Kolumne „Alles Kultur“ Macht die Türen auch für Frauen auf!
Am Montag geht es an dieser Stelle immer um Kultur. Diesmal beschäftigt sich unsere Kolumnistin mit der Rolle der Männer in unserer Gesellschaft – und damit, welche Chancen sie sich in Altherrenclubs verbauen.
Ich schreibe heute über Männer – im weitesten Sinne. Ich gebe zu, dass ich keine Expertin bin, denn ich bin kein Mann und habe nie mit einem zusammengelebt. Ich schreibe also aus meiner weiblichen Perspektive. Männer sind mehr als das, was Herbert Grönemeyer über sie singt, sie sind das „starke Geschlecht“, das das Privileg hatte, über den größten Teil unserer Geschichte die großen Räder zu drehen. Sie waren lange die einzigen Entscheidungsträger in Kirche, Vereinen, Alumni-Netzwerken und saßen in Altherrenclubs. Sie sind Säulen, Stützpfeiler der Gesellschaft, auch wenn diese Säulen auch Stagnation, Zölibat und Mitgliederschwund bedeuten.
Zur Person
Annie Heger (40), geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Berlin lebend, singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin und war zehn Jahre lang Intendantin des „PLATTart“-Festivals.
Vieles hat sich verändert, gesellschaftliche Errungenschaften in der Gleichberechtigung und der Kampf gegen das Patriarchat tragen Früchte. An manchen Bäumen sind es jedoch erst kleine Knospen. So scheint dies die männliche, privilegierte Stellung anzugreifen – und ein Ego-Infarkt eines Mannes ist oft nicht weit.
Dann heißt es: „Haben wir schon immer so gemacht.“ Keine Sorge, die Freiheit, sich ausschließlich mit Gleichgesinnten zu treffen und zu umgeben, kann niemandem genommen werden, heißt aber nicht, dass die Entscheidung für diese Freiheit gut ist. Viel mehr sehe ich darin eine Zementierung tradierter Ungleichbehandlung.
Ich bin Rotarierin. Eine junge Frau in einem Club, der seine Türen lange vor Menschen wie mir verschlossen hat. Nach einem meiner ersten Vorträge stand ein Rotarier auf und sagte, ich sei eine Bedrohung für die rotarische Welt. Nun gut, er sah wohl das verschenkte Potenzial durch den Ausschluss anderer Geschlechter nicht und die Bereicherung durch das Geschenk der Vielfalt war ihm fremd. Aber wovor hatte er Angst? Warum hat mein reines Nicht-Mann-Sein für ihn eine Bedrohung dargestellt? Bis heute bin ich stolze Rotarierin, der Weg war nicht leicht.
Ich sage: Macht die Türen auf! Lüftet mal durch. Zukunft haben nur das Aufbrechen historisch gewachsener Ungleichbehandlung und die Sprengung von Geschlechtersystemen.
Kontakt: kolumne@zgo.de