Neues Wohngebiet in Leer Bei der Lebenshilfe lebt es sich bald deutlich besser
Im neuen Wohngebiet an der Groninger Straße in Leer wird die Lebenshilfe ein Gebäude mit 21 Wohnungen beziehen. Damit dürften sich die Bedingungen für die Bewohner deutlich verbessern.
Leer - Die Lebenshilfe kann das ehemalige Wohnheim 1 vom Gewerbegebiet Am Emsdeich in das neue Wohngebiet an der Groninger Straße verlagern, sobald da die entsprechenden Gebäude fertiggestellt sind. Nach Auskunft des Geschäftsführers des Investors Terfehr Projektentwicklung, Johannes Kirchner, könnte das 2025 oder 2026 der Fall sein. Statt des vor 45 Jahren in Betrieb genommenen Gebäudes mit Doppelzimmern und Etagenbädern soll eines mit 19 Einzelappartements und zwei Wohnungen für zwei Personen entstehen.
Was und warum
Darum geht es: Die Investoren für das neue Wohngebiet an der Groninger Straße hatten gehofft, durch ein Gebäude für die Lebenshilfe, die Forderung nach 25 Prozent Sozialen Wohnungsbau im Quartier aufweichen zu können. Daraus wird nichts.
Vor allem interessant für: alle, die ein Auge auf ein Haus oder eine Wohnung in dem Wohngebiet an der Groninger Straße geworfen haben
Deshalb berichten wir: In Leer ist nach wie vor der Wohnraum knapp. Entsprechend groß ist das Interesse an neuen Wohngebieten. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Der Stadtentwicklungsausschuss hat in seiner Sitzung am Dienstag sein Einverständnis gegeben – das aber nur, weil Terfehr nachgearbeitet hatte. Knackpunkt war die Forderung der Leeraner Politik, dass in neuen Baugebieten mindestens ein Viertel der Wohnungen als Sozialer Wohnungsbau gebaut wird. Der Investor hatte zunächst gehofft, dass die Ausschussmitglieder das Lebenshilfe-Gebäude als Ersatz für Sozialen Wohnungsbau akzeptieren würden.
Nachverhandlungen waren nötig
Das taten sie aber mehrheitlich nicht, so dass Stadtverwaltung und Terfehr nachverhandeln mussten. Das Ergebnis: Neben den 21 Wohnungen für die Lebenshilfe entstehen in einem zweiten Gebäude 18 kleinere Wohnungen im Sozialen Wohnungsbau. Sie werden ein Fläche von 50 bis 60 Quadratmetern haben.
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Für die Lebenshilfe ist die Entscheidung eine gute Nachricht. Am alten Standort sei eine selbstverständliche Begegnung mit anderen Menschen kaum möglich. Für beinahe alle Belange des täglichen Lebens seien die Bewohner auf einen Transport mit einem Auto angewiesen, hatte Bereichsleiterin Dr. Anke Hartwig an die Stadt geschrieben.
Weniger Stellplätze gefordert
Für die beiden Gebäude – das Lebenshilfe-Gebäude und das mit dem Sozialen Wohnungsbau – wird von der Stellplatzsatzung abgewichen. Die hätte für jede der Wohnungen in den Mehrfamilienhäusern anderthalb Auto-Stellplätze verlangt. Bis auf weiteres wird aber nur ein Stellplatz pro Wohnung verlangt. Das wird damit begründet, dass insbesondere in dem Lebenshilfe-Gebäude nicht jeder Bewohner ein Auto haben wird.
Hinzu kommt, dass Terfehr außerdem ein Car-Sharing-Angebot geplant hat. Die Firma Cambio, die in Leer schon drei weitere Standorte unterhält, habe sich bereit erklärt, zwei Autos in dem neuen Wohngebiet zu platzieren, berichtete Kirchner. Das Besondere: Es werden E-Autos sein. Weil es Zeit brauche, bis ein neuer Standort angenommen werden, verlange Cambio, dass für drei bis fünf Jahre ein Mindestumsatz garantiert werde. Werde der nicht erreicht, müsste dem Unternehmen die Differenz erstattet werden.
Investor garantiert Mindestumsatz
Ähnlich war das auch beim Standort am Rathaus gewesen. Da wäre die Stadt eingesprungen, wenn der Umsatz nicht erreicht worden wäre. An der Groninger Straße würde es Terfehr Projektentwicklung machen – und das gerne, wie Kirchner betonte: „Wir glauben daran, dass sich die Mobilität verändert.“ Das Angebot im neuen Quartier könnte Familien veranlassen, auf ein Zweitauto zu verzichten und überhaupt erst einmal ein E-Auto auszuprobieren.
Sollte sich wider Erwarten herausstellen, dass das Car-Sharing im Wohngebiet an der Groninger Straße nicht rentabel ist, werde Cambio den Standort wohl wieder auflösen, sagte Kirchner auf Nachfrage aus dem Ausschuss. Für Terfehr Projektentwicklung hätte das Folgen: Dann müssten wieder für jede Wohnung in den beiden Gebäuden anderthalb Stellplätze zur Verfügung gestellt werden. Das hat der Stadtentwicklungsausschuss ausdrücklich so verlangt.
Das Wohngebiet an der Groninger Straße soll ein Vorzeige-Quartier werden: mit einer Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe, also mit Wärmepumpen, mit Photovoltaik auf den Dächern, mit hochwertigen Dämmungen und mit Wallboxen zum Aufladen von E-Autos an den Häusern. Insgesamt sollen 120 bis 130 Wohneinheiten entstehen – in Mehrfamilienhäusern, Doppelhäusern und Einfamilienhäusern.