Einsatzzeiten im Rettungsdienst Wie viele Rettungswachen braucht der Landkreis Leer?
Die CDU im Kreistag fordert neue Einsatzstellen für den Rettungsdienst in Moormerland und Westoverledingen. Die Verwaltung will sich da nicht festlegen.
Leer - Bei einem Unfall oder einem Herzinfarkt ist schnelle Hilfe gefragt. Innerhalb von 15 Minuten soll spätestens ein Rettungswagen mit Notarzt vor Ort sein. Im Landkreis Leer wird immer wieder darüber diskutiert, ob die bestehende Versorgung ausreichend ist, um das zu gewährleisten. Die CDU hält weitere Rettungswachen in Moormerland und Westoverledingen für notwendig.
Was und warum
Darum geht es: Der Landkreis Leer hat ein Gutachten zur Rettungsdienstversorgung in Auftrag gegeben. Schon jetzt fordert die CDU zwei neue Rettungswachen.
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Deshalb berichten wir: Über den Antrag der CDU wurde im Ausschuss beraten. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
Die Fraktion beruft sich dabei auf den ärztlichen Direktor des Rettungsdienstes, Dr. Hans-Jürgen Wietoska. Dieser habe die Standorte für sinnvoll erachtet, sagte Fraktionsmitglied Güntjer Lüken in der Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz, Rettungswesen und Katastrophenschutz. Die anderen Fraktionen sowie die Verwaltung sind davon offensichtlich nicht überzeugt.
Gutachten wird nun erweitert
Der Landkreis Leer hat bereits für die Bedarfsplanung des Rettungsdienstes ein Gutachten in Auftrag gegeben. Wie Kreisrätin Ute Buntrock berichtete, untersucht eine Firma die Situation des Rettungsdienstes und mögliche Verbesserungen. Dazu gehört, dass die „bedarfsgerechten Fahrzeugvorhaltezeiten für die Notfallrettung, den Notarzt, den Notfall-KTW und den qualifizierten Krankentransport“ ermittelt werden. Das bedeutet: Es wird unter anderem untersucht, ob die vorhandenen Standorte der Rettungswachen und Fahrzeuge ausreichen, die geforderten 15 Minuten Einsatzzeit einzuhalten.
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Den Antrag der CDU hat die Verwaltung offenbar als Anstoß genommen, die Aufgaben für den Gutachter zu erweitern. Nun sollen Buntrock zufolge rechnerisch die Fahr-und Eintreffzeiten und somit die Bedienungsgüte für alle Gemeinden im Landkreis simuliert werden. Den Antrag der CDU, wie er dem Ausschuss vorliegt, kommentierte sie mit: „So kann man da nicht rangehen.“ Es dürften nicht zwei Gemeinden gesondert untersucht werden, sondern das Kreisgebiet als solches.
Gerettet wird über Kreisgrenze hinweg
Zur Aufgabenstellung für das Gutachten gehört demnach auch, wie weit Rettungskräfte aus anderen Landkreisen entfernt sind. Diese können im Zweifel einen Notfallort schneller erreichen als die „eigenen“ Sanitäter des DRK-Kreisverbands Leer. Dieser nimmt die Aufgaben im Rettungsdienst wahr. Rettungswachen gibt es aktuell in Leer, Bunde, Weener, Hesel und Rhauderfehn sowie auf Borkum. Der Gutachter werde eine umfassende Standortanalyse erstellen, sagt Buntrock – im Zusammenhang mit der gesamten Untersuchung für die Bedarfsplanung. Die Kreisrätin geht davon aus, dass das gesamte Gutachten noch in diesem Jahr fertig wird.
Claus Garrels (Fraktion Moin) wollte sich damit nicht zufrieden geben, sondern richtete an die CDU die Frage, warum ausgerechnet Moormerland und Westoverledingen ins Spiel gebracht wurden. „Wie kommt es zu diesen Standorten? Es könnten doch genauso gut irgendwelche anderen sein“, insistierte er. Während Günther Lüken sich erneut auf Aussagen des ärztlichen Leiters berief, wurde Johann Duis, ebenfalls CDU-Mitglied, als Ausschussvorsitzender deutlicher. „Die Antragssteller sind heute nicht da“, erklärte er. Es seien „einer aus Moormerland und einer aus Westoverledingen“.
Es gibt eine größere Baustelle
Gar nicht zur Sprache kam dabei, dass der Landkreis Leer und sein Auftragnehmer DRK beim Rettungsdienst vorrangig erst eine größere und wichtigere Aufgabe lösen müssen: den Bau der neuen Rettungswache in Leer. Über diese wird seit einem Jahrzehnt verhandelt. Das DRK hatte dafür zwischenzeitlich sogar ein Gebäude in der Nähe des Emsparks gekauft, aber die Kostenträger (die niedersächsischen Krankenkassen) zogen dabei nicht mit.
Im Dezember 2021 schien endlich die Lösung gekommen: Die Rettungswache samt Fahrzeughalle soll nun in einen Neubau einziehen, den das Klinikum Leer plant. Die Planung dafür ist fertig und mit den Kostenträgern abgestimmt, aber offenbar hakt es wie zuvor an den Finanzen: Landkreissprecher Philipp Koenen teilt aktuell dazu mit: „Es müssen noch Fragen zu den Kosten geklärt werden, diese Klärung erfolgt derzeit.“ Für den Rettungsdienst des DRK ist die Lage prekär, denn die jetzigen Räume sind viel zu klein, veraltet und sanierungsbedürftig.