Albtraum der Fahrer  Laster und Autos brannten in Ostfriesland – was ist da los?

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 23.05.2023 11:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Feuerwehr musste nah der Anschlussstelle Weener einen Laster löschen. Foto: Fäustel/Archiv
Die Feuerwehr musste nah der Anschlussstelle Weener einen Laster löschen. Foto: Fäustel/Archiv
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Plötzlich qualmt es, dann schlagen Flammen aus der Motorhaube: In Ostfriesland gab es in den vergangenen Wochen einige Fahrzeugbrände. Sind es mehr als normal?

Rheiderland - Es ist der Horror für jeden, der Auto oder Laster fährt: Ist das etwa Qualm – riecht es nach verbranntem Gummi? Nicht immer gibt es am Ende auch einen Brand. Nicht selten vermeldet die alarmierte Feuerwehr, dass es bei Qualm geblieben ist. Allerdings scheint es in letzter Zeit häufiger tatsächlich zu Flammen zu kommen: Insbesondere im Mai gab es mehrere Fälle von Fahrzeugbränden. Dabei geht es nicht um die Laster und Autos, die wegen eines Unfalls Feuer fangen, sondern um die, bei denen es aus heiterem Himmel so zu sein scheint.

Was und warum

Darum geht es: Laster oder Auto – derzeit scheinen häufiger Fahrzeuge in Flammen aufzugehen.

Vor allem interessant für: Verkehrsteilnehmer

Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, was Feuerwehr und Polizei dazu sagen.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Am 4. Mai hat in Klostermoor ein Auto Feuer gefangen und ist komplett ausgebrannt. Der Fahrer bemerkte, dass Rauch aus dem Armaturenbrett stieg, fuhr rechts ran und konnte seinen Wagen rechtzeitig verlassen. Nur einige Tage später, am 9. Mai, war es wieder so weit. Zwei Frauen hatten Glück im Unglück, als sie auf dem Rajen in Westrhauderfehn unterwegs waren. Auch sie bemerkten Qualm, die Fahrerin stoppte sofort und beide stiegen aus. Kurze Zeit darauf schlugen die Flammen schon aus dem Motorraum.

Großer Einsatz in Weener

Das Papier im Laster hatte ebenfalls Feuer gefangen. Foto: Fäustel/Archiv
Das Papier im Laster hatte ebenfalls Feuer gefangen. Foto: Fäustel/Archiv
Das war es noch nicht, denn nur einen Tag später, am 10. Mai, mussten Auf- und Abfahrt der A31-Anschlussstelle Weener gesperrt werden – wieder brannte ein Fahrzeug. Dieses Mal die Zugmaschine eines Sattelschleppers, der in Richtung Bottrop auf der Autobahn unterwegs gewesen war. Der Laster hatte Papier geladen, das ebenfalls Feuer fing. Auch der Lastwagenfahrer konnte sich retten und blieb unverletzt. Stundenlang dauerten die Löscharbeiten. Dieser Fall war schließlich der Anlass für die Frage: Wieso brennen so viele Fahrzeuge?

„Wir haben momentan keine Häufung von Fahrzeugbränden in Ostfriesland. Wenn es so ist, dass gegebenenfalls zwei, drei Fahrzeuge innerhalb weniger Tage brennen, ist es der Zufall, der mitspielt“, sagt Manuel Goldenstein, Sprecher des Feuerwehrverbands Ostfriesland. Sicherlich werde eine Meldung über Fahrzeugbrände stärker bemerkt, wenn es sich um außergewöhnliche Ereignisse handele, wie die Explosion eines Gastanks oder wenn Laster in Brand geraten mit einer brandfördernden Ladung.

Zahlen und spezielle Einsätze

Nicht nur die Meldungen über solche Einsätze blieben hängen, weil sie so besonders seien. Auch die Einsätze könnten speziell sein. Für die Feuerwehr seien Fahrzeugbrände immer wieder neu, denn die Lage des Fahrzeugs – Garage, Straße, Parkplatz – ergebe immer eine besondere Situation. „Fließender Straßenverkehr an der Einsatzstelle muss abgesichert werden, Passanten auf einem Parkplatz müssen zurückgehalten und auf umliegende Fahrzeuge muss geachtet werden, abgestellte Fahrzeuge in Garagen haben gegebenenfalls einen Gebäudebrand zur Folge“, zählt Goldenstein auf. Die Feuerwehren seien aber auf die besonderen Ereignisse und die wechselnden Lagen eingestellt. „Die eher seltener auftretenden Brände bei E-Fahrzeugen bieten durch die hohe elektrische Spannung eine besondere Lage, die jedoch durch die Einsatzkräfte ebenfalls gut beherrscht werden können“, sagt er.

Auf der Autobahn entdeckte der Fahrer den Rauch, konnte das Auto aber noch auf einen Parkplatz in Nortmoor lenken. Foto: Feuerwehr/Archiv
Auf der Autobahn entdeckte der Fahrer den Rauch, konnte das Auto aber noch auf einen Parkplatz in Nortmoor lenken. Foto: Feuerwehr/Archiv
Die Zahlen zu dem Thema liefert die Polizeiinspektion Leer/Emden: 2019 waren es in ihrem Bereich 18 Fahrzeuge, die brannten. 2020 sank die Zahl auf zwölf, 2021 waren es 15 und 2022 wieder weniger mit elf Fahrzeugen. Allein im Mai waren es in diesem Jahr drei, ein Blick in unser Zeitungs-Archiv zeigt, dass dies in diesem Jahr nicht die einzigen Fälle waren. Bereits am 2. Januar brannte ein Mercedes auf einem Parkplatz am Hermann-Lange-Ring in Leer, am 26. Februar brannte ein Auto mit Erdgas-Tank in Leer nahe des Ems-Parks aus, am 29. März gab es eine Explosion in einem Auto mit Gastank in Aurich. Der Fahrer erlitt Verbrennungen, nur einen Tag später brannte der Auflieger eines Lastwagens in Filsum nah der Anschlussstelle der A 28. Auf eben dieser Autobahn qualmte am 17. April ein Auto, der Fahrer bemerkte das aber früh, steuerte sein Auto noch auf einen Parkplatz in Nortmoor, wo es abbrannte. Am 7. April brannten zwei Autos unter einem Carport in Großwolde aus. Ergo: Ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit stellen zu wollen, ergibt diese Recherche für 2023 schon zehn Brände. Ganz so selten ist es nicht – also was tun, wenn es das eigene Fahrzeug trifft?

Viele Fälle gingen glimpflich aus

„Einen Leitfaden gibt es nicht, da jede Situation anders ist. Es gibt aber ein paar Hinweise“, so Manuel Goldenstein. Viele der Brände in diesem Jahr gingen glimpflich aus, weil die Fahrerinnen und Fahrer schnell reagierten und richtig. Wichtig sei es, wie in allen Notsituationen, Ruhe zu bewahren, um die Situation zu beherrschen und nicht von ihr beherrscht zu werden, sagt der Feuerwehrmann. „Während der Fahrt sollte das Fahrzeug möglichst auf den Seitenstreifen gelenkt werden und die Warnblinkanlage eingeschaltet und der Motor ausgeschaltet werden, wenn das möglich ist.“

Vor allem sollte man auf keinen Fall wieder in den giftigen Brandrauch gehen oder sich anderweitig gefährden: „Es hilft niemandem, wenn Opfer durch übermütige Handlungen zu verzeichnen sind“, so Goldenstein. Insassen helfen und am Fahrbahnrand betreuen, wenn möglich die Stelle absichern auf der Autobahn hinter der Leitplanke und den Notruf wählen, zählt er auf. Lasterfahrer und

-fahrerinnen sollten beim Notruf schon angeben, was sie geladen haben.

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