter für ihn anfühle.
Solide Lebensweise als Rezept für das hohe Alter
Bis zuletzt lebte Johannes Eilers noch im eigenen Haus im Emder Stadtteil Wolthusen und versorgte sich weitgehend selbst. Obwohl die Knochen nicht mehr mitspielten und ihm das Gehen schwer fiel, kam er noch gut zurecht. Zu seinem Rezept, ein hohes Alter zu erreichen, gehörte eine solide Lebensweise. Als langjähriges Mitglied des Emder Rudervereins und des Sportvereins Amisia Stern Wolthusen hatte er in früheren Jahren auch viel Sport getrieben.
Geistig war ihm das gesegnete Alter kaum anzumerken. Im Gegenteil: Bis zu seinem Tod verfolgte der 101-Jährige das aktuelle Geschehen auf der Welt und in Ostfriesland . „Sehr erschrocken“ war er über den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gewesen, der wenige Wochen vor seinem 100. Geburtstag ausbrach. Dieses Ereignis rief bei ihm auch schreckliche Erinnerungen wach.
Seine Leidenschaft galt dem eigenen Garten
Während des Zweiten Weltkrieges war er in russische Kriegsgefangenschaft geraten. Aus einem ungarischen Lager wurde er nach der Eingangsuntersuchung entlassen, weil er an Malaria erkrankt war. Den Tag seiner Heimkehr nach Emden hatte Johannes Eilers nie vergessen: Es war am 6. September 1945 - auf den Tag genau ein Jahr nach der fast völligen Zerstörung seiner Heimatstadt durch alliierte Bomber. „Ich wusste damals nicht mehr, wo ich war“, erinnerte er sich kurz vor seinem 100. Geburtstag an seine Heimkehr.
Johannes Eilers, den Freunde nur Hans nannten, kam als jüngstes von sieben Geschwistern in der damals noch eigenständigen Gemeinde Wolthusen zur Welt. Sein Vater und sein Großvater waren Landwirte. Vielleicht rührte daher seine besondere Liebe zum eigenen Garten. Den Blick darauf genoss er bis zuletzt. Gerne war er mit seiner 2010 verstorbenen Frau und den Kindern auch am Kleinen Meer bei Emden. Zu seinem 100. Geburtstag hatten ihn seine Kinder und Enkel noch einmal dorthin ausgeführt und eine gemeinsame Bootsfahrt mit ihm unternommen.
Älteste Emderin ist eine 103-Jährige
In dem Naherholungsgebiet vor den Toren der Stadt fand Johannes Eilers auch den Ausgleich zu seinem Berufsleben. Mehr als 40 Jahre war er für das Schifffahrtsunternehmen Lehnkering & Co. in Emden tätig und erlebte die Blütezeit des Massengutumschlags im Hafen. „Ich habe die fetten Jahre noch mitgemacht“, sagte er einmal im Rückblick.
Johannes Eilers starb am 14. Mai im Klinikum Emden. Er war mit 101 Jahren zwar der älteste Emder, allerdings lebt in der Stadt noch eine Bewohnerin mit 103 Jahren. Insgesamt sind in Emden laut der Stadtverwaltung aktuell fünf Frauen und Männer gemeldet, die zwischen 100 und 103 Jahre alt sind.