Hamburg  Früher Zeitungsausträger, dann Youtuber: Die Erfolgsgeschichte von Freshtorge

Laura-Cäcilia Wolfert
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Von Laura-Cäcilia Wolfert
| 13.05.2023 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Torge Oelrich in einer seiner 21 Rollen, Hardstyle-Hanna. Zu sehen in der ZDF-Comedy-Datingshow „Einsame Herzen“. Foto: Einsame Herzen/ ZDF /Ben Knabe.
Torge Oelrich in einer seiner 21 Rollen, Hardstyle-Hanna. Zu sehen in der ZDF-Comedy-Datingshow „Einsame Herzen“. Foto: Einsame Herzen/ ZDF /Ben Knabe.
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Torge Oelrich aka Freshtorge zählt zu den ersten und bekanntesten Youtubern Deutschlands. Der Comedian erzählt, warum er damals seine Eltern überzeugen musste, Geld zu verdienen – und was sein Name mit Dumbledore zu tun hat.

Mit aktuell 3,69 Millionen Abonnenten zählt der Youtube-Kanal „Freshtorge“ von Comedian Torge Oelrich zu den erfolgreichsten deutschen Comedy-Angeboten im Netz.  Für seine Clips schlüpft er in verschiedene Figuren. Unter anderem in die des kinderhassenden Ehepaars Helga und Marianne oder der geistig zurückgebliebenen Sandra.

Der heute 34-Jährige aus Wesselburen (Kreis Dithmarschen, Schleswig Holstein) beginnt bereits 2006 mit Youtube. Damit ist er ein Vorreiter, vor allem in Deutschland. Zur zeitlichen Einordnung: Das erste Youtube-Video erscheint am 23. April 2005, hochgeladen von Gründer Jawed Karim.

Heute bedient Freshtorge nicht nur die Social-Media-Plattform Youtube, sondern auch Tiktok (1,7 Millionen Follower) und Instagram (732.000 Follower). Zudem ist er bald in der neuen Datingshow-Satire „Einsame Herzen“ zu sehen. Dabei schlüpft der Comedian in die Rolle von 21 Singles und macht sich auf die Suche nach der großen Liebe. 

Wie viele Staffeln „Bauer sucht Frau“ er wohl dafür anschauen musste? Oelrich erzählt von seiner Arbeit und wie sich diese in den vergangenen Jahren verändert hat.

Frage: Torge Oelrich, man könnte sagen: Sie haben Youtube gemacht, bevor es Youtube überhaupt so richtig gab. Nehmen Sie uns mit auf eine Zeitreise, wie war das damals?

Antwort: Das war sehr spannend und sehr neu. Ich habe Youtube nur durch Zufall entdeckt, weil ich auf Partys oft mit meiner Kamera – beziehungsweise mit der Kamera meiner Eltern – gefilmt habe. Ich brauchte aber irgendetwas, um denen die Videos zu schicken. Dann habe ich Youtube entdeckt und gemerkt, dass sich diese Videos 400 Leute angesehen haben. Mich hat das gewundert, so viele Freunde hatte ich schließlich gar nicht.

Frage: Was hat Ihr Name „Freshtorge“ mit Dumbledore zu tun?

Antwort: Als ich meinen Youtube-Kanal gegründet habe, brauchte ich einen Namen. Währenddessen habe ich mit meinem Kumpel Martin über ICQ gechattet: „Martin, mach mal einen Vorschlag – mir fällt nichts ein!“

Antwort: Wir haben immer Coldmirror (Anm. d. Red.: Ebenfalls eine langjährige Youtuberin) und ihre Harry-Potter-Verarsche mit „Fresh Dumbledore“ abgefeiert. Deswegen meinte er dann: „Nenne dich doch Freshtorge!“ So ist der Name entstanden.

Frage: Hat Coldmirror darauf reagiert?

Antwort: 2006 habe ich mit Youtube angefangen, circa ein Jahr später habe ich mir ein Postfach für Fanpost einrichten lassen. Wochenlang hat da keiner hingeschrieben. Die Erste, die mir dann einen Fanbrief geschickt hat, war Coldmirror. Weil ich ihr damals selbst eine E-Mail geschickt hatte – wie toll ich sie finde und wie inspirierend ihre Arbeit ist. In ihren Brief hat sie eine Zeichnung von Fresh Dumbledore gelegt. 

Frage: Wir wollen die Coldmirror-Zeichnung von Fresh Dumbledore sehen!

Antwort: Die habe ich leider nicht mehr. Die ist irgendwann verschwunden. Ich würde sie mir sonst direkt irgendwo aufhängen.

Hier sehen Sie Freshtorge mit Tiktokerin Jovana – Celin:

Frage: Früher haben Sie Youtube aus Spaß gemacht, heute verdienen Sie damit Geld. Inwiefern hat das Ihren Humor und Ihr Dasein als Comedian verändert?

Antwort: Ich habe dadurch nur Vorteile genossen, weil ich viel mehr Möglichkeiten hatte. Ich war zu dem Zeitpunkt noch in der Ausbildung, habe mittwochs sogar noch Zeitung ausgetragen – für knapp 50 Euro im Monat. Da meinte ich zu meinen Eltern: Wenn ich diesen Job irgendwann an den Nagel hängen kann, weil ich mein Geld mit Youtube verdiene – dann wäre das schon ganz geil.

Frage: Und ... das hat gekappt?

Antwort: Ja, ich habe mich für das Monetarisierungsprogramm von Youtube beworben und wurde zugelassen. Aber erst, wenn man 70 Dollar (Anm. d. Red. Umgerechnet 62 Euro) pro Monat verdient hatte, wurde man von Youtube ausgezahlt – das hat Monate gedauert! Irgendwann war das Geld da und ich konnte meinen Job als Zeitungsausträger kündigen. Ich hatte durch den Verdienst mehr Zeit und konnte mir besseres Equipment kaufen. Damals gab es sogar noch Gutscheine von Youtube, circa im Wert von 500 Euro – dafür konnte man sich in einem Shop eine gute Kamera oder einen Greenscreen kaufen. Zu dieser Zeit wurde man noch richtig unterstützt. 

Frage: Wann haben Sie begriffen, dass man mit Youtube Geld verdienen kann – mehr als beim Austragen von Zeitungen?

Antwort: Es war über Jahre vielen nicht klar, dass man damit Geld verdienen kann – selbst heute ist das nicht jedem bewusst. Bei mir fing das an, als ich die Einladung für dieses Partnerprogramm bekommen habe. Damals hat Youtube noch bewusst Leute angeschrieben, die Inhalte produzieren – davon gab es nämlich nicht so viele: Coldmirror, Y-Titti, Sami Slimani, die Außenseiter und wenige andere.

Frage: ... und Sie?

Antwort: Um da mitzumachen, musste ich meine Eltern überzeugen. Erzähl als 16-Jähriger aber mal deinem Papa, dass ein Unternehmen mit Finanzsitz in Irland deine Kontodaten braucht, um dir Geld zu überweisen. Zudem stand in dem Partnerprogramm alles auf Englisch. Mein Vater hat natürlich gelacht und gemeint: „Mit dem Scheiß willst du jetzt Geld verdienen? Du gibst deine Kontodaten nirgendwo an!“ Nach ein paar Gesprächen haben sich meine Eltern aber darauf eingelassen. So wirklich verstanden haben die das trotzdem erst, als das erste Geld auf dem Konto war. 

Hier sehen Sie Freshtorge auf Tiktok:

Frage: In Ihrer neuen Show „Einsame Herzen“ spielen Sie ganze 21 Rollen. Keine Angst, irgendwann an einer Identitätsstörung zu leiden?

Antwort: Ne, zum Glück nicht. Weil ich regelmäßig in verschiedene Rollen schlüpfe, bekomme ich die Frage aber oft gestellt. Für „Einsame Herzen“ habe ich bis zu fünf verschiedene Figuren an einem Tag gespielt, beziehungsweise aufgezeichnet. Da hilft mir das Kostüm und die Perücke wirklich sehr. Sobald ich diese Sachen anhabe, kann ich mich in die Figuren besser hineinversetzen. Wenn ich sie wieder ausziehe und meine normalen Klamotten trage, bin ich zum Glück wieder Torge.

Frage: Wie viele Datingshows haben Sie sich für „Einsame Herzen“ angeschaut?

Antwort: Tatsächlich keine, zumindest nicht bewusst. Ich kenne diese Datingshows und weiß, was da Sache ist. Das Dating ist eigentlich nur ein Rahmen von „Einsame Herzen“, um diese verrückten Figuren vorzustellen. Deswegen musste ich nicht nochmal „Bauer sucht Frau“ Staffel 1 bis 16 anschauen. Zum Glück.

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