Wandel der Arbeitswelt Wird KI zur großen Chance oder zum Jobkiller?
Durch künstliche Intelligenz könnten viele Jobs wegfallen, befürchten die einen. Gleichzeitig könnten neue Arbeitsplätze entstehen, sagen andere. Was stimmt?
Ostfriesland/Essen - Spätestens seit das US-Unternehmen OpenAI im November 2022 seinen Textroboter ChatGPT veröffentlicht hat, ist das Thema künstliche Intelligenz (KI) in aller Munde. Immer wieder ist die Rede davon, welche Aufgaben eine KI erledigen kann – und bei Beschäftigten wächst die Sorge, bald von einem Computer ersetzt zu werden. Zugleich könnten durch die Technologie aber auch neue Arbeitsplätze entstehen, meinen hingegen Experten und Arbeitgeber.
Ist das Aufkommen von KI für den Arbeitsmarkt also Fluch oder Segen? „Ich würde da eher von Chancen sprechen“, sagte Roland Dupák, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Emden-Leer, unserer Redaktion mit Blick auf Ostfriesland. „Das kann auch den Fachkräftemangel kompensieren.“
Drei Viertel der Unternehmen wollen KI einsetzen
Laut einer Umfrage des Weltwirtschaftsforums wollen beinahe 75 Prozent der befragten Unternehmen KI in den kommenden Jahren einsetzen. 50 Prozent rechnen damit, dass hierdurch neue Jobs entstehen, 25 Prozent rechnen hingegen mit einem Verlust von Arbeitsplätzen.
Mit der Frage, welche Folgen die weitere Automatisierung und der Einsatz von KI für den Arbeitsmarkt in verschiedenen Regionen in Deutschland haben werden, beschäftigt sich auch eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Die Wissenschaftler haben hierfür zwei Zahlen herangezogen: Einerseits den Anteil an Beschäftigten, deren Tätigkeiten im Jahr 2016 auch von Maschinen erledigt werden konnten, andererseits die Anzahl an neuen Arbeitsplätzen, die in den Jahren von 2012 bis 2019 in den einzelnen Regionen entstanden sind.
In Emden sind ostfrieslandweit die meisten Jobs zu Maschinen ersetzbar
So hätten in der Region Emden, die in der Studie auch den Landkreis Aurich umfasst, 41,5 Prozent der Tätigkeiten automatisiert werden können. Die Region erzielt hierbei ostfrieslandweit den Spitzenwert, was am Volkswagen-Werk als größtem Arbeitgeber liegen dürfte. In ähnlich industriell geprägten Regionen wie dem VW-Stammsitz Wolfsburg (47,4 Prozent) oder dem BMW-Standort Dingolfing in Bayern (52,1 Prozent) sind die Werte sogar noch höher.
Im Landkreis Leer waren 2016 laut Studie 38,7 Prozent der Tätigkeiten potenziell durch Automatisierung ersetzbar, in der Region Wilhelmshaven, zu der die RWI-Forscher auch die Landkreise Wittmund und Friesland rechnen, waren es 37,5 Prozent.
Automatisierung bedeutet nicht unbedingt auch einen Jobabbau
Zugleich ist die Zahl der Beschäftigten in Ostfriesland zwischen 2012 und 2019 aber gewachsen: in der Region Emden um 1,8 Prozent, im Kreis Leer um 2,3 Prozent und in der Region Wilhelmshaven um 1,6 Prozent.
Doch was lässt sich aus den Zahlen ablesen? Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass mehr Automatisierung nicht gleichzeitig auch einen Jobabbau bedeutet: „Gerade in Regionen, in denen besonders viele berufliche Tätigkeiten durch Automatisierung ersetzt werden können, wuchs die Beschäftigung überdurchschnittlich“, sagte Studienautor Uwe Neumann dem „Spiegel“.
Arbeitsagentur Emden-Leer setzt verstärkt auf das Thema Weiterbildung
Dies bedeute aber nicht, dass es durch KI keine Risiken gebe: Gerade in Regionen mit einer schwachen Wirtschaftsstruktur werde es künftig für Unternehmen schwieriger, neue Arbeitsplätze zu schaffen, so Neumann. Zudem sei Qualifizierung ein wichtiges Thema – denn die neuen Arbeitsplätze würden oftmals spezielle Kenntnisse erfordern.
An diesem Punkt wolle auch die Arbeitsagentur Emden-Leer ansetzen, wie Dupák sagte: „Wie können Betriebe Mitarbeiter weiterqualifizieren?“ – das sei die entscheidende Frage. Nur wenn es gelinge, Beschäftigte für neue, mitunter auch anspruchsvollere Tätigkeiten fit zu machen, könnten sie auch weiterhin in den hiesigen Unternehmen arbeiten. Letztlich sei aber momentan noch nicht im Detail abzuschätzen, welche Folgen die neue Technologie für den ostfriesischen Arbeitsmarkt haben werde, sagte Dupák. Aber: „Wie sich die KI auswirkt, werden wir genau beobachten.“