Kolumne „Intern“  Presserat prüft Privatsphäre von Matthias Döpfner und Verrat an Julian Reichelt

Joachim Braun
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Eine Kolumne von Joachim Braun
| 19.05.2023 07:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Die Schlammschlacht zwischen Springer-Chef Mathias Döpfner und dem ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt wird inzwischen öffentlich ausgetragen. Ist das in Ordnung? Der Presserat soll prüfen.

Zwei interessante Verfahren hat der Deutsche Presserat diese Woche angekündigt. In einem Fall geht es um die Wochenzeitung „Die Zeit“. Sie veröffentlichte vor einigen Wochen einen Artikel über Mathias Döpfner, Chef des größten deutschen Medienkonzerns Axel Springer. In dem viel zitierten Text ging es um interne Chats und WhatsApp-Nachrichten, in denen sich Döpfner unter anderem sehr abfällig über Ostdeutsche äußerte und der ihm unterstellten Bild-Zeitung vor der Bundestagswahl „empfahl“, die FDP nach oben zu schreiben. Durchgestochen hatte die Nachrichten vermutlich der voriges Jahr gefeuerte Bild-Chefredakteur Julian Reichelt oder ein ihm nahestehender Mensch.

Zur Person

Joachim Braun (57) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“ gewählt.

Der Presserat muss nun über die Frage urteilen, ob die Chats als „privat“ einzustufen sind und nicht hätten veröffentlicht werden dürfen oder ob die Privatsphäre beim mächtigsten deutschen Medienmanager nicht so weit reicht, sondern hinter dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit zurückzustehen hat. Eine spannende Frage: Ich denke, Döpfners Einschätzungen sind zu folgenreich, um privat zu sein.

Auch das zweite Verfahren betrifft die Causa Döpfner-Reichelt. Offenbar hat der ehemalige Bild-Chef versucht, vertrauliche Informationen bei der Berliner Zeitung zu platzieren. Dessen Verleger, der Software-Unternehmer Holger Friedrich, war nicht interessiert und vernichtete die Unterlagen. So weit so gut.

Was er dann machte, wird in der Branche als Dammbruch bewertet. Friedrich rief bei Döpfner an und informierte diesen über die Indiskretionen. Damit missachtete er ein Grundprinzip des Journalismus, den Informantenschutz. Ohne den, ohne das Vertrauen von Hinweisgebern, dass sie von uns nicht verraten werden, ist unsere Arbeit nicht denkbar. Deshalb haben Journalisten vor Gericht sogar ein Zeugnisverweigerungsrecht. Der Presserat wird Friedrich hoffentlich öffentlich verwarnen. Springer hat Julian Reichelt übrigens verklagt. Grundsätzlich hat der unmögliche Reichelt Mitleid nicht verdient.

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