Erneuerbare Energien Rheiderland soll neue Wind- und Solarparks bekommen
In dem kleinen Örtchen Nendorp sitzt die Firma ProEngeno. Der Ökostromanbieter will im Rheiderland kräftig in den Ausbau von Wind- und Solarparks investieren – und davon kann jedermann profitieren.
Nendorp - Seit 25 Jahren hat sich der Ökostrom- und Gasanbieter ProEngeno aus Nendorp (Gemeinde Jemgum) einen Namen gemacht. Die durch den Ukraine-Krieg bedingte Energiekrise hat das Unternehmen zwar überstanden, von dem fossilen Brennstoff will man sich dennoch lieber verabschieden. Gas gibt ProEngeno aber trotzdem. Im übertragenen Sinne. Die Gesellschaft will den Ausbau von Wind- und Solarparks im Rheiderland weiterentwickeln.
Was und warum
Darum geht es: Der Ökostromvermarkter ProEngeno aus Nendorp plant den Bau von Freiland-Photovoltaikanlagen und Windparks im Rheiderland.
Vor allem interessant für: alle, die sich für Klimaschutz und Ökostrom interessieren
Deshalb berichten wir: Das Unternehmen hatte eingeladen, um seine Planung vorzustellen. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
„Wir wollen drei Windkraftprojekte realisieren“, berichtet Gerold Hagena, der bei ProEngeno vor zwei Jahren die Geschäftsführung von Martin Refle übernommen hat. Wo genau im Rheiderland die Bürgerwindparks entstehen sollen, wollte Hagena noch nicht verraten. Geplant sind im Rheiderland auch drei Freiland-Photovoltaikparks. „Unter anderem an der A 31.“ Auf einer stillgelegten Kieskuhle soll außerdem eine Photovoltaikanlage auf dem Wasser gebaut werden, eine sogenannte Floating-Anlage. „Die Leistung von zehn Megawatt reicht für die Versorgung von 15.000 Haushalten.“
Windpark mit Bürgerbeteiligung
Bei den Windparkprojekten ist sogar eine Bürgerbeteiligung geplant. Denn der soziale Gedanke gehört seit der Firmengründung zur Geschäftsphilosophie. Refle gehört zu den Männern der ersten Stunde des Unternehmens. Das ging 2001 unter der Firmierung „Die Strommixer“ an den Start. Entstanden ist die Idee zur Gründung des Unternehmens vor über 20 Jahren, als der Klimawandel noch kein großes Thema war. Ein kirchlicher Arbeitskreis in der Gemeinde Jemgum hatte damals gemeinsam mit Gewerkschaftern die Idee, regenerative Energien zu fördern. 2013 wurde eine Genossenschaft gegründet. Mit Anteilen ab 50 Euro können sich Menschen beteiligen und helfen, den Ausbau von Anlagen zur Gewinnung von Ökostrom auszubauen. „Mittlerweile hat unsere Genossenschaft 600 Mitglieder“, berichtet Martin Refle, der seit 30 Jahren im Energiegeschäft ist.
Im vergangenen Jahr war das Unternehmen allerdings bei langjährigen Kunden stark in die Kritik geraten, als ihnen unvermittelt die Kündigung ihrer vermeintlich unbefristeten Gasverträge ins Haus flatterten. Kunden wurden zum sogenannten Grundversorger abgeschoben – zu deutlich schlechteren Konditionen, wie die Kunden verärgert feststellen mussten. „Viele Versorger mussten in der Energiekrise aufgeben“, macht Gerold Hagena deutlich. Der Ausstieg aus dem Gasmarkt sei für ProEngeno ein Chance gewesen das Unternehmen wieder zu stabilisieren.
In den Jahren wurden insgesamt 15 Windkraft- und Solarprojekte realisiert. „Und wir werden weiter wachsen“, sagt der Jemgumer. Das Unternehmen beschäftige mittlerweile 15 Mitarbeiter versorge inzwischen bundesweit 12- bis 15.000 Kunden mit Energie. ProEngeno ist aber nicht nur Stromhändler, sondern auch Dienstleister für Energieversorger. „50 solcher Kunden wie verschiedene Stadtwerke werden jeden Monat über uns abgerechnet“, erzählt Refle weiter. Die IT-Abteilung hat ein eigenes Abrechnungssystem entwickelt, um selbst unabhängig zu werden.
Innovatives Projekt
Das wohl innovativste Projekt die Entwicklung einer Biogas-Kläranlage. Die Planung läuft seit 2015. Mitentwickelt wurde die Technik von dem Oldenburger Ingenieur Uwe Peters. Eigens dafür gegründet wurde dafür die Biolarum GmbH, an der ProEngeno maßgeblich beteiligt ist. Die Anlage hat die Größe von zwei Überseecontainern und wird, vereinfacht gesagt, mit Gülle „gefüttert“. Unterschiedliche Bakterien reinigen flüssige und feste Bestandteile. Das geklärte Abwasser kann in Gewässer abgeleitet werden, die festen Bestandteile können Landwirte als Dünger verwenden. Als Nebenprodukt der Anlage entsteht Biogas. Die daraus gewonnene Energie kann ins Netz eingespeist werden. „In zwei Monaten wird die Anlage hochgefahren und dann beginnt die Forschungsphase“, so Biolarum-Geschäftsführer Refle.
Der Jemgumer ist fest vom Erfolg der Anlage überzeugt. Die könnte später einmal für kommunale Klärwirtschaft eine große Bedeutung bekommen. Vor allem für stark landwirtschaftliche Regionen könnten könnten solchen Anlagen ein Riesenfortschritt werden. Bei Fördergeldgebern stießen die Planer aber bislang auf große Skepsis. „Unser Projekt wurde als nicht förderungswürdig betrachtet“, so Refle. Die Investition in Entwicklung und Bau der Anlage habe 1,8 Millionen verschlungen. „Wir haben das nur mit Risikokapital aus unserer eigenen Belegschaft und anderen Financiers geschafft“, sagt er und ist überzeugt: „Unsere alte Vision lebt. Wir stehen kurz vor dem Durchbruch.“