Berlin  Blamage bei den Oscars: Sind ARD und ZDF am Ende?

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 29.04.2023 14:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
ARD und ZDF haben Edward Bergers Oscar-Erfolg „Im Westen nichts Neues“ aus der Hand gegeben. Foto: Danny Moloshok/Invision/AP/dpa
ARD und ZDF haben Edward Bergers Oscar-Erfolg „Im Westen nichts Neues“ aus der Hand gegeben. Foto: Danny Moloshok/Invision/AP/dpa
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Edward Berger geht mit ARD und ZDF ins Gericht: Beiden Sender hatte der Regisseur „Im Westen nichts Neues“ angeboten – ohne Erfolg. Sind seine vier Oscars die Sargnägel der Öffentlich-Rechtlichen?

Deutschlands erfolgreichster Film aller Zeiten ist eine Netflix-Produktion. Und das, so berichtet es der Regisseur von „Im Westen nichts Neues“, obwohl er das Werk auch ARD und ZDF angeboten hatte. Belegt der Triumph des Streamingdienstes, dass die Öffentlich-Rechtlichen am Ende sind? Hat das lineare Fernsehen ausgedient?

Ganz so schlimm ist es wohl nicht. Noch immer steht in fast jedem deutschen Haushalt ein Fernseher. Und auch wenn die Akzeptanz des Rundfunkbeitrags gering ist – die des damit bezahlten Programms ist hoch; sogar die junge Zielgruppe hält ARD und ZDF als unverzichtbar. Gucken tut sie allerdings immer weniger.

Wie sehr das Fernsehen – ob öffentlich-rechtlich oder privat – die Leute bewegen kann, merkt man immer dann, wenn etwas schiefgeht: Eine „Let’s Dance”-Tänzerin knickt mit dem Fuß um? Ein Unbekannter moderiert die Tagesschau“, weil der NDR den Dienstplan verbockt hat? Solche Momente machen das Fernsehen regelmäßig zum Tagesgespräch.

Das gilt nicht nur für Pannen: ProSieben gibt seinen Entertainern Joko und Klaas immer wieder Primetime-Sendezeit – ohne jede redaktionelle Kontrolle. Und darin machen die beiden dann sogar eine Sieben-Stunden-Reportage über den Pflegenotstand zum Ereignis. Im Ersten wäre das eine Themenwoche samt Talk und „Tatort“ geworden, die keinen aufregt.

Fernsehen braucht Mut und Lust am Unvorhersehbaren, heute mehr denn je. Genau das also, was Edward Berger bei den Öffentlich-Rechtlichen vermisst hat. Sie sollten ihm zuhören. Wer unterhalten will, muss was riskieren. Man darf sich ruhig blamieren. Das aber bitte mit dem eigenen Programm – und nie wieder damit, den Film, über den jeder spricht, an Netflix verloren zu haben.

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