IHK-Präsident warnt  Lange Planungsprozesse bremsen Tourismus und Wirtschaft

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 06.05.2023 10:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Friesenbrücke in Weener wurde im Dezember 2015 bei einer Schiffskollision schwer beschädigt. Mit der Fertigstellung des Neubaus wird frühestens Ende 2024 gerechnet. Für Dr. Bernhard Brons, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg, nur ein Beispiel für Infrastrukturprojekte in Ostfriesland, die viel schneller realisiert werden müssten. Foto: Gettkowski
Die Friesenbrücke in Weener wurde im Dezember 2015 bei einer Schiffskollision schwer beschädigt. Mit der Fertigstellung des Neubaus wird frühestens Ende 2024 gerechnet. Für Dr. Bernhard Brons, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg, nur ein Beispiel für Infrastrukturprojekte in Ostfriesland, die viel schneller realisiert werden müssten. Foto: Gettkowski
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Der Bau neuer Brücken und Straßen dauert in Ostfriesland viel zu lange, sagt IHK-Präsident Dr. Bernhard Brons. Er fordert mehr Tempo. Andernfalls könnte das fatale Folgen für die Region haben.

Ostfriesland - „Wir brauchen endlich mehr Tempo bei der Planung und Umsetzung von Infrastrukturprojekten in Ostfriesland“, fordert Dr. Bernhard Brons. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg warnt davor, dass die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Region ausgebremst wird, wenn die Planung insbesondere von Straßen und Brücken nicht deutlich beschleunigt werde.

Wo genau müsste die Planung schneller gehen?

„Emden braucht unbedingt eine zweite Eisenbahnklappbrücke“, so Brons. Damit die Inseln und die Urlaubsorte an der Küste erreicht werden können, sei eine zweite Brücke erforderlich. Falle die vorhandene aus, stünden Touristen, vor allem aber das Emder VW-Werk vor einem Riesenproblem. Es werde zu nahezu 80 Prozent mit der Bahn versorgt. „Als ich ein Kind war, war dort, wo heute das VW-Werk stand, nichts“, blickt er zurück. Elf Monate nach dem Beschluss zum Bau des Werks im Jahr 1962 sei dort der erste VW-Käfer vom Band gerollt. Von solch schnellen Prozessen könne man heute nur träumen.

Dr. Bernhard Brons, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg, wünscht sich mehr Tempo bei der Planung von Infrastrukturprojekten. FOTO: FOTO BRUNKE EMDEN
Dr. Bernhard Brons, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg, wünscht sich mehr Tempo bei der Planung von Infrastrukturprojekten. FOTO: FOTO BRUNKE EMDEN

Was sind Folgen langwieriger Planungen?

Langwierige Planungen bremsen nach Einschätzung des IHK-Präsidenten die Wirtschaft in der Region aus. Wenn Verkehrsverbindungen nicht funktionieren, schrecke das ansiedlungswillige Firmen ab und könne schlimmstenfalls dazu führen, dass Unternehmen sich aus der Region verabschieden. Enercon beispielsweise müsse sich am Markt behaupten können. „Daher muss die Verkehrsbindung hier genauso gut sein wie an anderen Standorten“, sagt Brons und spielt auf die Auricher Ortsumgehung an.

Bei der B 210 hakt es in seinen Augen an der Verbindung von Ihlow nach Südbrookmerland. Die sei später aber insbesondere für das Zentralklinikum von großer Bedeutung. „Es wäre fatal, wenn Patienten aus Oldersum mit dem Rettungswagen über die Autobahn über Emden durch den zähen Verkehr bei McDonald‘s nach Georgsheil gebracht werden müssten.“ Hier müsse schnellstens Druck gemacht werden. Bislang fehle der Straßenbaubehörde aber ein Planungsauftrag. „Unsere Landesregierung muss das gegenüber dem Bund mit mehr Nachdruck einfordern.“

Dass der Ausbau der B 210 vorankomme sei aber auch aus touristischer Sicht wichtig. „Ein großer Teil der Urlauber reist immer noch mit dem Auto an.“ Staus und zähflüssiger Verkehr auf dem Weg zum Urlaubsziel würden Gäste verärgern. „Wenn die das zweimal mitgemacht haben, fliegen die lieber nach Mallorca.“ Aber auch ein gut funktionierender Öffentlicher Personennahverkehr könne die Region attraktiv machen. Brons hält die Reaktivierung alter Bahnhöfe für den richtigen Schritt und nennt den Haltepunkt, der in Bunde entsteht, als positives Beispiel, das sich auch auf Oldersum übertragen ließe. „Die Reaktivierung in Oldersum würde keine Millionen kosten, würde für die Menschen aber viel bringen“, macht er deutlich, „auch Leer und Emden würden profitieren“.

Was macht die Planungen so langsam?

„Die Dialogprozesse drehen sich oft im Kreis und dauern ewig“, bemängelt Brons. Ihm missfällt die Taktik mancher Umweltverbände. Es sei richtig und wichtig, ökologische Aspekte abzuwägen. „Die Wirtschaft kann damit leben, Nachteile für die Umwelt auszugleichen, aber die Ergebnisse mit den Umweltverbänden müssen auch zum Abschluss gebracht werden und dann auch verbindlich sein.“ In der Praxis ließen sich die Verbände oftmals eine Klage offen. Komme es tatsächlich dazu, führe das zu erheblichen Verzögerungen.

Was muss sich ändern?

Nach Auffassung des IHK-Präsidenten müsse die Politik die gesetzlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Planung deutlich schneller geht. Dass das grundsätzlich möglich sei, zeige der Bau der Gaspipeline vom LNG-Terminal in Wilhelmshaven im Zuge der Energiekrise. „Entlang der Autobahn liegen die Leitungen schon parat“, berichtet Brons, „diese von Niedersachsen Ministerpräsident Stefan Weil propagierte Niedersachsen-Geschwindigkeit brauchen wir nicht nur für die Sicherung der Gasversorgung, sondern auch in anderen Bereichen“.

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