Osnabrück  Robert Habecks Spruch: Warum beißt die Maus keinen Faden ab?

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 05.05.2023 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz rechts mit Patrick Graichen, Staatssekretär. Foto: www.imago-images.de
Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz rechts mit Patrick Graichen, Staatssekretär. Foto: www.imago-images.de
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Da beißt die Maus keinen Faden ab: Warum hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck gerade diese Redensart benutzt? Und was bedeutet sie eigentlich?

Was hätte Robert Habeck nicht alles sagen können. Zum Beispiel: Ja, das ist so, wir haben einen Fehler gemacht. Aber er sagte: Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Robert Habecks Staatssekretär Patrick Graichen wirkt als Mitglied einer Findungskommission daran mit, dass Michael Schäfer Chef der Deutschen Energie-Agentur wird. Das Geschmäckle: Schäfer war Graichens Trauzeuge. „Ganz normaler Filz“, wie die Süddeutsche Zeitung titelt. Klingt der peinliche Vorgang weniger schlimm, wenn er mit der Maus illustriert und damit verniedlicht wird?

Bundeswirtschaftsminister Habeck hat den Spruch womöglich benutzt, weil seine Übersetzung wohl allzu hart geklungen hätte: Es ist ein peinlicher Fehler passiert und daran ist nichts zu rütteln. So hätte es heißen müssen.

Aber warum beißt die Maus eigentlich keinen Faden ab, wenn etwas bekräftigt werden soll? Sagte diesen Spruch zuerst ein Schneider, der seinem Kunden versichern wollte, dass ein Stoff bei ihm in guten Händen sei?

Oder zitiert jeder, der diese Redewendung benutzt, eine Fabel des antiken Dichters Äsop? Da beißt eine Maus den Faden eines Netzes durch, in dem ein Löwe gefangen ist. Tut sie das nicht, gibt es keinen Ausweg aus einer verzwickten Lage.

Dritte Version: Am Gertrudentag, dem 17. März, hörte man auf den Höfen auf mit dem Spinnen, ging hinaus auf das Feld. Der Tag der Heiligen Gertrud trennt die Winter- von der Sommerarbeit. Auf Bildern wird die Gertrud oft mit einer Maus dargestellt. Beißt sie den gesponnenen Faden ab?

Von Antike bis Christentum und Volksweisheit: Wer nach einer Erklärung dafür sucht, warum die Maus keinen Faden abbeißt, verliert sich im Dickicht der Überlieferungen. Verblüffend genug, dass eine Redewendung, die einen so eindeutigen Sinn hat, nur sehr ungenau auf eine Herkunft festgelegt werden kann.

Was zeigt das? Sicher, dass über den Erfolg einer Redewendung in der Kommunikation nicht allein ihre Herkunft entscheidet. Die darf offenbar ruhig vergessen oder verdrängt werden. Entscheidend ist dabei wohl, dass die Verwendung eindeutig ist – und immer neu wiederholt wird.

Robert Habeck hat genau dazu beigetragen, als er eine Maus keinen Faden abbeißen ließ. Der Redewendung hilft das. Der Vorgang, um den es in Habecks Ministerium geht, wird dadurch keinen Deut besser.

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