Heizungsbauer zu Habeckplänen „Vor zehn Jahren wären die Entscheidungen besser gewesen“
Markus Wilken ist Obermeister der Heizungsbauer-Innung in Leer. Die Pläne der Bundesregierung zum Thema Heizung findet er eigentlich gut, es gibt nur einen Haken.
Berlin/Ostfriesland - Vom kommenden Jahr an soll jede neu eingebaute Heizung in Deutschland auf Basis von 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden. Diesen Plan haben Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Bauministerin Klara Geywitz (SPD) am Mittwoch in Berlin vorgestellt. Die Umsetzung soll „technologieneutral“ passieren. Habeck setzt vor allem auf den Einbau von Wärmepumpen. Im Gesetzentwurf werden beispielsweise aber auch ein möglicher Anschluss an ein Wärmenetz oder elektrisch betriebene Heizungen genannt. Für alle Bürger mit selbst genutztem Wohneigentum soll es eine Grundförderung für den Tausch einer alten fossilen gegen eine neue klimafreundlichere Heizung geben – mit einem einheitlichen Satz von 30 Prozent. Es sind jedoch mehrere Sonderregelungen vorgesehen.
Die Pläne aus Berlin sind die Theorie, doch wie sieht es in der Praxis aus? Diese Zeitung hat Markus Wilken, Obermeister der Installateur- und Heizungsbauer-Innung im Landkreis Leer gefragt, wie er die Pläne bewertet. Er findet sie eigentlich gut, nur kämen sie zu spät.
Herr Wilken, wie bewerten Sie die Pläne der Bundesregierung ab 2024?
Grundsätzlich sehe ich die Ansätze der Bundesregierung positiv. Die Klimaproblematik lässt keinen Zweifel daran, dass wir umdenken müssen. Allerdings wäre es besser gewesen, wenn wir damit schon vor zehn Jahren angefangen wären. Jetzt muss alles wahnsinnig schnell umgesetzt werden. Mit mehr Zeit wäre das planbarer und damit machbarer gewesen. Die Hersteller und Installateure müssen bei der Nachfrage nachkommen können.
In Ostfriesland gibt es viele kleine Häuser aus den 60er-Jahren. Ist der Einbau einer Wärmepumpe dort ohne weiteres möglich und sinnvoll?
Das kann man pauschal gar nicht so einfach beantworten. Wenn ein Immobilienmakler sagt: Lage, Lage, Lage bei der Auswahl eines Hauses, sagte ich: Dämmung, Dämmung, Dämmung. Denn der Einbau einer Wärmepumpe bringt nichts, wenn das Gebäude schlecht gedämmt ist. Dann steigen nur die Stromkosten in die Höhe. Wer sein Haus sinnvoll umrüsten möchte, sollte mit einem Energieberater sprechen, der dann einen Plan erstellt: Neue Fenster und Türen, Hohlraumdämmung, neues Dach sind mögliche Veränderungen. Wenn alles passt, dann kann die Wärmepumpe kommen.
Gibt es bei den Vorgaben der Bundesregierungen noch Alternativen zur Wärmepumpe?
Es gibt die Möglichkeit von Hybridlösungen. Das ist eine Mischung aus Wärmepumpe und klassischer Gas-Heizung. Vor allem wird die Hybridlösung bei Mehrfamilienhäusern genutzt, weil dort eine Wärmepumpe allein nicht genügend Leistung bringen könnte, zum Beispiel bei der Warmwasser-Erzeugung. Dann gibt es die Fernwärmenetze. Davon gibt es in Ostfriesland aber nicht viele. Bisher hat man hier auf Gas gesetzt und die Fernwärme wurde vernachlässigt. Mittlerweile gibt es solche Siedlungen zum Beispiel im neuen Baugebiet in Bingum oder auch in Norden. Das Freibad in Weener wird auch via Fernwärme von der Firma Klingele beheizt. Solche Netze in so einem Flächenland wie Ostfriesland umzusetzen ist nicht einfach, wobei es in Skandinavien auch geht. Dort ist man beim Thema Fernwärme schon viel weiter. Wie gesagt: Wären wir vor zehn Jahren damit angefangen, wäre es heute nicht so stressig.
Die Heizungsbranche hat ohnehin schon gut zu tun. Können die ostfriesischen Heizungsbauer den zu erwartenden Ansturm auf neue Heizsysteme bewältigen und macht der Heizungsboom den Job sogar interessanter?
Ja, wir können den Boom bewältigen. Wir kriegen das gewuppt, auch wenn der Ansturm groß ist und in Wellen verläuft. Als der Krieg ausbracht bekamen wir viele Anfragen, dann als spekuliert wurde, dass das Erdgas abgedreht wird, und jetzt durch die Pläne der Bundesregierung wieder. Die Angst ist immer die gleiche, nämlich ohne Heizung und warmes Wasser dazustehen. Für das Ansehen der Branche ist es ein Booster. Wir bekommen wieder mehr Bewerbungen für unsere Ausbildungsplätze. Die Menschen schätzen unseren Beruf wieder sehr und sehen, wie zukunftssicher er ist.
Ist ein flächendeckender Umstieg auf Wärmepumpen aus Ihrer Sicht sinnvoll oder gibt es zukunftsfähigere Lösungen?
Das kann man nicht pauschal sehen und muss man sich auch von Gebäude zu Gebäude ansehen. Zentrale Heizsysteme, sogenannte Quatierslösungen wäre auf jeden Fall zukunftssicher. In neuen Baugebieten sind solche zentralen Heizungsräume auch leicht umzusetzen, so etwas wird zum Beispiel in Jemgum gerade geplant. Was ein Problem ist, sind bestehende Siedlungen. Alle Eigenheimbesitzer einer Straße zusammenzubringen und gemeinsam die Heizungen der ganzen Straße auf eine Fernwärmelösung umzusetzen, stelle ich mir schwierig vor, da große Kosten auf die Eigenheimbesitzer zukämen.