8. CSD in Aurich 750 Menschen feiern die Stadt der Vielfalt
750 Teilnehmer beim Auricher CSD: Damit sind die Erwartungen von Hauptorganisatorin Melly Doden übertroffen worden. Zu ihrer Hochzeit im Juli erwartet sie einen ganz besonderen Gast.
Aurich - Rund 750 Menschen haben am Sonnabend in Aurich den 8. Christopher Street Day (CSD) gefeiert. Angeführt von der Auricher Cheerleader-Gruppe „Magic Dragons“ und der Hamburger Motorradgruppe „Dykes on Bikes“ (Lesben auf Motorrädern), zog die Parade mit zwei Trucks und Hunderten Fußgängern bei strahlendem Sonnenschein vom Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz bei der Sparkassen-Arena über Dreekamp, Oldersumer Straße und Pferdemarkt zum Rathaus. Dort gab es am Nachmittag eine Kundgebung mit Bühnenprogramm und Infoständen. Zu wummernden Techno-Klängen tanzten die Teilnehmer auf den Trucks, die mit Luftballons und Regenbogenfahnen geschmückt waren. Die Polizei begleitete den Umzug. Straßen wurden zwischenzeitlich gesperrt.
Die Teilnehmerzahl war höher als beim CSD 2022 und übertraf die Erwartungen von Hauptorganisatorin Melly Doden. Die 42-Jährige hatte sich 2014 einen Traum erfüllt und den CSD zum ersten Mal in ihre Heimatstadt Aurich geholt. Weltweit treten im Frühling und im Sommer Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle für Respekt, Akzeptanz und gegen Ausgrenzung ein. Der CSD erinnert an einen Aufstand von Homosexuellen gegen Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Juni 1969.
Feddermann und Meinen auf dem Truck
Auf einem der Trucks fuhren der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann und Landrat Olaf Meinen (beide parteilos) mit. Von den Technoklängen mussten sich ihre Ohren erst mal erholen, als sie beim Rathaus wieder festen Boden betraten. „Alle haben Spaß, alles super“, sagte Feddermann. Um die Musik gut zu finden, müsste er aber erst zehn Bier trinken, scherzte der 58-Jährige.
Das Motto des CSD lautete diesmal „Stark durch unsere Gemeinsamkeiten, stärker durch unsere Vielfalt“. Patrick Hoffmann vom Orgateam erläuterte das Motto: „Wir zelebrieren die Vielfalt des Lebens und die Vielfalt der Liebe.“ Akzeptanz und Gleichstellung queeren Lebens und Liebens seien noch nicht erreicht. „Manche Menschen haben Angst vor dem, was ihnen fremd ist, oder hassen es sogar. Sie sehen Unterschiede nicht als Vielfalt, sondern als unerwünscht. Diese Menschen dürfen nicht die Mehrheit sein.“
„Vielfalt macht Aurich lebenswert“
„Aurich ist eine Stadt der Vielfalt“, sagte Schirmherrin Sandra Grau, städtische Fachbereichsleiterin für Soziales. „Das habt ihr, das haben wir heute gezeigt. Vielfalt macht Aurich lebenswert.“ Dann rührte Grau Hauptorganisatorin Doden zu Tränen. Sie erinnerte an die Anfänge. Als sie, Grau, 2014 aus Trier zurück nach Aurich gekommen sei, habe sie Melly Doden und Heike Eiben kennengelernt, die heutige Vorsitzende des Vereins Ulrichs. „Als wir uns das erste Mal trafen, war deutlich zu spüren, wie ihr für euer Anliegen brennt.“ Sie seien die Ersten gewesen, die im Frühjahr 2015 – noch vor der offiziellen Eröffnung – ins Familienzentrum einzogen. „Mit dem Ulrichs-Café und der Jugendgruppe habt ihr zu einem bunten, toleranten und vielfältigen Geist des Hauses beigetragen“, so Grau. Melly Doden sagte unter Tränen: „Sandra, danke für all die Jahre, die du an unserer Seite gestanden hast.“
Landrat Meinen wies auf die Regenbogenfahnen auf dem Rathaus und dem Kreishaus hin: „Aurich sendet ein großes Signal in die Region.“ Und dann plauderte der 55-Jährige aus dem Nähkästchen: Im vergangenen Jahr hätten er und seine Frau beim CSD leider früher weggemusst und Melly Dodens Heiratsantrag auf der Bühne verpasst. Dafür seien sie bei der Eheschließung im Juli dabei. Ob Doden es toll findet, dass Meinen öffentlich ihr Hochzeitsdatum genannt hat? Die 42-Jährige sieht es entspannt: „Für alle uneingeladenen Gäste zahlt er.“
Zu den Besuchern des CSD Aurich gehörten auch die Orgateams des CSD Leer und des CSD Emden. In Emden findet der CSD in diesem Jahr zum ersten Mal statt, am 1. Juli. In der Seehafenstadt kursierten in den vergangenen Tagen Gerüchte, dass der CSD ausfalle. Auf Instagram treten die Emder Organisatoren dem mit folgendem Satz entgegen: „Trinkt lieber Tee und verbreitet keine Fake News.“