Osnabrück  So will das Bistum Osnabrück im Umgang mit Missbrauch besser werden

Stefanie Witte
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Von Stefanie Witte
| 26.04.2023 13:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Über den aktuellen Stand des sogenannten „diözesanen Schutzprozesses gegen sexualisierte Gewalt und geistlichen Missbrauch“ im Bistum Osnabrück informierte neben anderen Thomas Veen, Sprecher der Monitoringgruppe (rechts). Daneben: Kai Mennigmann, Sprecher des Bistums Osnabrück Foto: André Havergo
Über den aktuellen Stand des sogenannten „diözesanen Schutzprozesses gegen sexualisierte Gewalt und geistlichen Missbrauch“ im Bistum Osnabrück informierte neben anderen Thomas Veen, Sprecher der Monitoringgruppe (rechts). Daneben: Kai Mennigmann, Sprecher des Bistums Osnabrück Foto: André Havergo
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Das Bistum Osnabrück und seine externen Berater wollen im Umgang mit Missbrauch weiter für Verbesserungen sorgen.

Bei einer Pressekonferenz im Forum am Osnabrücker Dom gab die sogenannte „Monitoringgruppe”, die den Umgang mit Missbrauch überwacht, einige Veränderungen bekannt. So sollen die ehemalige niedersächsische Justizministerin Barbara Havliza und Esther de Fries vom Osnabrücker Kinderschutzbund das Gremium verstärken.

Thomas Veen, Sprecher der Monitoringruppe und Osnabrücker Landgerichtspräsident, betonte, man könne mittlerweile einen „angemessenen Umgang mit Betroffenen und ihrem Schicksal gewährleisten”. Um „Schwächen in der administrativen Bearbeitung” und im Umgang mit Betroffenen zu begegnen, sei nun die Stelle einer unabhängigen Beauftragten im Generalvikariat, der Verwaltung des Bistums, geschaffen worden. Konkret kümmert sich seit Anfang April Sandra Körbs um die Aufarbeitung von Missbrauch im Bistum Osnabrück. In „quasi richterlicher Unabhängigkeit”, so Veen, könne Körbs unabhängig von Weisungen des Generalvikariats Interessen Betroffener stärker zur Geltung bringen und dafür sorgen, dass Verfahren stringenter liefen. Die Studie habe aber auch dazu veranlasst, sich mit sämtlichen alten Fällen systematisch zu befassen und diese gegebenenfalls neu zu bewerten.

Die Juristin war zuletzt in der Rechtsabteilung der Stadtwerke Osnabrück tätig, lebt seit 20 Jahren in Osnabrück und sagte bei der Pressekonferenz, sie habe als Katholikin großes Interesse an konsequenter Aufarbeitung.

Seit drei Wochen begleitet Körbs den Prozess in ihrer neuen Funktion. Derzeit führe sie viele Gespräche und verschaffe sich einen Überblick über die Strukturen in der Diözese, sagte Körbs. Besonders wichtig seien ihr die Interessen der Betroffenen. Die Ansprechpersonen für Betroffene ersetze sie jedoch nicht. Mit Blick auf das Spannungsfeld, bei der Kirche angestellt zu sein und gleichzeitig unabhängig zu arbeiten, erklärte Körbs, sie sehe sich vor allem den kirchenexternen Mitarbeitern im Schutzprozess gegenüber verantwortlich.

Die Juristin erklärte, sie werde sich nun auch ins Kirchenrecht einarbeiten. Ein weiteres Arbeitsfeld: In der Studie der Uni OS zum Umgang mit sexualisierter Gewalt wurden Pflichten für die Kirche definiert. Sie in kirchliche Abläufe zu übersetzen, damit will sich Körbs ebenfalls auseinandersetzen. Bislang seien ihr keine Hindernisse dafür bekannt, sagte die Juristin.

Heinz-Wilhelm Brockmann, ebenfalls Sprecher der Monitoringgruppe, betonte zudem die führende Rolle kirchenexterner Mitarbeiter im Umgang mit sexualisierter Gewalt.

Wichtig sei auch, dass es mittlerweile eine feste Verfahrensordnung im Umgang mit Hinweisen gebe. Veen ergänzte, seit dem Erscheinen der Studie der Universität seien neue Fälle bekannt geworden. Außerdem sind laut 51 Anträge Betroffener auf Anerkennung erlittenen Leids eingegangen. Zunächst hatten Bistum und Monitoringgruppe von 51 Fällen, also 51 Beschuldigten und Tätern gesprochen. Das wurde später korrigiert. Die Studie der Uni Osnabrück spricht von mehr als 70 Beschuldigten.

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