Digital total  Wie einen die Technik bremsen kann

Fabian Scherschel
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Eine Kolumne von Fabian Scherschel
| 23.05.2023 09:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fabian Scherschel
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Dienstags geht es hier immer um Digitales und Technik. Heute berichtet unser Kolumnist, wie ihn das digitale Fotografieren beeinflusst – und warum er schlechtere Bilder macht als früher.

Bei einer Unterhaltung mit einem anderen Fotografen landete das Gespräch neulich bei den Unterschieden von Film- und Digitalkameras. Wir unterhielten uns dann eine Weile darüber, wie viel einfacher, und vor allem billiger, das Fotografieren geworden ist, weil man keine Unmengen von Film mehr kaufen und entwickeln muss. Unser Fazit nach dem Gespräch war, dass digitales Fotografieren doch unglaublich praktisch und komfortabel ist.

Zur Person

Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.

Bei mir kommt es öfter vor, dass ich nach einem solchen Gespräch noch mehrmals über das Gesagte nachdenke und mir erst später klar wird, dass mir während der Diskussion ein paar wichtige Punkte durch die Lappen gegangen sind. Das war auch dieses Mal der Fall. Ich habe seit diesem Gespräch viel über die Unterschiede von Digital- und Film-Fotografie nachgedacht und dabei ist mir vor allem eines klar geworden: Seit ich digital fotografiere, mache ich schlechtere Fotos. Das liegt nicht daran, dass Film ein einzigartiges Medium ist, dessen technische Qualitäten man digital nicht reproduzieren kann. Es liegt vielmehr an der Art, wie ich digital fotografiere.

Die Kosten und der Aufwand beim Entwickeln, gekoppelt mit der stark limitierten Anzahl der möglichen Aufnahmen auf einer Filmrolle, haben früher dafür gesorgt, dass ich mir viel mehr Gedanken über jedes einzelne Bild gemacht habe. Jetzt knipse ich viel mehr drauf los. Ich habe dadurch jetzt viel mehr Fotos, fast alle davon sind aber schlechter als meine Aufnahmen auf Film von vor 20 Jahren.

Seit mir das klar geworden ist, versuche ich mich dazu zu zwingen, meine Digitalfotos mit genauso viel Mühe zu durchdenken, wie ich es damals mit meinen Aufnahmen auf Film getan habe. Das klappt aber nur bedingt. Man kann sich einen solchen Zwang, wie er einem das Medium des analogen Films damals ganz von alleine auferlegt hat, eben nur begrenzt selbst erzeugen. Vielleicht sollte ich ab jetzt neben meiner Digitalkamera auch mal wieder meine alte Kamera mitschleppen.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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