Gegenwind für Projekt in Leer Neue Bäume im Verwaltungs-Dschungel
Der Vorschlag von Bürgern, anlässlich von 200 Jahre Stadtrechte 200 Bäume zu pflanzen, klang unkompliziert. Scheinbar ist die Umsetzung aber alles andere als einfach.
Leer - Thomas Bruns (CDU) war in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr (EKUV) sehr optimistisch, dass seine Fraktion mit ihrem Antrag die Zustimmung von den anderen Fraktionen und Gruppen und auch von der Stadtverwaltung bekommen werde: „Es geht um etwas Gutes, dem kann man nur zustimmen“, sagte er – und wurde eines Besseren belehrt.
Die CDU hatte vorgeschlagen, dass die Stadtverwaltung anlässlich des 200. Jahrestages der Erlangung der Stadtrechte, Baumsetzlinge an Bürger herausgibt, die diese in ihre Gärten pflanzen. Neben den zusätzlichen Bäumen im Stadtgebiet bringe das auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger mit ihrer Stadt, hatte die CDU argumentiert. Zuvor hatte die Stadt dem Vorschlag von Bürgern eine Absage erteilt, 200 Bäume auf öffentlichen Grundstücken zu pflanzen. So viele geeignete Stellen gebe es nicht.
Bearbeitung der Anträge macht Bäume teuer
Bruns hatte mit seinem Optimismus die Rechnung ohne Stadtbaurat Rainer Kleylein-Klein gemacht. Der rechnete nämlich akribisch vor, dass es mit den veranschlagten ein bis zwei Euro pro Setzling lange nicht getan ist. Die optimale Pflanzzeit für wurzelnackte Bäume, also Bäume ohne Ballen, sei zwischen Oktober und Mai, also nicht, wenn das Stadtrechte-Jubiläum gefeiert werden soll, so der Stadtbaurat. Geeignete Baum-Setzlinge im Container, die das ganze Jahr über gepflanzt werden können, kosteten aber fünf bis 20 Euro. Damit liege man bei den reinen Anschaffungskosten für 200 Setzlinge schon bei 1000 bis 4000 Euro.
Dann dürfe man den Verwaltungsaufwand der Aktion nicht vergessen. Schließlich müsse jemand überprüfen, ob der jeweilige Antragssteller tatsächlich im Stadtgebiet wohnt und dass nicht mehr als ein Antrag pro Grundstück gestellt wird. Gehe man im Idealfall davon aus, dass nur die ersten 200 eingegangenen Anträge geprüft werden müssten und jeder Antrag einen Stadtverwaltungsmitarbeiter eine halbe Stunde beschäftige, stiegen die Kosten für die Aktion auf 5000 bis 8500 Euro. Der erkennbar konsternierte Thomas Bruns bedankte sich für die akribische Arbeit. Er hoffe aber, dass das den verantwortlichen Mitarbeiter nicht allzu lange beschäftigt habe und damit die Stadt zu viel Geld gekostet habe.
Grüne legen eigenen Antrag vor
Gegenwind gab es auch von den Grünen. Die hätten einen eigenen Antrag zu dem Thema verfasst, kündigte Bruno Schachner an. Der liegt zwischenzeitlich der Redaktion vor. Die Grünen fordern ebenfalls die Pflanzung von 200 Bäumen anlässlich von 200 Jahren Stadtrechte. Finanziert werden sollen sie über Baumpatenschaften, die von Bürgern, Schulen, Firmen, Einrichtungen oder Parteien übernommen werden könnten. Stadtverwaltung und Stadtwerke sollten bestimmen welche Bäume wo gepflanzt werden sollen. Eine Baumpatenschaft soll auch die Kosten für die Pflege der ersten drei Jahre umfassen.
Ob, wo und wie in Zukunft 200 Bäume in Leer neu gepflanzt werden, entscheidet die Politik entweder in der nächsten Sitzung des EKUV (nach jetzigem Stand am 1. Juni) oder im nichtöffentlich tagenden Verwaltungsausschuss. Dessen nächste Sitzung wäre am 10. Mai.