Flensburg  Prügelattacke in Flensburg: Jugendgruppe bricht Schüler mit Faustschlägen die Nase

Heiko Thomsen
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Von Heiko Thomsen
| 22.04.2023 11:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf diesem Spielplatz neben der Schule geschah der Angriff auf den 15-Jährigen kurz vor den Osterferien. Foto: Heiko Thomsen
Auf diesem Spielplatz neben der Schule geschah der Angriff auf den 15-Jährigen kurz vor den Osterferien. Foto: Heiko Thomsen
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Derzeit macht ein Video im Netz die Runde, das zeigt, wie der 15-jährige Leon an einer Flensburger Schule von einer Jugendgruppe verprügelt und getreten wird. Was war passiert?

Es war ein Fall, der bundesweit für Aufsehen sorgte: In Heide im Kreis Dithmarschen wurde Ende Februar eine 13-jährige Schülerin von anderen Mädchen gequält und verprügelt. Nur gut vier Wochen später hat sich unweit der Käte-Lassen-Schule in Flensburg offenbar ein ähnlicher Vorfall ereignet.

Insgesamt drei Jugendliche haben den 15 Jahre alten Leon kurz vor den Osterferien auf einem Spielplatz neben der Schule verprügelt. Festgehalten wurde die Tat auch hier mit Smartphone-Videos, die anschließend in sozialen Medien die Runde machten und die unserer Redaktion vorliegen.

Leon fällt auf. Der 15-Jährige trägt in seiner Freizeit stets eine Flecktarn-Jacke und eine dazu passende Mütze. „Das ist mein Stil, ich mag das“, erklärt er seinen ungewöhnlichen Bekleidungsstil, mit dem er aber keinesfalls provozieren wolle.

„Verbale Auseinandersetzungen gab es mit den betreffenden Personen auch vorher schonmal, ich vermute, dass die mich einfach nicht mögen“, sagt der Achtklässler.

An jenem Tag sei er auf dem Weg zum Bus gewesen und habe, wie er betont, zufällig zu einem der Jugendlichen geschaut, den er schon von verbalen Auseinandersetzungen kannte. Wenige Sekunden später sei er von mehreren Jugendlichen umringt gewesen. In dieser Situation beginnt die Aufzeichnung der Videos, von denen es mindestens zwei gibt und die nach Aussagen von Leon von zwei 13 Jahre alten Mädchen aufgenommen worden sein sollen.

Ein erstes, nur zehn Sekunden langes Video zeigt den Beginn der körperlichen Auseinandersetzung. Kurz bevor das Video endet, schlägt der Anführer dem gleichaltrigen Leon mit der Faust ins Gesicht. Dann endet die Aufnahme abrupt, doch der Konflikt ist noch nicht zu Ende.

Er setzt sich wenig später einige Meter entfernt auf dem Spielplatz fort. Dort beginnt die Aufnahme des zweiten Videos, das 43 Sekunden lang ist. Der Anführer der Auseinandersetzung fordert Leon auf, sich hinzuknien. Mittlerweile hat er Verstärkung von zwei anderen Jugendlichen bekommen.

Als Leon nach dem Grund fragt, sagt der Täter: „Um dich zu entschuldigen“ – doch noch bevor das Opfer überhaupt reagieren kann, schlägt ein anderer Jugendlicher, der links neben dem Wortführer steht, Leon unvermittelt mit der Faust auf dessen rechte Gesichtshälfte.

Als sich nach dem ersten Schlag eine Person mit einem blauen Rucksack vor die Filmerin stellt, zieht diese ihn mit den Worten „geh mal zur Seite, ich muss filmen“ wieder aus dem Bild. Nur Augenblicke später trifft der nächste Faustschlag den 15-jährigen Schüler. Die Folge: Seine Nase ist gebrochen und schmerzt bei Berührung auch mehr als zwei Wochen danach noch.

Kurz darauf ist in dem Video zu hören, wie mehrere umstehende Jugendliche auf die Verletzungen von Leon aufmerksam machen. „Ey, der blutet schon“, rufen sowohl eine weibliche als auch eine männliche Stimme. Die drei Angreifer hält das aber nicht von weiteren Tätlichkeiten ab. Erst als ein Mädchen zwischen die Kontrahenten geht und den Angreifern entgegenruft „Es reicht jetzt“, lassen diese von Leon ab.

Leon machte sich gleich danach auf den Weg zur Polizei und erstattete Anzeige gegen die drei Angreifer. Während er zwei von ihnen als Mitschüler regelmäßig sehe, sei einer der drei gar kein Schüler der Käte-Lassen-Schule.

Bei der Polizei laufen derzeit die Ermittlungen zu der Gewalttat nach Unterrichtsschluss. „Ich kann das Vorliegen einer entsprechenden Anzeige bestätigen“, erklärt Polizeisprecher Christian Kartheus. Übereinstimmend mit den Schilderungen des Opfers selbst bestätigt er zudem, dass an der Auseinandersetzung mehrere Jugendliche beteiligt waren. „Diese sind uns grundsätzlich auch bekannt“, räumt Kartheus ein.

Da es sich bei den Tatverdächtigen um Minderjährige handelt, will die Polizei derzeit noch keine weiteren Einzelheiten nennen.

Die von den beiden Mädchen aufgenommenen Videos machten nach der Tat vor allem auf WhatsApp die Runde und landeten über Umwege auch bei Leon. Die plötzliche Brutalität der anderen Jugendlichen, für die es nach seinen Worten keine Vorwarnung gab, erschreckt ihn. „Das kam absolut unerwartet“, so Leon.

Er will sich von den Gewalttätigkeiten seiner Mitschüler nicht einschüchtern oder provozieren lassen und will nach den Osterferien weiterhin zur Schule gehen, um in zwei Jahren seinen Schulabschluss zu erlangen. Die Schule war für eine Stellungnahme zu den Mobbing-Vorwürfen war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

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