Das wünschen sich Leeraner  Weniger Parkplätze, mehr Grün und Sitzgelegenheiten

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 08.05.2023 11:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Leeraner Altstadt lockt viele Besucher an. Der Aufenthalt dort soll aber noch schöner werden. Foto: Ortgies/Archiv
Die Leeraner Altstadt lockt viele Besucher an. Der Aufenthalt dort soll aber noch schöner werden. Foto: Ortgies/Archiv
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In acht Workshops haben sich Leeraner Gedanken über die Zukunft ihrer Stadt gemacht. Jetzt gibt es konkrete Maßnahmen, die umgesetzt werden sollen – die ersten wurden schon angepackt.

Leer - Wie soll sich die Leeraner Innenstadt kurz-, mittel- und langfristig entwickeln? Dazu haben sich Bürger in den vergangenen Monaten gemeinsam mit Mitgliedern der Stadtverwaltung und des Büros NWP aus Oldenburg Gedanken gemacht. Das Büro hat aus den Diskussionen 30 konkrete Maßnahmen entwickelt, die die Stadt attraktiver machen würden – für die Bürger, für Kunden und für Touristen.

Was und warum

Darum geht es: Aus den Diskussionen der Bürger-Workshops hat das beteiligte Fachbüro konkrete Maßnahmen formuliert, die nach und nach umgesetzt werden sollen.

Vor allem interessant für: Leeraner und Besucher der Stadt

Deshalb berichten wir: Die Bürger sollen wissen, welche Maßnahmen aus den Ergebnisse der Workshops entwickelt wurden, damit sie auf eine Umsetzung pochen können.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Es geht um Angebote im Internet, um eine Aufwertung von Ernst-Reuter-Platz und Altstadt und um eine Optimierung der Routen durch die Stadt. Das sind die wichtigsten ersten Ergebnisse der Workshops, die ersten wurden übrigens schon angegangen.

Das könnte bald angepackt werden

Um die Aufenthaltsqualität in der Altstadt zu steigern, könnte ein Großteil der Parkbuchten in der Brunnenstraße und im westlichen Teil der Mühlenstraße zumindest zeitweise zu Außensitzplätzen oder Abstellplätzen für Fahrräder umgewandelt werden. Das Büro NWP schlägt vor, nur noch drei Behinderten-Parkplätze beizubehalten. Für die anderen Parkplätze müssten an anderer Stelle, beispielsweise am Parkplatz am Ostersteg zusätzliche Stellplätze geschaffen werden. Der zuständige Fachausschuss hat schon zugestimmt, dass die Stadtverwaltung mobile Module mit Sitzgelegenheiten oder Fahrradständern anschafft, die – auch testweise – in die Parkbuchten gestellt werden könnten.

Eine attraktive Innenstadt lockt auch viele Kunden an. Symbolfoto: Scholz/dpa
Eine attraktive Innenstadt lockt auch viele Kunden an. Symbolfoto: Scholz/dpa

Damit die Fußgängerzone besser zur Altstadt hin geöffnet wird, könnte ein über der Straße hängendes großes Metallschild auf die Altstadt hinweisen. In der Rathausstraße könnte ein Radfahr-Verbot während der Geschäftszeiten – ähnlich wie jetzt schon in der Fußgängerzone – für Entspannung sorgen. Für das Stadtmobiliar – Sitzgelegenheiten, Beschilderung, Fahrradständer, Beleuchtung –sollte ein einheitliches Konzept erstellt werden, das für ein einheitliches Bild in der Altstadt und später in der gesamten Innenstadt sorgt.

Außerhalb der Marktzeiten soll der Ernst-Reuter-Platz stärker belebt werden. Gedacht wird beispielsweise an Ausstellungflächen, mobile Sitzterrassen oder eine mobile Bühne, Foodtrucks oder Spielmobile.

Ein zentraler Internetauftritt soll alle Informationen, die derzeit noch vereinzelt im Netz umherschwirren, bündeln und so zur zentralen Informationsquelle für Bürger und Besucher werden.

Über eine zentrale Internetseite – oder über eine App – sollen Bürger und Besucher alle wichtigen Informationen bekommen. Foto: stock/adobe.com, Composing: Fischer
Über eine zentrale Internetseite – oder über eine App – sollen Bürger und Besucher alle wichtigen Informationen bekommen. Foto: stock/adobe.com, Composing: Fischer

Wichtig ist dabei der intensive und stetige Austausch aller Beteiligten. Deshalb soll eine Akteurs- und Expertenrunde gegründet werden.

Das Büro hat auch einen Vorschlag aus der Bürgerschaft aufgenommen, der derzeit für einige Diskussion in Politik und Verwaltung sorgt: 200 Bäume für 200 Jahre Stadtrechte. Bürger, Vereine und Institutionen könnten Flächen für die Bäume zur Verfügung stellen, die Bäume selber pflanzen und dauerhaft pflegen.

Wichtige Projekte, die mittelfristig umgesetzt werden können

Die Stadt soll ein Parkleitsystem bekommen, das Autofahrer gezielt zu freien Stellplätzen auf Parkplätzen oder Parkhäuser führt. Das Ganze könnte mit einer App unterstützt werden.

Der Busverkehr soll so attraktiv werden, dass auch die bisher eher zögerlichen Leeraner gerne vom Auto auf den Bus umsteigen. Ergänzend dazu soll das Fahrradfahren in der Stadt attraktiver werden, ohne in Konflikt mit den Fußgängern zu kommen. In Zusammenarbeit mit den Bürgern sollen neue Radwege eingerichtet werden.

Im Ostersteg finden Radfahrer schon sehr komfortable Bedingungen vor. Das soll auf andere Straßen in der Innenstadt übertragen werden. Foto: Kierstein/Archiv
Im Ostersteg finden Radfahrer schon sehr komfortable Bedingungen vor. Das soll auf andere Straßen in der Innenstadt übertragen werden. Foto: Kierstein/Archiv

Die Brunnenstraße soll durch elektronische Poller zeitweise für Autos gesperrt werden können. Das könnte sowohl für einzelne Veranstaltungen als auch beispielsweise generell fürs Wochenende geschehen.

Der Spielplatz auf dem Ernst-Reuter-Platz ist so sehr in die Jahre gekommen und wegen seines attraktiven Standorts so stark frequentiert, dass er neu gestaltet werden soll. Denkbar ist ein maritimer Themen-Spielplatz. Auch der Promenaden-Bereich des Platzes soll deutlich aufgewertet werden: Diskutiert werden Geländemodellierungen, Erlebnispfade, Pflanzbeete und Wildblumenwiesen.

Das braucht noch Zeit

Innerhalb der Innenstadt sollen weitere Grün- und Aufenthaltsflächen eingerichtet werden. Dort sollen sich die Menschen begegnen und miteinander umgehen, was das Zusammengehörigkeitsgefühl erhöht.

Der Ernst-Reuter-Platz, auf dem derzeit noch verschiedenste Nutzungen kreuz und quer durcheinander laufen, soll neu gegliedert werden: Die Marktfläche könnte durch eine Eventfläche ergänzt werden. Zum Wasser hin könnte eine parkähnliche Grünfläche entstehen, in die der Spielplatz integriert wird. Der Promenadenbereich soll ebenfalls grüner werden und zum Verweilen einladen. Von den derzeit noch 42 Parkplätzen (ohne die direkt am Wasser) sollen allenfalls 28 erhalten bleiben.

Um die Aufenthaltsqualität im gesamten Innenstadtbereich für alle Bürger zu optimieren, soll ein so genannter Zielnetzplan erstellt werden. Alle wichtigen Ziele in der Innenstadt werden dabei miteinander verbunden. Die sich so ergebenen wichtigen Strecken werden auf bauliche Qualität, Barrierefreiheit und Aufenthaltsqualität hin überprüft.

Die Brunnenstraße soll langfristig so weit wie möglich autofrei werden. Dazu müsste aber zuvor ein Verkehrsentwicklungskonzept alternative Lösungswege erarbeiten.

So autofrei ist die Brunnenstraße nur selten. In Zukunft könnte das häufiger der Fall sein. Foto: Wolters/Archiv
So autofrei ist die Brunnenstraße nur selten. In Zukunft könnte das häufiger der Fall sein. Foto: Wolters/Archiv

Das Internet könnte helfen, die Innenstadt vom Autoverkehr zu entlasten. Um das Zentrum herum könnten kleine Logistik-Zentren und Abholfächer entstehen. Von dort könnten die Waren mit kleineren, umweltverträglicheren Fahrzeugen verteilt beziehungsweise von Kunden abgeholt werden. Denkbar sind auch per App bestellbare Fahrten mit Kleinbussen sowie Car- und Bike-Sharing-Angebote.

Es sollen digitale Stadtführungen für verschiedene Zielgruppen und Themenschwerpunkte entwickelt werden. Sie ermöglichen Besuchern, die Stadt terminunabhängig zu erkunden.

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