Osnabrück Abschiebung trotz Ausbildungsplatz: Experten kritisieren „Überlastung der Botschaften“
Manzura Dzhumageldieva aus Tadschikistan kam im März 2022 aus der Ukraine nach Deutschland. Weil sie zuvor noch nicht lange genug in Charkiw gelebt hat, soll die junge Frau jetzt zurück in ihre Heimat – und das trotz eines Ausbildungsplatzes.
Für Souad Lamroubal, Kommunalbeamtin und Autorin des Buches „Yallah Deutschland, wir müssen reden!“, ist der Fall Manzura Dzhumageldieva traurig, aber kein Einzelfall. „Ich finde das fatal. Es darf keine Rolle spielen, welchen Pass Menschen haben, die vor Krieg flüchten. Dass wir da selektieren, zeigt nochmal unsere allgemeine Haltung zum Thema Migration. Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen“, sagte sie in unserem Expertentalk zum Thema „Hilft mehr Zuwanderung gegen den Fachkräftemangel?“.
Manzura ist zwar legal in die Ukraine eingereist, einen gesicherten Aufenthaltsstatus hatte sie aber noch nicht. Deshalb wurde sie von den Behörden in Flensburg aufgefordert, Deutschland bis Sonntag zu verlassen – ansonsten droht ihr die Abschiebung. Daran ändert auch ein Ausbildungsplatz in einer HNO-Praxis in Kappeln nichts.
Der komplette Expertentalk zum Nachschauen:
„Das ist ein krasses Beispiel für die Überlastung der Botschaften und Konsulate“, sagt Professor Matthias Lücke, Senior Researcher am Kieler Institut für Weltwirtschaft. Es ergebe keinen Sinn, dass Manzura extra nach Duschanbe müsse, um ein Visum zu beantragen. Das sollte auch bei einer Ausländerbehörde in Schleswig-Flensburg möglich sein. „Ich glaube es gibt noch mehr Beispiele, die eine Überforderung der Behörden sehr gut aufzeigen“, sagt Lücke.
Bis zum Beginn des Krieges hat Manzura in Charkiw als Näherin in einer Textilfabrik gearbeitet. Die damals 19-Jährige war erst ein halbes Jahr vor Kriegsbeginn in der Ukraine angekommen. Das ist nun ihr Problem. Wer mit einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis in der Ukraine gelebt hat, ohne die ukrainische Staatsbürgerschaft zu besitzen, darf in Deutschland bleiben. Auch Manzuras Onkel und ihr Cousin, die gemeinsam mit ihr geflohen sind, haben in Deutschland längst eine Arbeitserlaubnis, sagt sie.
Sie könne Asyl beantragen, aber nur im deutschen Konsulat in Duschanbe, der Hauptstadt Tadschikistans. Die Bearbeitungszeit des Antrags beträgt nach Angaben der Behörde mindestens vier Monate. Ein Ausbildungsstart im August ist damit quasi unmöglich.