Notfälle in Ostfriesland  Engpässe in Rettungsdiensten treffen auf Engpässe in Kliniken

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 22.05.2023 18:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wohin geht die Reise für ostfriesische Notfall-Patienten mit dem Rettungsdienst, wenn ostfriesische Kliniken ihre Intensivstationen für die Notfallversorgung abgemeldet haben? Symbolfoto: Philipp von Ditfurth/dpa
Wohin geht die Reise für ostfriesische Notfall-Patienten mit dem Rettungsdienst, wenn ostfriesische Kliniken ihre Intensivstationen für die Notfallversorgung abgemeldet haben? Symbolfoto: Philipp von Ditfurth/dpa
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Ostfriesische Kliniken melden Intensivstationen für die Notfallversorgung ab. Dadurch müssen an Personalnot leidende Rettungsdienste weiter fahren. Wohin kommt man als ostfriesischer Notfall-Patient?

Ostfriesland - Dass fast alle Intensivstationen ostfriesischer Krankenhäuser gleichzeitig für die Notfallversorgung abgemeldet sind, war in der abgelaufenen Woche eher die Regel als die Ausnahme. Unsere Redaktion machte ab Dienstagabend Stichproben im niedersächsischen Ivena-Portal, in dem sich die ostfriesischen Rettungsdienste informieren, welche Kliniken sie in Notfällen mit Patienten aufsuchen können.

Das niedersächsische Ivena-Portal am 17. Mai um 19.29: Die Intensivstationen in Leer, Aurich und Wittmund sind für die Notfallversorgung abgemeldet. Screenshot: OZ
Das niedersächsische Ivena-Portal am 17. Mai um 19.29: Die Intensivstationen in Leer, Aurich und Wittmund sind für die Notfallversorgung abgemeldet. Screenshot: OZ

Gleich am Dienstag, gegen 20 Uhr, waren alle Intensivstationen – außer der des Klinikums Norden – für die Notfallversorgung abgemeldet. Am Mittwoch gegen 19.30 Uhr war die Lage exakt gleich – nur die Norder Intensivstation signalisierte Aufnahmebereitschaft bezüglich einer „Notfallversorgung“. Am Donnerstag gegen 20.30 Uhr war neben der Norder Intensivstation auch die des Wittmunder Krankenhauses aufnahmebereit – wie auch am Samstag gegen 22 Uhr. Am Freitag hatte unsere Redaktion nicht ins Ivena-Portal geschaut.

Umfrage unter ostfriesischen Rettungsdienstträgern und -betreibern

Ostfriesische Rettungsdienste hatten schon Ende des Jahres 2021 dargestellt, dass Fachbereichsabmeldungen ostfriesischer Krankenhäuser dazu führen, dass Notfälle in Kliniken außerhalb der Region gebracht werden müssen. Das bedeutet, dass Rettungsfahrzeuge und Sanitäter länger gebunden sind und nicht für neue Notfälle bereitstehen. Das verschärft die Engpässe bei den Lebensrettern. Denn die Personalnöte ostfriesischer Rettungsdienste sind derart groß, dass sie auf Überstunden und andere Mehrarbeit angewiesen sind und trotzdem Einsatzfahrzeuge abmelden müssen – weil sie nicht besetzt werden können.

Das niedersächsische Ivena-Portal am 17. Mai um 19.30: Die Intensivstation des Emder Krankenhauses ist für die Notfallversorgung abgemeldet. Screenshot: OZ
Das niedersächsische Ivena-Portal am 17. Mai um 19.30: Die Intensivstation des Emder Krankenhauses ist für die Notfallversorgung abgemeldet. Screenshot: OZ

In einer Umfrage unter ostfriesischen Rettungsdienstträgern und -betreibern wollte unsere Redaktion wissen: „Wie oft mussten Rettungsdienst-Fahrzeuge in diesem Jahr längere Fahrstrecken zu Kliniken zurücklegen, weil die nächstliegende ostfriesische Klinik den jeweiligen Fachbereich im Ivena-Portal abgemeldet hatte? Gibt es diesbezüglich eine Verbesserung oder Verschlechterung der Situation, wenn Sie den Zeitraum seit Herbst 2021 betrachten? Welche Kliniken außerhalb Ostfrieslands wurden angefahren?“

Gibt es Probleme, die mangels Statistik nicht erkennbar sind?

Der Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes im Landkreis Leer, Markus Wucherpfennig, antwortete: „Diese Frage kann nicht beantwortet werden, da keine Erfassung in dieser Fragestellung erfolgt.“ Die Kreisverwaltung Wittmund schrieb: „Eine Statistik hierzu wird nicht geführt.“ Und die Emder Stadtverwaltung teilte mit: „Ob und wie sich einzelne Abmeldungen auf die Hilfsfrist oder Wartezeit an einzelnen Tagen auswirkt, kann nicht ausgewertet werden.“

Mal abgesehen davon, dass es fraglich ist, ob es nur um „einzelne Abmeldungen“ von Klinik-Fachbereichen geht oder um regelmäßige Abmeldungen ... Wenn Daten, aus denen Probleme in der Notfallversorgung hervorgehen könnten, nicht einmal erhoben werden, dann kann das zur Folge haben, dass Probleme in der Notfallversorgung Ostfrieslands nicht erkannt werden.

Ostfriesische Sanitäter transportieren Patienten bis nach Bremen

Die Emder Stadtverwaltung als Rettungsdienstträger und -betreiber erläutert: „Die Rettungsdienste fahren die nächstgelegene geeignete Klinik an. Wenn dort die entsprechende Fachabteilung abgemeldet ist, wird die dann nächstgeeignete Klinik angefahren. Das führt gegebenenfalls zu einer längeren Einsatzdauer.“

Die Wittmunder Kreisverwaltung hat auch ohne Statistik erkannt: „Es kommt regelmäßig vor, dass Kliniken außerhalb des Landkreises Wittmund beziehungsweise auch außerhalb Ostfrieslands angefahren werden müssen. Es wurden unter anderem schon die Krankenhäuser in Wilhelmshaven, Sanderbusch, Brake, Oldenburg, Westerstede, Bremen oder auch Vechta angefahren. Zum einen liegt das an der Abmeldung der vor Ort befindlichen Kliniken, zum anderen ist dies aber auch dadurch begründet, dass Patienten aufgrund der erforderlichen Behandlung einer Fachklinik/Abteilung zuzuführen waren.“

Die Kreisverwaltung Leer als Rettungsdienstträger sowie die Kreisverwaltung Aurich als Rettungsdienstträger und -betreiber haben auf die Anfrage vom 11. Mai noch nicht geantwortet.

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