Osnabrück Kunst-Koloss: Wer braucht das neue Berliner Museum der Moderne?
Das geplante Berliner Museum der Moderne wird schon als Scheune verspottet. Dem Projekt der Architekten Herzog und de Meuron fehlt der Esprit. Der Kunst-Kasten ist aus der Zeit gefallen.
Jetzt gibt es was aufs Dach: Das Berliner Museum der Moderne soll mit Photovoltaik-Paneelen bepflastert werden. Und inmitten von lauter Bäumen wie der Pavillon in einem hübschen Stadtpark erscheinen. Auf dem Computerbild sieht der schon als Scheune verspottete Kulturkasten fast wie ein ökologisches Musterhäusle aus.
Die Klima-Retusche nützt aber nichts. Das ganze Projekt wirkt wie das letzte Schwergewicht des fossilen Zeitalters. Mein Vorschlag: Gar nicht erst bauen!
Dabei begeistern mich Museen immer wieder. Klassiker wie das Guggenheim in Bilbao, das Centre Pompidou in Paris oder die gerade restaurierte Neue Nationalgalerie in Berlin haben ihre Zeit definiert – als Schrittmacher, ja, als gebaute Utopien, die das Leben von Millionen schöner gemacht haben.
Wenn das Berliner Museum der Moderne nur ein Abglanz von so viel Aufbruch wäre. Aber dieser Hangar ist nicht einmal pompös, geschweige denn glamourös. Das Projekt wirkt wie eine große, aber hohle Geste. Welch eine Müdigkeit leisten sich die Architekten Herzog und de Meuron da – nachdem sie Hamburg mit der Elbphilharmonie gerade noch ein glitzerndes Kristall geschenkt hatten. Allein deren Dachlinie mit Wellenschlag ist richtig sexy.
Mit dem Berliner Projekt schlägt das Pendel in die Gegenrichtung. Öko-Desaster und Millionen-Grab? Von dem Museum der Moderne geht nur ein Signal aus: So geht es einfach nicht mehr. Das Projekt wirkt, als spielten Geld und Ressourcen keine Rolle. Sonnenkollektoren und Baumbestand sind kosmetische Korrekturen an einem Projekt, dessen Idee nicht haltbar ist.
Das gilt auch für das Projekt eines Schatzhauses der Moderne des 20. Jahrhunderts. Die rückt der jüngeren Generation aber immer ferner, verliert an Definitionskraft für Gegenwart und nahe Zukunft. Braucht die Kulturwelt noch ein unfassbar teures Renommierstück? Nicht wirklich.
Dabei gäbe es die Chance, in Berlin den großen Wurf zu wagen. Es müsste ein Haus sein, das zeigt, wie Museen klimaneutral werden können, ein Haus zudem, das neue Dialoge der Kunst eröffnet anstatt einen sattsam bekannten Kanon noch einmal aufzublättern.
Das Humboldt-Forum begeistert schon nicht. Jetzt entsteht mit dem Museum der Moderne womöglich das zweite Großprojekt, von dem einfach keine Inspiration für die Zukunft ausgeht. Keine gute Aussicht für Berlin. Warum wird über das Museum der Moderne nicht einfach noch einmal ganz neu nachgedacht, bevor wirklich die Bagger anrollen? Das wäre das Beste.