Kolumne „Intern“  Zeitungsverleger streiten mit der Bundesregierung

Joachim Braun
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Eine Kolumne von Joachim Braun
| 28.04.2023 09:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Für viele ältere Menschen, die mit dem Internet fremdeln, ist die gedruckte Tageszeitung noch so etwas wie das Tor zu ihrer Heimat und zur ganzen Welt. In manchen Regionen ist dies jedoch in Gefahr.

Rund die Hälfte der Kosten eines Zeitungsabos verschlingen inzwischen Druck und Zustellung. Die Abos werden immer teurer, aber noch schneller steigt der Aufwand für den Logistikbereich - ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar. Und so tat der Verband Nordwestdeutscher Zeitungsverlage und Digitalpublisher (VNZV) etwas, wovor er bisher zurückscheute. Die Verleger schlugen öffentlich Alarm mit der Warnung, dass es bald Regionen geben werde, ohne eigene Lokalzeitung. „Es ist eine Minute vor zwölf, wenn nicht gar nur wenige Sekunden“, behauptete VNZV-Vorsitzender Jochen Anderweit, Verleger der Grafschafter Nachrichten in Nordhorn.

Zur Person

Joachim Braun (57) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“ gewählt.

Wird es so kommen? Ist diese Einschätzung realistisch? Möglicherweise. In Ostfriesland sieht es zwar gar nicht danach aus - hier gibt es kaum einen Ort, über den nicht drei verschiedene Zeitungen berichten - aber in anderen ländlichen Gebieten katapultieren die Logistikkosten kleine, bisher durchaus rentierliche Verlage in die roten Zahlen - vor allem solche, die in Sachen digitaler Transformation ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Und wenn dann kein großer Verlag zur Übernahme bereit ist, droht ein „weißer Fleck“.

Volkswirtschaftlich betrachtet kann man natürlich sagen, was soll‘s? Unternehmen kommen und gehen. Was dies aber für unsere Demokratie bedeutet, ist nicht absehbar. Teilhabe basiert nun mal auf Wissen. Wissen, das auf der kommunalen Ebene durch unabhängige Lokaljournalisten vermittelt wird. Wir sorgen für den Diskurs in der Demokratie, wir sind die Mittler zwischen Politik und Bürgern.

In den USA gibt es solche „weißen Flecken“ schon lange. Wie Studien ergaben, stiegen in diesen Region Korruption und die Kosten für öffentliche Verwaltung.

Bundeskanzler Scholz höchstpersönlich hatte voriges Jahr bei einem Kongress eine staatliche Zustellförderung angekündigt. Passiert ist nichts. Im Gegenteil. Wirtschaftsminister Habeck will nicht mal mit den Verlegern sprechen.

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