Grüne Die Grünen sollten mehr Palmer wagen!
Boris Palmer hat sich mal wieder im Ton vergriffen, die Grünen freuen sich über seinen Rückzug. Dabei könnten sie etwas von ihm lernen.
Die Grünen atmen auf, weil der umstrittene Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, den von ihnen lang herbeigesehnten Rückzug antritt. Man wünsche ihm ein schönes Leben, ruft Bundesvorsitzender Omid Nouripour ihm nach. Bedauern klingt anders. Sein Rückzug hat aber symbolische Bedeutung für die Grünen insgesamt.
Palmer hat es in Tübingen geschafft, dass fast zwei Drittel der dortigen Bevölkerung grün wählt. Seine Stadt ist auf dem besten Weg, bis 2030 klimaneutral zu werden – und das nicht gegen den Willen, sondern mit der Unterstützung der Bevölkerung. Er hat in der Corona-Pandemie und in der Flüchtlingskrise pragmatische Lösungen entwickelt, aber auch Probleme und Grenzen offen und klar benannt. Zuletzt verlangte er von seiner Bundespartei einen neuen Kurs in der Migrationspolitik.
Dass den Grünen selbst fehlt, was Palmer in Tübingen auszeichnet, zeigt der Streit um Heizungen. Die Grünen stehen mal wieder als moralisierende Verbotspartei da und haben sich das selbst zuzuschreiben. Sie haben es vergeigt und zahlen den Preis dafür in sinkenden Umfragewerten. Wollen sie Volkspartei werden und bei der nächsten Bundestagswahl Olaf Scholz herausfordern, müssten sie in mancher Hinsicht eher mehr Palmer wagen. Sonst schrumpfen sie wieder auf das Niveau der Klientelpartei, die sie hinter sich geglaubt hatten.
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