Ausreißer in der Polizei-Statistik Leer/Emden  Jeder vierte Unfall-Verursacher haut ab

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 04.05.2023 16:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
2022 gab es einige Unfälle wie diesen nahe des Ems-Parks in Leer. Foto: Wolters/Archiv
2022 gab es einige Unfälle wie diesen nahe des Ems-Parks in Leer. Foto: Wolters/Archiv
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Unfälle, Verletzte und Risikogruppen: Die Polizei Leer/Emden hat die Zahlen für 2022 veröffentlicht. Manche sind erschreckend, andere überraschend. In einer Stadt knallt es öfter.

Leer/Emden - Die freudige Nachricht zuerst: Die Unfallzahlen im Verkehr sind nach dem Knick in der Pandemie zwar wieder gestiegen, aber nicht auf das Niveau vor Corona. 2018 waren es 4298 Verkehrsunfälle, die Zahl fiel rapide auf 3571, nun stieg sie wieder, aber blieb mit 4022 unter der Vor-Corona-Höhe. Dabei lässt sich sagen, dass Zahlen im Bereich der Polizeiinspektion Leer/Emden dieselbe Entwicklung machen wie niedersachsenweit – aber: Es gibt auf die Einwohnerzahl bezogen deutlich weniger Unfälle als im Landesdurchschnitt. „Das ist sehr erfreulich“, sagt Polizeidirektor Thomas Memering.

In Leer knallt es öfter

Apropos Einwohnerzahl: Die Städte Leer und Emden haben die Höchstwerte bei den Gesamtunfallzahlen. Was auffällt: Es leben mit rund 35.000 Einwohnern deutlich weniger Menschen als in Emden – mit mehr als 50.000 – und doch knallt es in der Ledastadt öfter: 900 zu 860. Woran das genau liegt, kann man nicht sagen, aber eine Idee ist, „dass mehr Leute von außerhalb mit dem Auto nach Leer fahren als das in Emden der Fall ist“, erklärt Memering. Bei den anderen Kommunen des Kreises gibt es keine größeren Auffälligkeiten. Ob Stadtgebiet, Kreis oder Autobahn: Die Zahl der Wildunfälle steigt. Auf 483 insgesamt. Zum Vergleich: 2018 waren es noch 100 weniger.

Unfallfolgen

Die meisten Unfälle gehen glimpflich aus: Wie in den Jahren zuvor endete der Großteil der Unfälle auch 2022 mit einem Sachschaden. Weil die Polizei nicht zu allen Zwischenfällen gerufen wird, gibt es auch eine gewisse Dunkelziffer von Unfällen, die nicht in die Statistik einfließen.

Leider kamen auch Menschen zu Schaden – jeder Sechste wurde verletzt, erklärt Frida Sander, Leiterin Einsatz. Es gab 922 Leichtverletzte, 144 Personen wurden schwer verletzt und acht Personen getötet.

Gründe für Unfälle

Damit die Polizei Unfälle verhindern kann, wird möglichst genau hingeschaut und schließlich ausgewertet, welche Ursachen die Zwischenfälle haben. Ganz klarer Hauptgrund sind Fehler beim Abbiegen. Das hat sich in den vergangenen Jahren nicht gewandelt. „Es bleibt die Ursache Nummer eins“, sagt Sander.

An zweiter Stelle folgt – ebenfalls wie seit Jahren – der mangelnde Sicherheitsabstand. „Das gilt nicht nur nach vorne, sondern auch zur Seite. Zu angestellten PKW zum Beispiel“, sagt sie. „Dabei müssen wir uns allerdings auch auf das verlassen, was die Unfallbeteiligten uns sagen. Wenn sie unachtsam waren, weil sie aufs Handy geschaut oder etwas im Auto bedient oder auch die schöne Landschaft betrachtet haben, aber das nicht so erzählen, läuft es doch auf den mangelnden Abstand hinaus.“

Bei schlimmen Unfällen mit schwer verletzten oder getöteten Personen sehen die Gründe etwas anders aus. Hier sind Fehler beim Abbiegen auch oft der Grund, aber Ablenkung oder „49“: „Wenn wir nicht klären können, wie es dazu kam, tragen wir eine 49 ein“, so Sander.

Kinder, Senioren, junge Fahrer

Die Gefahren und die Unfallursachen für manche Gruppen werden noch einmal gesondert betrachtet. Darunter sind Kinder von 0 bis 14 Jahren. Die sind laut Statistik eher gefährdet, wenn sie mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind, als wenn sie im Auto mitfahren. Insgesamt sind im vergangenen Jahr 78 Kinder leicht, elf schwer und eines tödlich verletzt worden.

Junge Leute (18 bis 24 Jahre) sind im Bereich der PI 2022 nicht bei Unfällen getötet worden, allerdings wurden 22 schwer und 171 leicht verletzt. Bei ihnen sind nicht, wie man vielleicht erwarten könnte, Fehler beim Überholen die Ursache vieler Unfälle – im Gegenteil ist das eher selten der Grund. Es ist der mangelnde Abstand. „Sie haben ein gutes Sichtfeld, haben keine Probleme, sich umzusehen, so machen sie auch seltener Fehler beim Abbiegen“, erklärt dazu Frida Sander.

Das stellt sich anders dar, wenn es um Seniorinnen und Senioren geht (ab 65 Jahre). Die häufigsten Unfälle passierten 2022 in dieser Gruppe beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren.

Radfahrer

Die Region ist eine beliebte bei Radfahrenden. Auch diese wurden 2022 in Unfälle verwickelt. Am häufigsten ist der Grund das Nutzen der falschen Fahrbahn, „wenn die Radler links auf nicht freigegebenen Wegen fahren“, erklärt Sander. Das gilt für diejenigen, die ein „normales“ Rad fahren genauso wie für Pedelec-Fahrer, die elektronische Unterstützung haben. „Bei diesen könnte man vermuten, dass auch die Geschwindigkeit ein Grund ist, das spiegelt sich in den Zahlen aber nicht wider“, so Memering.

Unfallflucht

Als „erschreckend“ beschreibt Polizistin Frida Sander die Zahlen der Unfallfluchten. „Mehr als jeder Vierte Verursacher hat sich nicht gemeldet“, erklärt sie. Das sei mit jeder Menge Ermittlungsarbeit für die Polizei verbunden. Insgesamt konnten 372 von 1031 Unfallfluchten geklärt werden. Bei Unfällen, bei denen Personen zu Schaden gekommen sind, waren es 36 von 80. „In solchen Fällen gibt es häufig mehr Ansatzpunkte für die Ermittlungen“, sagt sie.

Alkohol und Drogen

Aber nicht nur durch eine Flucht vom Unfallort machen sich Leute strafbar. So mancher wird auch nach dem Genuss von Alkohol oder Drogen hinterm Steuer erwischt. 2022 stieg die Zahl derer, die vor der Fahrt getrunken hatten und der Polizei ins Netz gingen von 171 (2021) auf 210. Die Zahl der Unfälle, die unter Alkoholeinfluss passierten, sank von 71 (2021) auf 66.

Bei denjenigen, die unter Drogen standen – am häufigsten ist das THC – haben sich die Zahlen anders entwickelt. Von 2021 mit 370 ist die Zahl der Leute, die unter Drogeneinfluss am Steuer aufgefallen worden sind, auf 361 gefallen, aber die Zahl der Unfälle stieg.

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