Hamburg  Ex-Zuhälter Klaus Barkowsky: Der „schöne Klaus“ mit 69 Jahren in Hamburg gestorben

Guido Behsen, Dagmar Gehm
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Von Guido Behsen, Dagmar Gehm
| 25.04.2023 15:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Klaus Barkowsky alias „Der schöne Klaus“ bei einer Vernissage im Erotic Art Museum. Foto: www.imago-images.de
Klaus Barkowsky alias „Der schöne Klaus“ bei einer Vernissage im Erotic Art Museum. Foto: www.imago-images.de
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Er war einer der letzten Vertreter des alten Kiez auf St. Pauli. Jetzt ist Klaus Barkowsky, in Hamburg bekannt als der „schöne Klaus“, mit 69 Jahren gestorben. Die Umstände sind offenbar dramatisch.

Er war Zuhälter, aber einer mit der Ausstrahlung eines Filmstars, da ist man sich auf dem Kiez einig. Klaus Barkowsky wurde in den 1970er-Jahren als Chef der berüchtigten Nutella-Bande zur Größe im Hamburger Rotlicht. Später stieg er aus dem Milieu aus, machte sich als Künstler einen Namen, stürzte aber auch immer wieder gnadenlos ab.

Jetzt ist St. Pauli um eines seiner letzten Originale ärmer. Der „schöne Klaus“, wie Barkowsky hier nur genannt wurde, starb im Alter von 69 Jahren. Nur wenige Wochen nach der Ausstrahlung der Serie „Luden“ auf Amazon Prime, die vor allem von der wahren Geschichte des „schönen Klaus“ inspiriert wurde.

Zunächst hatte „Bild“ über dessen Tod berichtet. Demnach stürzte Barkowsky vom Balkon seiner Wohnung in Altona. „Er hat sich selbst verabschiedet“, zitiert die Zeitung Barkowskys langjährigen Weggefährten Karl-Heinz Schwensen. „Er war ein halbes Jahr lang immer wieder im Krankenhaus, war schwer krank.“

2022 drehte sich die dreiteilige TV-Doku „Die Paten von St. Pauli“ um die seit den späten 1960er, frühen 1970-Jahren aufsteigenden „Jungen Wilden“ im Hamburger Rotlichtmileu. Mittendrin mit gerade einmal Anfang 20: Der „schöne Klaus“ Barkowsky, Chef der Nutella-Bande, der mit blonder Mähne, Rolex-Uhren und Lamborghini-Sportwagen zu einer Art Halbwelt-Star wurde. Auf Kosten der Frauen, die für ihn anschafften, auch wenn er sich in Sachen Aussehen, Charme und Intelligenz von vielen Akteuren rivalisierender Gruppen wie der sogenannten GMBH oder der „Chikago“-Connection abhob.

Als die Gewalt in den 1980er-Jahren immer mehr zunahm und mehrere Bordellbetreiber und Zuhälter Mordanschlägen zum Opfer fielen, mutmaßlich verübt von Auftragskiller Werner „Mucki“ Pinzner, zog sich Barkowsky aus dem Rotlicht zurück. Die aufkommende Aids-Epidemie und steigender Druck vonseiten der Polizei taten ihr Übriges zu seinem Rückzug. Dem Kiez aber blieb der schöne Klaus treu, und dort ging es von da an für ihn auf und ab. Ausstellungen als Künstler folgten immer wieder Phasen exzessiver Abstürze. Manchmal betrank er sich im berühmt-berüchtigten Elbschlosskeller über Tage und Wochen bis zur Bewusstlosigkeit.

In der legendären Kneipe am Hamburger Berg ist die Betroffenheit groß. „Seit meinem ersten Tag auf dem Kiez vor mehr als 20 Jahren war er Gast im Elbschlosskeller“, erinnert sich Kiez-Kultwirt Daniel Schmidt. „Er war einfach ein originaler Typ, der mit sich und allen anderen immer schonungslos ehrlich umgegangen ist, auch mit mir.“ Klaus habe zuletzt einen geerdeten Eindruck gemacht, auch weil es wegen der Corona-Pandemie weniger Gelegenheiten zum Feiern gegeben habe. „Er hatte ja auch eine junge Freundin“, weiß Schmidt. „Und natürlich tut mir als Vater sein Sohn richtig, richtig, richtig leid. Das ist schon sehr heftig.“

Der schöne Klaus hat auf St. Pauli alle Höhen und Tiefen mitgemacht. „Viele der alten Jungs sind tot, im Knast oder leben ein bürgerliches Leben, aber ich bin noch hier und gut drauf“, sagte Barkowsky, als er für die TV-Doku „Die Paten von St. Pauli“ an der Elbe interviewt wurde. Seine Mitarbeit an der Serie „Luden“ schien diesen Eindruck zu bestätigen. Jetzt trägt der alte Kiez Trauer.

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