Berlin  Wärmepumpen und Solaranlagen mieten: Ist das wirklich eine Alternative zum Kauf?

Leon Grupe
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Von Leon Grupe
| 27.04.2023 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Wärmepumpe auf der Garage, Solaranlage auf dem Hausdach. Foto: Imago Images/Robert Poorten
Wärmepumpe auf der Garage, Solaranlage auf dem Hausdach. Foto: Imago Images/Robert Poorten
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Wärmepumpen und Solaranlagen sind in ihrer Anschaffung teuer. Beides kann man aber mieten. Eine Experte erklärt, worauf Verbraucher achten müssen, wie viel man im Monat mindestens ausgeben muss und für wen eine Miete infrage kommt.

Solaranlage auf dem Dach, Wärmepumpe im Garten: Angesichts des geplanten Austausches klimaschädlicher Heizungen, dürften viele Menschen über eine solche Kombination nachdenken. Doch die Anschaffung ist teuer. Zehntausende Euro sind schnell futsch und bis sich die Investition rentiert hat, dauert es. Es gibt aber auch auf den ersten Blick günstigere Optionen: die Geräte mieten. Ein Gespräch mit Andreas Holtgrave, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, über Kosten, Wartezeiten und knifflige Mietverträge.

Frage: Ich überlege, eine Wärmepumpe zu mieten. Mit welchen Kosten muss ich monatlich rechnen?

Antwort: Unter 200 Euro pro Monat findet sich kaum ein Angebot.

Frage: Wovon hängt der Preis ab?

Antwort: Von Ihrem Wärmeverbrauch, vom Anbieter und der Vertragslaufzeit. Und soll die Wärmepumpe den Gesamtbedarf abdecken oder ist sie mit einem zweiten Wärmeerzeuger kombiniert, der die Wärmepumpe unterstützt, wenn besonders viel geheizt wird? Das wirkt sich auf die erforderliche Leistung der Pumpe aus.

Frage: Und wenn ich das Gerät mit einer Solaranlage auf meinem Hausdach betreiben möchte?

Antwort: Die Angebote gehen bei ungefähr 100 Euro pro Monat los, je nach Größe und Ausstattung.

Frage: Welche Anbieter gibt es?

Antwort: Energiekonzerne wie EWE, E.ON und EnBW, jüngere Unternehmen wie DZ-4 oder Enpal, oder auch viele lokale Stadtwerke. Wenn Sie sich für eine Wärmepumpe interessieren, können Sie auch bei Unternehmen wie Thermondo oder Herstellern wie Bosch und Viessmann anfragen.

Frage: Kann die Miete während der Vertragslaufzeit steigen?

Antwort: Nein. Aber die laufenden Betriebskosten werden variieren.

Frage: Worauf sollte ich bei der Suche nach Anbietern achten?

Antwort: Wenn Sie ein Angebot erhalten haben, sollten Sie die Verträge genau lesen und die wirtschaftliche Bewertung prüfen. Viele Landkreise und Kommunen, aber auch einige Bundesländer bieten Solarkataster als Onlinerechner an. Dort können Sie eine Photovoltaikanlage und eine zusätzliche Wärmepumpe anwählen. In den Rechner geben Sie die Adresse Ihres Hauses, aktuelle Verbrauchszahlen bzw. geplante Veränderungen ein, vor allem im Hinblick auf Ihren Strom- und Wärmebedarf. Das Programm zeigt an, welche Anlagen für Ihr Gebäude geeignet sind, welche Kosten entstehen und wie hoch die Einsparungen sind. Das hilft bei Ihrer Entscheidung.

Frage: Welche Solarkataster empfehlen Sie?

Antwort: Gute Erfahrungen habe ich mit dem lokalen Kataster im Landkreis Osnabrück und dem Kataster für Südniedersachsen gemacht.

Frage: Kann ich immer eine fachgerechte Beratung seitens der Anbieter erwarten?

Antwort: Darauf würde ich mich nicht verlassen. Bei privatwirtschaftlichen Unternehmen vermischt sich die Beratung mit ökonomischen Interessen. In vielen Orten gibt es Solarvereine oder Solarkampagnen, die kein Verkaufsinteresse haben. Dort können Sie sich eine zweite und dritte Meinung einholen.

Frage: Haben die Mietverträge eine Mindestlaufzeit?

Antwort: Ja. Beim Energieunternehmen EWE laufen die Verträge mindestens zehn Jahre. Bei Enpal sind es 20 Jahre, anschließend können Sie die Anlage für einen symbolischen Wert übernehmen, zum Beispiel für einen Euro. Aber da wäre ich vorsichtig.

Frage: Warum?

Antwort: Weil Anlagen nach 20 Jahren renovierungsbedürftig sein können und die Kosten dann auf den Mieter abgewälzt werden.

Frage: Werden die Geräte ausgetauscht, wenn es neue Entwicklungen gibt?

Antwort: Im Einzelfall kann das sein, das ist aber nicht die Regel. Die Module auf dem Dach haben zum Beispiel eine längere Lebensdauer, weit über 20 Jahre hinaus. Aber womöglich müssen Wechselrichter und Speicher während der Vertragszeit ausgetauscht werden.

Frage: Wer trägt die Kosten für einen Austausch?

Antwort: Das hängt vom Anbieter und vom Vertrag ab. Enpal hat zum Beispiel den Austausch des Wechselrichters im Vertrag drin. Ob dasselbe aber auch für den Stromspeicher gilt, ist zu prüfen. Natürlich können Sie versuchen, einen Extraschutz für die Geräte und Anlagen abzuschließen. Dadurch steigt aber auch die monatliche Mietgebühr.

Frage: Und was mache ich, wenn das Gerät defekt ist?

Antwort: Im Vertrag sollten Sie auf die Zusicherung eines funktionstüchtigen Geräts drängen. Im Idealfall wird auch ein Zeitraum für eine Reparatur oder einen Geräteaustausch festgelegt. Dann haben Sie die Garantie, dass der Anbieter einen Defekt innerhalb weniger Tage beheben muss.

Frage: Und wenn das nicht passiert?

Antwort: Dann besteht üblicherweise das Recht, die Miete zu mindern, weil der Anbieter eine zugesagte Leistung nicht erbringt.

Frage: Wenn ich heute einen Mietvertrag für eine Wärmepumpe oder eine PV-Anlage abschließe, mit welcher Lieferzeit muss ich rechnen?

Antwort: Bei Wärmepumpen sind es meist sechs Monate bis zu einem Jahr. Bei Solaranlagen zwischen drei und neun Monaten.

Frage: Sitze ich im Dunkeln und muss frieren, wenn ich die Geräte zurückgebe?

Antwort: Mit dem Abbau einer Solaranlage steigen nur die Elektrizitätskosten, weil Sie den Strom wieder komplett aus dem öffentlichen Netz beziehen. Wird die Wärmepumpe entfernt, muss auch das Heizsystem umgebaut werden. Das sollten Sie in die Sommermonate legen, weil die Wärmeversorgung zwischenzeitlich eingeschränkt sein wird.

Frage: Kann ich nur als Eigentümer oder auch als Mieter eine Anlage pachten?

Antwort: Abgesehen von kleinen Balkonkraftwerken, die Sie ohne Erlaubnis auf dem Balkon oder der Terrasse aufstellen können, geht ohne die Zustimmung des Vermieters sonst nichts.

Frage: Eignet sich eine Wärmepumpe für jedes Haus?

Antwort: Ich würde grob sagen, dass die meisten Einfamilienhäuser infrage kommen, die nach der Jahrtausendwende gebaut wurden. Gerade ältere Mehrfamilienhäuser und größere Gebäude sollten erst mal energetisch saniert werden. Im Zweifel geht zu viel Wärme verloren und man muss mit einem hohen Stromverbrauch rechnen. Das ist völlig unökonomisch.

Frage: Wie sieht das bei Solaranlagen aus?

Antwort: Das ist deutlich einfacher. Mittlerweile sind die Anlagen technisch so gut, dass sie mehr oder weniger für jedes Haus geeignet sind. Es sei denn, Sie haben einen riesigen Baum direkt vor der Tür, der alles verschattet.

Frage: Spare ich Geld, wenn ich mit einer gemieteten Wärmepumpe heize, anstatt mit Öl oder Gas?

Antwort: Nein, das kann aktuell nicht gesagt werden. Dafür sind Öl und Gas noch zu günstig.

Frage: Dann bitte eine Fazit: Wärmepumpe und Solaranlage mieten oder kaufen – wie würden Sie sich entscheiden?

Antwort: Ich bin skeptisch, dass gemietete Anlagen und Geräte zu einer Kostenentlastung führen. Als Verbraucher muss ich immer bedenken: Die Anbieter wollen an dem Geschäftsmodell verdienen. Langfristig zahle ich mehr, als wenn ich die Wärmepumpe auf einmal bezahle. Daher sollte jeder, der das Geld hat, sich für einen Kauf entscheiden. Da ist das finanzielle Einsparpotenzial deutlich größer.

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