Berlin  „Unfall, dass diese Frau Außenministerin geworden ist“: Precht attackiert Baerbock

Pia Hinrichs
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Von Pia Hinrichs
| 26.04.2023 14:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Richard David Precht (58) ist unter anderem als Schriftsteller mit Beststellern wie „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ bekannt. Foto: dpa/Henning Kaiser
Richard David Precht (58) ist unter anderem als Schriftsteller mit Beststellern wie „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ bekannt. Foto: dpa/Henning Kaiser
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Philosoph und Schriftsteller Richard David Precht sorgt mit Aussagen über Annalena Baerbock derzeit für großes Aufsehen. In der aktuellen Podcast-Folge „Lanz und Precht“ wirft er der Außenministerin unter anderem vor, nichts in ihrem Leben geleistet zu haben.

An Richard David Precht scheiden sich die Geister: Die einen halten den Philosophen für brillant, die anderen für überheblich. Darüber, dass Precht mit Äußerungen gegenüber Außenministerin Annalena Baerbock eine Grenze überschritten hat, scheinen sich die meisten jedoch einig zu sein. Für den 58-Jährigen hagelt es nun scharfe Kritik – auch aus prominenten Reihen.

Zwei Männer setzen sich vor ein Mikrofon, erklären ihren Hörern die Welt – und erreichen damit ein Millionenpublikum. Etliche Podcasts funktionieren nach diesem Prinzip: „Fest und Flauschig“ mit Jan Böhmermann und Olli Schulz, „Gemischtes Hack“ mit Felix Lobrecht und Tommi Schmitt. So auch der ZDF-Podcast von Markus Lanz und Richard David Precht, den sie ganz einfach nach sich selbst benannt haben: „Lanz und Precht“.

Der eine Fernsehmoderator, der andere Philosoph und Buchautor: Lanz (54) und Precht reden in der aktuellen Folge über den Arbeitsmarkt in Indien und den wirtschaftlichen Aufschwung in China. Dann kommen die Podcast-Moderatoren auf den Staatsbesuch der Außenministerin in China zu sprechen.

„Wenn ich ganz ehrlich sein darf, denke ich immer: Was für ein Unfall, dass diese Frau Außenministerin geworden ist“, sagt Richard David Precht – nach eigenen Angaben zwar Anhänger westlicher Werte, aber offenbar nicht vom Kurs der deutschen Außenpolitik.

Annalena Baerbock studierte unter anderem Politikwissenschaften in London und absolvierte ein Praktikum bei einer Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Richard David Precht hingegen ist sich sicher: „Die hätte unter normalen Bedingungen im Auswärtigen Amt nicht mal ein Praktikum gekriegt.“

Warum der Philosoph Baerbock – in seinen Augen „jemand mit der moralischen Inbrunst einer Klassensprecherin“ – so scharf kritisiert: Precht spricht sich gegen das Missionieren der westlichen Welt gegenüber Jahrhunderte alter Wirtschaften wie China aus. Er empfinde Fremdscham, wenn er sehe, dass Annalena Baerbock China aufgrund des Konflikts mit Taiwan drohe.

„Da ist diese gerade einmal 40-jährige junge Frau, die in ihrem Leben noch nichts geleistet hat“, führt er seine Tirade fort – und wird von Markus Lanz zur Ordnung gerufen. Um den Verdacht der Frauenfeindlichkeit aus dem Raum zu schaffen, ordnet Lanz die Worte Prechts für die Zuhörer rasch ein. Es sei bei den Äußerungen Baerbocks vollkommen egal, dass sie eine Frau ist – und auch ihr Alter spiele keine Rolle.

„Die Tatsache, dass sie eine Frau ist, ist hier völlig irrelevant“, pflichtet Precht ihm bei, um dann noch einmal auszuholen: „Ich meine nur jemanden, der auf keine Lebensleistung zurückblickt.“

Lesen Sie auch: Annalena Baerbock beliebteste Ministerin – Scholz abgeschlagen

Für seine Äußerung erntet Richard David Precht seit Tagen nun schon scharfe Kritik. Vor allem wird ihm Frauenfeindlichkeit und Überheblichkeit vorgeworfen. So twittert Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der „Zeit“:

Auch Renate Künast, Bundestagsabgeordnete und Grünen-Politikerin, hält zu ihrer Partei-Kollegin:

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